Wer auf eine außergewöhnliche Reise gehen will, muss mit Planänderungen rechnen. Der US-Multimillionär Dennis Tito zum Beispiel wollte zur Mir fliegen, dem russischen Außenposten im Weltall. Er musste aber auf die Internationale Raumstation ISS umgebucht werden. Der Grund: Die altersschwache Mir wurde am 23. März 2001 nach 15 Jahren im All "kontrolliert zum Absturz gebracht" und im Pazifischen Ozean versenkt.

Da hatte Tito, der in den 1960er Jahren für die Nasa gearbeitet hatte, den Russen aber schon rund 20 Millionen Dollar für die Erfüllung seines Lebenstraums gezahlt. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa, die ursprünglich aus Sicherheitsgründen keinen Weltraumtouristen auf der ISS wollte, gab nach langem Zögern grünes Licht. Tito startete am 28. April 2001 gemeinsam mit zwei Kosmonauten an Bord einer russischen "Sojus"-Kapsel vom kasachischen Raumfahrtzentrum Baikonur Richtung ISS. Am 30. April dockte die Mannschaft mit dem zahlenden Gast in 400 Kilometern Höhe an der Station.

Am 6. Mai landete Tito wieder sicher auf der Erde. Ihm folgten in den Jahren darauf sechs weitere begüterte Personen, darunter als bisher einzige Frau die US-Unternehmerin iranischer Abstammung, Anousheh Ansari, die sich das Abenteuer Weltraum ein Vermögen kosten ließen. Zuletzt gönnte sich der Kanadier Guy Laliberté, Gründer des "Cirque du Soleil", im Oktober 2009 die 35 Millionen Dollar teure Reise zur ISS zu seinem 50. Geburtstag.

Fünf Minuten in der Schwerelosigkeit

Doch es muss nicht gleich ein sündteurer Flug zur ISS mit mehrtägigem Aufenthalt sein, der - nebenbei erwähnt - monatelanges Training erfordert. "Die deutlichen kürzeren ‚Suborbitalflüge‘, das heißt, im Wesentlichen eine bogenförmige Flugbahn auf über 100 Kilometern, kommen auf etwa 250.000 US-Dollar. Die Phase der Schwerlosigkeit dauert etwa fünf Minuten, umgerechnet also 50.000 Dollar pro Minute", sagt Gernot Grömer, Direktor des Österreichischen Weltraumforums (ÖWF). Und fügt hinzu: "Wie bei jedem guten Urlaub sollte man aber weniger in den Kosten pro Minute rechnen, sondern wie intensiv das Erlebnis war, und wie lange man von den Erinnerungen zehrt."

"Das Gefühl der Schwerelosigkeit ist ein wirklich beeindruckendes, das - zusammen mit der Aussicht - ein unvergesslicher Moment bleibt", so der Astrophysiker. Die körperliche Belastung sei mit einer Hochschaubahn vergleichbar, auch wenn die Beschleunigungsphasen etwas länger dauern.

Private Raumfahrtunternehmen wie Virgin Galactic des kalifornischen Milliardärs Richard Branson und Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos haben ihre Raumflugzeuge schon in die Startposition gebracht. Indem sie zahlungskräftiges Publikum an die Grenze des Weltraums mitfliegen lassen, wollen sie großes Geld machen - und ihre bisherigen Investitionen in Testflüge und Equipment wieder hereinbekommen.

Die Nachfrage lässt den Schluss zu, dass es ein gutes Geschäft wird: Man spricht von rund 700 Personen - darunter Promis wie Leonardo DiCaprio und Justin Bieber - , die schon die 250.000 Dollar bezahlt haben, um sich Plätze im SpaceShipTwo von Virgin Galactic zu sichern. Branson schwebt als Termin für den ersten kommerziellen Flug ins All Mitte Juli vor. Der Start war allerdings schon einige Male verschoben worden.

In puncto Gesundheitszustand und Trainingsgrad der Passagiere gibt es noch keine verpflichtenden Regeln. Aber die derzeitigen Anbieter seien - nicht zuletzt auch aus haftungstechnischen Gründen - sehr auf die Sicherheit bedacht, so Weltraumexperte Grömer.

"Einer der wesentlichen Unterschiede ist, dass diese Spaceflight participants nur passiv \\\'mitfliegen\\\' und keine Experimente machen müssen oder ein Raumschiff pilotieren müssen wie Astronauten. Das heißt, solange sie in der Lage sind, ihren Helm zu schließen und die Luftversorgung am Raumanzug zu aktivieren, müssen sie nur still sitzen und schweben."

Laut Grömer gibt es einige seriöse Marktstudien, die für kommerzielleWeltraumflüge ein hohes Potential sehen, etwa im Weltraumtourismus. Die Ticketpreise würden aufgrundder Marktgröße und den zu erwartenden Anbietern rasch sinken. Neben dem Passagierflug könnten sich  auch Frachtflüge als lukrativer Marktetablieren.

"Einerseits stützt sich ein Teil des kommerziellen Erfolges des RaumfahrtunternehmensSpaceX bereits jetzt auf kommerzielle Versorgungsflüge zur ISS. Andererseits könnte man mit Suborbitalflügen etwa Produkteinnerhalb von zwei Stunden von Berlin nach Sidney transportieren", so Grömer. Derart schnelle Transportmöglichkeiten könnten in Industriezweigen eine Rolle spielen, bei denen es auf die Hochverfügbarkeit von teuren Bauteilen ankommt. Grömer: "Das könnten die UPS, Fedex oderDHLs der Zukunft werden."

Nasa will ISS für Touristen öffnen

Die ISS wird vermutlich weiterhin nur für die Superreichen zugänglich werden. Die Nasa wehrt sich inzwischen nicht mehr gegen die kommerzielle Nutzung der Raumstation für Weltraumtouristen. Wie die für die ISS zuständige Nasa-Vertreterin Robyn Gatens unlängst ankündigte, wolle die Behörde bis zu "zwei kurze Missionen pro Jahr für Privat-Astronauten" genehmigen.

Die privaten Reisen könnten bis zu 30 Tage dauern. Bis zu einem Dutzend Weltraumtouristen könnten somit jährlich an Bord der ISS kommen. Dorthin sollen sie von SpaceX und US-Flugzeugbauer Boeing gebracht werden, die derzeit Raumkapseln für die Nasa entwickeln. Hin- und Rückflug sollen rund 58 Millionen Dollar kosten. Für das Leben an Bord der Raumstation müssen die Urlauber rund 35.000 Dollar täglich bezahlen.