Panda des Meeres

Ein Grund ist sein putziges Äußeres, das ihm den Namen "Panda des Meeres" eingebracht hat: Seine Augen sind schwarz umrandet, ebenso sein Maul, was ihn immerzu lächelnd scheinen lässt. Sein Kopf ist rundlich und die Schnauze stumpf, er ist ein Leichtgewicht von 55 Kilogramm und mit einer Länge von 1,5 Metern eher klein. Er ist scheu, lebt solitär und reproduziert sich nur im Abstand von zwei Jahren. Anderes als ein Delfin ist er überhaupt nicht an Menschen oder gar Booten interessiert. Zum Atmen taucht er langsam an die Oberfläche, macht eine kleine Vorwärtsrolle und schon ist er wieder weg. Möglicherweise bald für immer. Warum es aber nicht nur um den Vaquita geht, sondern um das gesamte Ökosystem in der Region, damit beschäftigt sich die aktuelle National-Geographic-Doku unter der Regie des Österreichers Richard Ladkani. Sie trägt den Titel "Sea of Shadows" und zeigt erstmals die Geschichte des Meeressäugers und jener, die sich für seinen Schutz einsetzen. Ihr erklärtes Ziel heißt: "Der Vaquita darf nicht sterben."

Erster Offizier der "Sea Shepherd" und Drohnen-Pilot Jack Hutton mit einem toten Totoaba. - © Terra Mater Factual Studios
Erster Offizier der "Sea Shepherd" und Drohnen-Pilot Jack Hutton mit einem toten Totoaba. - © Terra Mater Factual Studios

Die Dreharbeiten gestalteten sich entsprechend gefährlich zwischen allen Fronten: dem mexikanischen Drogenkartell und der chinesischen Mafia. Den illegalen, meist schwer bewaffneten Wilderern, die gegen die mexikanische Marine und die legalen Fischer kämpfen. Wie die Fischer Alan und Javier Valverde. Sie haben sich entschieden, auf die Seite der Regierung zu stehen. Dabei sehen sie zu, wie Kriminelle hohe Profite mit einem einzigen Fang aus dem Meer machen. "Zuerst wird das Meer aussterben. Dann werden unsere Leute sterben", sagt Javier Valverde. In unzähligen Versuchen forscht die Umweltorganisation "Sea Shepherd" nach Geisternetzen, um diese wieder aus dem Meer zu holen. Immer wieder werden sie dabei von Kriminellen attackiert. Verbissen kämpft auch der erste Offizier der "Sea Shepherd" und Drohnen-Pilot Jack Hutton. Unermüdlich schickt er eine Drohne in den Nachthimmel, die das Gebiet abfliegt und Wilderer aufspürt: "Wir werden hier weiterkämpfen und die Tiere befreien, die Netze aus dem Wasser holen und versuchen, jedes einzelne Leben zu retten."

Einzigartige Rettungsaktionen

Den verbleibenden Bestand der Vaquita zu sichern, darum geht es Dr. Cynthia Smith vom Vaquita-CPR-Artenschutzprogramm. Man versucht, die Vaquita temporär umzusiedeln, ist aber bisher daran gescheitert, da sie enormen Stress in menschlicher Obhut entwickeln. "Ihr Lebensraum muss sicher werden, dann könnten sie sich dank ihrer starken genetischen Disposition wieder vermehren." Trotz Todesdrohungen recherchiert der mexikanische Journalist Carlos Loret de Mola investigativ und debattiert die Vaquita-Krise gar öffentlich im mexikanischen Fernsehen. Er entlarvte etwa Oscar Parra, den "El Chapo der Totoabas": "Als Journalist decke ich Verbrechen und Ablenkungsmanöver auf und bringe die Wahrheit ans Licht."