Caen/Washington. Militärparaden in Portsmouth, Flugshows am Tag darauf in Nordfrankreich: Donald Trump war bei den Feiern zum D-Day sichtlich in seinem Element. Es ist bekannt, dass der amtierende US-Präsident große militärische Aufmärsche schätzt - am liebsten setzt er sich freilich selbst in Szene, wie US-Medien wie die "New York Times" und "Washington Post" dieser Tage kritisch bemerken.

Am Donnerstag wurde der Toten bei der Landung alliierter Truppen am 6. Juni 1944 in der Normandie gedacht - das Ereignis gilt als Anfang vom endgültigen Ende Nazi-Deutschlands. In diesem Zusammenhang tauchte die Frage auf, wie es der US-Präsident in der Vergangenheit selbst mit Krieg und Kriegsdienst gehalten hat.

Dabei ergibt sich ein durchaus zwiespältiges Bild. Der Trump-Biograf Michael D’ Antonio schildert, dass Trump schon im Alter von 13 Jahren in den Genuss militärischer Zucht und Ordnung kam. Trumps Vater schickte den Junior, der disziplinäre Schwierigkeiten hatte, auf die "New York Military Academy" (NYMA), wo die Kinder reicher Eltern hinkamen. Die zu "weichen" sollten dort abgehärtet werden, während sich die, die zuviel Energie hatten, dort austoben konnten. Der junge Trump soll zur zweiten Kategorie gehört haben. Die NYMA war jedenfalls durch ein hierarchisches System und autoritäre Disziplin geprägt.

Laut Biograf soll es Trump mit 13 dort mit dem Erzieher Theodore Dobias zu tun bekommen haben - einem Kriegsveteranen, der sich mit 17 freiwillig zur Armee gemeldet hat, um gegen die Nazis zu kämpfen. Dobias, ein Haudegen, soll Wert auf eiserne Disziplin gelegt und die Zöglinge nach Strich und Faden verprügelt haben. "Man musste lernen, zu überleben", so Trump über diese Zeit. Laut Biograf soll Trump in dieser Umgebung "regelrecht aufgeblüht" sein, er sei zu einem Liebling von Dobias geworden. Dieser Umstand erklärt laut Beobachtern, warum sich Trump auch als US-Präsident gerne mit alten Offizieren umgibt.

"Vietnam-Drückeberger"

Weniger begeistert war Trump, als er in den Vietnam-Krieg sollte. Zunächst verhinderte ein Studium den Einsatz, dann ein Fersensporn, der in der Folge wieder verschwand. Trump gilt daher bei vielen in den USA als "Vietnam-Drückeberger". Gegenüber dem TV-Sender ITV sagte er während der Feiern zum D-Day, dass er noch "nie ein Fan" des Vietnamkriegs gewesen wäre. Er bedauere in keiner Weise, dort nicht gedient zu haben. "Ich fand, er war sehr weit weg." Dafür, so Trump, diene er jetzt seinem Land umso mehr. Trump hat 2015 seinen Kritiker, Senator John McCain, der in Vietnam in Gefangenschaft geraten und dort gefoltert worden war, verspottet und ihm den Status als "Kriegsheld" abgesprochen. "Ich mag Leute, die nicht gefangen genommen worden sind", so Trump.

Viele junge Männer, die wie Trump aus wohlhabenden Familien stammten oder die Möglichkeit hatten, zu studieren, konnten sich einem Einsatz in Vietnam entziehen - auch die früheren US-Präsidenten George W. Bush und Bill Clinton.