Obwohl die Polizei vor zehn Jahren mit einer neuen Spezialeinheit auf die sprunghaft angestiegene Zahl verschwundener und getöteter Kinder reagierte, erhalten die schlechtausgestatteten und auf Grund der miserablen Bezahlung extrem korruptionsanfälligen Sicherheitskräfte nur selten Hinweise. Bislang wurden erst vier Personen wegen der rituellen Tötung von Kindern verurteilt. "Die Leute zeigen nicht ihre eigenen Verwandten oder Bekannten an. Außerdem haben sie Angst, dass die Hexer sie mit einem Fluch belegen oder die Täter sie töten könnten", sagt Alex Wabwire, Polizei-Kommandeur des Distrikt Buikwe. Nicht zuletzt, weil er selbst zwei kleine Kinder hat, will er kriminellen Heilern endlich das Handwerk legen. Deshalb setzt er jetzt auf die Zusammenarbeit mit christlichen und muslimischen Religionsführern. "Oft sind sie näher an den Menschen dran und haben einen größeren Einfluss", gibt der Polizist zu.

Pastor Joseph Kayemba ist einer dieser Geistlichen. "Viele Leute glauben, dass das Opfern von Kindern schon in der Bibel vorkommt. Aber als Gott Abraham bat, seinen Sohn Isaak zu opfern, wollte er nur Abrahams Treue testen. Gott will nicht, dass Kinder geopfert werden. Menschen, die Kinder opfern, können keine Christen sein", sagt der Vater von neun Kindern bei einem Treffen religiöser Führer in einer Schule in Buikwe.

Hier geht auch die zwölfjährige Gorette zur Schule. Mit den Geistlichen und ihren Lehrern hat sie bereits darüber gesprochen, warum immer wieder Kinder verschwinden und später oft verstümmelt aufgefunden werden. "Die Menschen, die Kinder töten oder töten lassen, beten einen Teufel an, der ihnen verspricht, dass er sie reich machen kann", sagt die Schülerin. Aus Angst, dass auch sie diesem Aberglauben zum Opfer fallen könnte, geht sie nur noch in Gruppen zur Schule und verlässt nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr das Haus ihrer Eltern. Das Mädchen, das Ärztin werden möchte, fordert, dass Uganda mehr Geld in Bildung und Aufklärung investiert. "Dann würden die Leute begreifen, dass die Hexer sie belügen", sagt die junge Christin.

Mit Hilfe der Religionsführer

Das Engagement der Imame und Priester wird von World Vision gefördert. In Buikwe und anderen Regionen, in denen christliche und muslimische Geistliche sich gemeinsam zum Schutz der Kinder engagieren, wurden zuletzt deutlich weniger Buben und Mädchen verletzt und getötet. Obed Byamugisha ist deshalb zuversichtlich. "Wenn es uns mit Hilfe der Religionsführer gelingt, die Bevölkerung aufzuklären, die Polizei ihren Kampf verstärkt und Politik und Justiz endlich dafür sorgen, dass mehr Täter schneller verurteilt werden, können wir den Kampf gegen die brutalen Morde gewinnen", sagt der Kinderrechtsexperte, dessen Stimme sich vor Wut oft überschlägt, wenn er über die Verbrechen an den Kindern spricht.

Für Robert, der sein Leben lang eine dicke Narbe am Hals tragen wird, und für Moses, der hinter dem Haus seine Mutter begraben liegt, kommen die geforderten Maßnahmen zu spät. Vielen anderen Buben und Mädchen in Uganda könnten sie jedoch das Leben retten.