Ein 96-jähriger US-Amerikaner erzählte Fox-TV, dass er den Geruch von Diesel bis heute nicht ertragen kann. Viele derer, die noch am Leben sind, leiden unter ständig wiederkehrenden Albträumen. Die Erinnerung ist in vielen kleinen Splittern in ihren Gehirnen abgespeichert, immer wieder kehrt sie plötzlich und überwältigend in sogenannten "Flashbacks" wieder.

Minenfelder, Bunker, Maschinengewehre

Insgesamt sind es am 6. Juni 1944 156.000 Soldaten - in erster Linie US-Amerikaner, Briten und Kanadier -, die per Landungsbooten gegen den deutschen "Atlantikwall" anrennen. Das größte Landungsmanöver er Geschichte erfolgte nicht bei Calais, wo der Ärmelkanal nur 30 Kilometer breit ist, sondern in der Normandie, bei der Stadt Caen, wo es die Nazis nicht erwarteten. Aber auch dort wurden Minenfelder, Bunker, Maschinengewehr-Stellungen und Panzersperren errichtet.

Im amerikanischen Landungsabschnitt "Omaha" war die 352. deutsche Infanteriedivision stationiert, die aus allen Rohren schoss. Viele Landungsboote erreichten nicht einmal die Küstenlinie.

Die "Erste Welle" der amerikanischen und kanadischen Einheiten verlor mehr als die Hälfte ihres Mannschaftsbestandes. Die schwer bepackten Infanteristen mussten durch brusthohes Wasser an Land waten. Vier Stunden nach Angriffsbeginn war der sechs Kilometer breite Strandabschnitt mit 3000 Leichen und Schwerverwundeten übersäht, von 34.000 Mann erreichten nur 18.000 lebend den Strand.

Heue ist es eine neue Form des Geschichtstourismus, der die Menschen in Scharen in die Normandie lockt - und der hat zwei Seiten: Auf der einen werden Ausstellungen, Vorträge und Lehrpfade angeboten. Auf der anderen macht sich Festivalstimmung breit, es rollt der Rubel. Weltkriegs-Enthusiasten und Waffennarren kommen hier auf ihre Kosten, es trifft sich alles aus nah und fern, was an Militaria interessiert ist: an Kanonen, alten Jeeps, Geschützen, Panzern, Flugshows mit Geräten aus dem Zweiten Weltkrieg. Hier treffen sich die selbst ernannten Experten, um fachzusimpeln. Sogar ein Trupp Harley-Davidson-Fahrer mit Rädern aus den 40ern hat sein Kommen angekündigt.

Für Kinder ist mit zahlreichen Aktivitäten wie Papierflieger- und Schlachtschiffe-aus-Papier-Falten gesorgt. In den Geschäften ist Kitsch aller Art zu haben, von "Hero"-Postkarten bis zur Plastikhandgranate. Es gibt unzählige D-Day-T-Shirts, D-Day-Bier und Taschen im Military-Look zu kaufen.

Deutsche und österreichische Gäste sind hier in der Minderheit - immerhin rechnet man sich hier immer noch den Verlieren zu. Bei Siegesfeiern fühlen sich viele immer noch deplaciert.

Ganz anders Briten und US-Amerikaner. Die Kranzniederlegung durch Präsident Donald Trump wird von einem wahren Festival umrahmt. Kostümvereine reisen an, alte Kampfflieger werden ausgemottet und die Ereignisse des Jahres 1944 von Schaustellern nachgespielt. Es gibt in den USA einige Charity-Aktionen, die es den letzten Veteranen, den "Helden" von damals, doch noch ermöglichen sollen, an den Ort des Geschehens zurückzukehren. Es gibt Konzerte im Stil der Armee-Unterhaltung der 40er Jahre.