Wie steht es um die Sicherheitsmaßnahmen für ehemalige Farc-Rebellen und um die politische Teilhabe der Opposition?

Es sind Sicherheitsmaßnahmen zugesichert worden sowie ein Oppositionsstatut: Es besagt, dass man in Kolumbien Opposition betreiben kann, ohne um sein Leben fürchten zu müssen. Kolumbien ist nach wie vor eines der gefährlichsten Länder, Aktivisten und Leute von Oppositionsparteien müssen um ihr Leben fürchten. Leute sollten nicht mehr zu den Waffen greifen müssen, wenn sie Kolumbien in eine andere Richtung führen wollen. Seit Jänner 2016 wurden mindestens 462 Aktivisten ermordet; andere soziale Organisationen sprechen von mehr als 600 Ermordeten. Die überwiegende Mehrheit der Opfer waren Menschen, die in Bauern-, Afro- oder indigenen Organisationen aktiv waren. Das waren Menschen, die für die Landrückgabe oder für die Menschenrechte gekämpft hatten. Sie wurden in erster Linie von Paramilitärs und anderen kriminellen Gruppen getötet. Dazu kommen an die 140 Mitglieder der Farc, die seit ihrer Demobilisierung ermordet worden.

Die Farc-Partei schneidet bei den Wahlen bisher sehr schlecht ab.

Für diese und die kommende Legislaturperiode haben sie zehn zugesicherte Sitze im Kongress, das ist Teil des Friedensvertrags, aber als Partei sind sie in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Bei den Regionalwahlen im März 2018 kamen sie auf 0,5 Prozent der Stimmen. Das Uribe-Lagera hat in den Monaten vor der Wahl alle Wahlveranstaltungen der Farc sabotiert. Menschen wurden bezahlt, um dort gegen die Farc zu demonstrieren. Gleichzeitig muss man auch verstehen, dass der öffentliche Diskurs, die Leitmedien, über Jahrzehnte hinweg eine dermaßen negative Stimmung gegen die Guerilla gemacht haben, dass die überwiegende Mehrheit der Kolumbianer nie eine Farc-Partei wählen würde. In der Zivilgesellschaft und in den Medien gibt es eine starke Ablehnung gegenüber der Farc als Partei.

Vielleicht wählt niemand die Farc, weil auch sie Blut an den Händen hat?

Natürlich hat sie Mitschuld an dem Konflikt. Laut den Zahlen des Nationalen Zentrums der historischen Erinnerung (Centro Nacional de Memoria Histórica), das den Krieg aufgearbeitet hat, ist das Verhältnis 30 zu 70: 30 Prozent der Menschenrechtsverletzung gehen auf das Konto der Guerilla, also der Farc sowie der anderen Gruppe, ELN. Für 70 Prozent der Menschenrechtsverletzungen sind das kolumbianische Militär sowie Paramilitärs verantwortlich. Die Farc hat Massaker verübt, gemordet und gekidnappt. Aber wenn man sich anschaut, wer für die Menschenrechtsverletzungen hauptverantwortlich ist, muss man in erster Linie das Militär und die Paramilitärs anführen. Doch in den Medien wird das so dargestellt, als ob der überwiegende Großteil der Gewalt auf das Konto der Farc gehen würde. Während die Paramilitärs als Selbsthilfegruppe dargestellt wird und die Militärs als Helden des Vaterlandes, die die demokratischen Institutionen Kolumbiens verteidigen.