Atlanta (Georgia). Die Zahl der Masern-Fälle in den USA ist auf dem höchsten Stand seit 1992. Seit Anfang 2019 hat es 971 Masern-Erkrankungen gegeben, wie die Gesundheitsbehörde CDC am Donnerstag (Ortszeit) in Atlanta mitteilte. "Wenn diese Ausbrüche sich im Sommer und Herbst fortsetzen, könnten die Vereinigten Staaten ihren Status als masernfreies Land verlieren", schrieb die Behörde auf ihrer Website.

Im Jahr 2000 galt die Krankheit in den USA als besiegt. Im vergangenen Jahr gab es laut CDC 372 Masern-Fälle, mittlerweile sei die Krankheit in 26 der insgesamt 50 US-Bundesstaaten registriert worden. Angesichts der steigenden Zahl an Erkrankungen in den USA hat die dortige Gesundheitsbehörde die Bevölkerung erneut dazu aufgerufen, sich impfen zu lassen. Falsche Informationen bezüglich Impfungen würden dazu führen, dass Eltern ihre Kinder verspätet oder gar nicht impfen lassen. "Nochmals will ich Eltern versichern, dass Impfstoffe sicher sind und nicht zu Autismus führen", sagte der Direktor des CDC, Robert Redfield.

In Österreich heuer 118 Menschen erkrankt

In Deutschland wurde die Krankheit nie vollständig ausgerottet. Bisher wurden bundesweit in diesem Jahr 391 Fälle gemeldet - bei einem Viertel der Bevölkerung der USA. Die Masern-Zahlen schwanken in Deutschland von Jahr zu Jahr stark.

In Österreich sind heuer (Stand 22. Mai) bereits 118 Menschen an Masern erkrankt. Betroffen waren laut Gesundheitsministerium die Bundesländer Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg und Wien.

Mehr als 44.000 Fälle in EU und EWR

Das Europäische Zentrum für Krankheitsprävention und -kontrolle (ECDC) hat vor der weiterhin in Europa bestehenden Gefahr von Masern-Erkrankungen gewarnt. Zwischen Jänner 2016 und März 2019 seien in der EU und dem Europäischen Wirtschaftsraum mehr als 44.000 Fälle von Masern gemeldet worden, teilte die Behörde in Stockholm mit.

Diese Zahlen seien besonders deshalb inakzeptabel, weil es bereits seit den 1960er-Jahren wirksame Impfstoffe gegen Masern gebe, erklärte EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis: "Nach den Zielsetzungen der Weltgesundheitsorganisation sollten Masern in der europäischen Region bereits bis 2000 eliminiert worden sein. Trotzdem ist Europa weiter weit davon entfernt, ein masernfreier Kontinent zu sein."

Weil in der EU nicht die derzeitigen globalen Impfquoten erreicht würden, bestehe für 4,5 Millionen Kinder und Teenager unnötigerweise das Risiko, an Masern zu erkranken, teilte ECDC-Direktorin Andrea Ammon mit. Die Zahl der Länder in der Region, die das WHO-Ziel von einer Impfabdeckung von mindestens 95 Prozent mit zwei Impfungen erreichten, sei zwischen 2007 und 2017 von 14 auf 4 signifikant gesunken. EU-weit blieben die Masern somit ein Gesundheitsrisiko, so Ammon. (apa/dpa)