Der 16-jährige Moses ist eines der Opfer. "Abends kam jemand zu unserem Haus und sagte, dass er Arbeit für Moses habe. Moses ging mit, aber er kam nie zurück", erzählt sein kleiner Bruder George vor der fensterlosen Lehmhütte, in der er früher mit seinem großen Bruder und seiner Mutter lebte.

Fünf Tage nachdem Moses seine Familie in der Hoffnung auf ein paar Stunden schlecht bezahlte Arbeit verlassen hatte, fanden zwei Mädchen aus der Nachbarschaft beim Feuerholzsuchen Moses‘ Leiche. Sein Schädel war rasiert, seine Halsschlagader aufgeschnitten, die Zunge abgetrennt, die Augen waren ausgerissen, und die Genitalien mit einem Band aus den Fasern einer Bananenpalme zusammengeschnürt.

Ein Berufsstand in Verruf

Für George war Moses nicht nur der große Bruder, der ihn beschützte. Mit seinen Gelegenheitsjobs versorgte er auch die ganze Familie. Seitdem Moses tot ist, geht George nicht nur mit Angst, sondern auch oft hungrig ins Bett. Kurz nach dem Mord wurden drei Männer aus der Nachbarschaft festgenommen, doch schon bald wurden sie wieder freigelassen.

"Hier wissen alle, wer der Auftraggeber des Hexenmeisters war. Aber er läuft frei herum, weil er ein reicher, mächtiger Mann ist. Das macht mich so wütend! Wir fühlen uns so hilflos und ohnmächtig", sagt Birungi Teffe. Die 68-jährige Nachbarin unterstützt George und seine Mutter so gut sie kann. Öffentlich nennen will sie den Namen des Mannes, den sie für Moses Tod verantwortlich macht, nicht. Sie hat Angst, dass sie zum Schweigen gebracht werden könnte.

Auch wenn rund 85 Prozent der etwa 40 Millionen Ugander sich zum Christentum und rund 15 Prozent zum Islam bekennen, ist der Glaube an die übernatürlichen Kräfte von Opfern weitverbreitet. Fast jeder Fünfte soll überzeugt sein, dass menschliches Blut zu Reichtum verhelfen kann. Mehr als die Hälfte aller Männer und Frauen soll regelmäßig traditionelle Heiler aufsuchen. Doch durch die rituellen Kindstötungen ist nun der ganze Berufsstand in Verruf geraten.

Um zu zeigen, dass sie eine von den Guten ist, hat Maatumani Judith Muneeya sich in ihrem kleinen Schrein ein Zertifikat des Verbandes der traditionellen Heiler Ugandas aufgehängt. Muneeya praktiziert im Bezirk Buikwe, in dem besonders viele dem fatalen Aberglauben zum Opfer fielen.

Nur ein paar Verurteilungen

"Ich würde niemals ein Kind töten oder töten lassen. Das ist ja gar nicht erlaubt und würde auch nichts bringen", sagt die zweifache Mutter, die sich für die Göttin eines nahegelegenen Flusses hält. Bei Schlaganfällen, Herzinfarkten oder einem unerfüllten Kinderwunsch könne sie helfen. Dafür verlangen die Götter selbstverständlich ein Opfer. Ein Huhn, eine Ziege oder sogar eine Kuh. "Aber die Götter würden nie nach einem Kind fragen. Wer seinen Kunden das sagt, der ist kein Heiler, der ist ein Mörder", meint die 38-Jährige. Doch sie kenne so genannte Kollegen, die Kinder geopfert hätten.