Am 5. Juni wird auch in Portsmouth im ganz großen Stil gefeiert. Das Event soll laut Regierung "eines der größten britischen Militärspektakel der jüngeren Geschichte" werden. Dutzende Flugzeuge der Royal Navy werden wieder in Betrieb genommen, elf Schiffe der Royal Navy hergezeigt. Die Feiern dauern den ganzen Sommer an, Höhepunkt sind die Tage um den 6. Juni.

Am Mittwoch den 5. Juni treten britische D-Day-Veteranen, die noch fit sind, zu ihrem wohl letzten Landungsmanöver in der Normandie an. 300 sollen es werden, diesmal findet die Reise freilich unter unvergleichbar angenehmeren Umständen als vor 75 Jahren statt. Nicht auf wackligen Landungsbooten und im deutschen MG-Feuer, sondern an Bord komfortabler Kreuzfahrtschiffe wie die "MV Boudicca" reisen die alten Herren an. Zahlreich vorhandenes medizinisches Personal kümmert sich um das Wohlergehen der ordenbehangenen Veteranen. Der Dampfer, der von der "Royal British Legion" gechartert wurde, wird von einem Kriegsschiff eskortiert.

Besucher, heißt es in zahlreichen Aufrufen, sind als Statisten herzlich willkommen. Sie sollen den Veteranen beim Verlassen des Hafens in Portsmouth lautstark zuwinken.

Tourismus boomt, überall werden Eintritte verlangt

Die Veranstaltungen in Südengland sind nur ein Vorgeschmack auf das, was zur gleichen Zeit auf der anderen Seite des Ärmelkanals geboten wird. Die internationale Gedenkveranstaltung mit Trump findet am 6. Juni um 18 Uhr in der Normandie statt, am "Juno Beach", einer ehemals heftig umkämpften Landungszone.

Abseits davon boomt der Tourismus, es werden bei jeder Gelegenheit Eintritte verlangt, Hotels und Pensionen sind schon Monate zuvor ausgebucht. Neben Friedensmärschen, Ausstellungen und geführten Touren zu den historischen Stätten kann man sich einen Flug im Helikopter über den ehemaligen Landungsstrand gönnen. Am 5. Juni werden 140 Schausteller um 11.30 Uhr mit historischen Fallschirmen aus C-47-Fliegern über Carentan abspringen. Am Sonntag darauf ist es die Zahl von 1000 Mutigen, die sich über La Fière per Fallschirm in die Tiefe wagen. Am Abend gibt es dann ein riesiges Feuerwerk. Die "Ladys for Liberty" und andere Bands treten in Uniform auf, um im Stil der 40er Jahre für Unterhaltung zu sorgen.

Am Jahrestag der Invasion steigt in der Normandie-Metropole Caen ein "Picknick für den Frieden" - ein Festival, das bereits am 25. Mai begonnen hat und noch bis zum 16. Juni dauert. Daneben werden US-Militärcamps aufgebaut und dem Publikum vorgeführt.

Die historische Bedeutung des D-Day tritt angesichts des Strand-Spektakels in den Hintergrund. Viele, oft jüngere Besucher, wissen gar nicht, wer da gegen wen gekämpft hat.

Der Historiker Peter Lieb, Experte am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) in Potsdam, war zwar noch nie bei den Feierlichkeiten, wie er der "Wiener Zeitung" erzählt. Allerdings hat er sich umso intensiver mit dem historischen Ereignis selbst auseinandergesetzt und unter anderem das Buch "Unternehmen Overlord. Die Invasion in der Normandie und die Befreiung Westeuropas" geschrieben.