Wien/Caen. Am 6. Juni liegt die Normandie im D-Day-Fieber - heuer mehr denn je. US-Präsident Donald Trump und dessen Frau Melania sind mit dabei, die britische Premierministerin Theresa May und der französische Präsident Emmanuel Macron geben sich die Ehre. Gedacht wird der "Operation Overlord", der großen Invasion des Jahres 1944, die das militärische Ende der Nazis besiegelte. Trump wird bei einem großen Festakt im südenglischen Portsmouth zugegen sein, dann geht es über den Ärmelkanal, wo der US-Präsident den riesigen US-Soldatenfriedhof Colleville-sur-Mer besucht. Dort, auf dem "Omaha Beach", sind am 6. Juni mehr als 2400 US-Soldaten in einem beispiellosen Gemetzel getötet worden.

Politprominenz, Reden und Kranzniederlegungen. Und doch ist im Jahr 2019 vieles anders. Denn heuer jährt sich die Landung der Alliierten zum 75. Mal - und das hat Bedeutung. Es werden zum letzten Mal Veteranen in größerer Zahl an den Festlichkeiten teilnehmen. Rund 300 reisen aus Großbritannien an, einige nehmen sogar den weiten Weg aus den USA und Kanada auf sich. Die jüngsten sind über 90 Jahre alt.

Feiern 2019 stellen alles Dagewesene in den Schatten

Deshalb sollen die D-Day-Feiern 2019 alles bisher Dagewesene übertreffen. Die Aktivitäten finden über das ganze Jahr verteilt statt. Auf beiden Seiten des Ärmelkanals werden Flugshows, Paraden in historischen Uniformen und Konzerte angeboten. Am Sonntag den 9. Juni etwa sollen sich 1000 Fallschirmspringer über dem Ort La Fière in die Tiefe stürzen. Das Programm richtet sich an Geschichtsbewusste, an Kinder und an Waffennarren - alle sollen gleichermaßen auf ihre Rechnung kommen. Die Tourismusstellen in der Normandie rechnen mit zwei Millionen Besuchern, die zu den Feiern anreisen, Hotels buchen und die Restaurants frequentieren.

In der Tat hat sich das Gedenken an den D-Day, an dem tausende alliierte und deutsche Soldaten den Tod fanden, in den letzten Jahren stark verändert: Die lebendige Erinnerung nimmt ab, es sind kaum noch Zeitzeugen übrig, die aus erster Hand erzählen können. Was jetzt kommt, sind Kommerz und Unterhaltung. Denn je länger die Schlacht zurückliegt, desto größer wird das Interesse an dem Ereignis.

Begonnen hat alles in kleinem Rahmen. Veteranen kamen aus Großbritannien, den USA und Kanada, um die Friedhöfe in der Normandie zu besuchen, der Gefallenen zu gedenken und im Gespräch mit ehemaligen Leidensgenossen das Trauma, das viele bis ins hohe Alter nicht losgelassen hat, gemeinsam zu bewältigen. Denn wer den D-Day als Soldat erlebt und überlebt hat, der bekommt die Ereignisse nicht mehr aus dem Kopf.