Bundespräsident Alexander Van der Bellen und seine Ehefrau Doris Schmidauer sind bereits nach Japan gereist. Sie zählen mit vielen anderen Staatsoberhäuptern zu den 2500 Gästen, die an  der Thronbesteigung des neuen japansichen Kaiser Naruhito teilnehmen werden. Dieser wird am Dienstag in einer jahrhundertealten Zeremonie vor der Welt seine Inthronisierung verkünden.

Naruhito trat sein Amt de facto bereits am 1. Mai an, nachdem sein Vater Akihito als erster Monarch seit zwei Jahrhunderten abgedankt hatte. Der 59-Jährige wird, wie sein Vater vor fast drei Jahrzehnten, bei der Zeremonie ein traditionelles Gewand und einen historischen Kopfschmuck tragen. Sie beginnt um 13.00 Uhr (06.00 MESZ) in der "Kiefernhalle" ("Matsu no ma") des kaiserlichen Palastes, dem prestigeträchtigsten Salon des Gebäudes.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters wird Naruhito seine Thronbesteigung vom "Takamikura" - dem 6,5 Meter hohen Chrysanthementhron, der ungefähr 8 Tonnen wiegt - aus erklären. Und zwar mit einem Schwert und einem Edelstein, zwei heiligen Schätzen, die neben ihm platziert werden. Zusammen mit einem Spiegel namens "Yata no Kagami", der im Ise Grand Schrein aufbewahrt wird, bilden das alte Schwert und der Edelstein die Insignien, welche die Legitimität des Kaisers symbolisieren. Der Schrein gilt als eine der heiligsten Stätten in Japans shintoistischer Religion.

Präsident Alexander Van der Bellen und Ehefrau Doris Schmidauer sind bereits in Japan und werden hier im Smart Energy Network Park in Tamachi empfangen. - © APAweb / Harald Schneider
Präsident Alexander Van der Bellen und Ehefrau Doris Schmidauer sind bereits in Japan und werden hier im Smart Energy Network Park in Tamachi empfangen. - © APAweb / Harald Schneider

Akihito hatte sich bei der letzten derartigen Zeremonie im Jahr 1990 verpflichtet, die pazifistische Verfassung Japans zu beachten und seine Pflicht als Symbol für den Staat und die Einheit des Volkes zu erfüllen. Ähnliches wird auch von Naruhito erwartet.

 

Parade in Limousine verschoben

Nach der Proklamation von Naruhito hält Ministerpräsident Shinzo Abe eine Glückwunschrede. Abe wird dann den neuen Kaiser drei Mal hochleben lassen und die 30-minütige Zeremonie zum Abschluss bringen. Laut Abe werden Würdenträger aus mehr als 190 Ländern und internationalen Organisationen an der Feier teilnehmen. Rund 16,1 Milliarden Yen (134 Millionen Euro) waren für alle Nachfolgezeremonien im Laufe des Jahres vorgesehen, einschließlich der Inthronisierung.

Nach der Thronbesteigung hätten Naruhito und seine Frau Masako - eine in Harvard ausgebildete Ex-Diplomatin - ab 15.30 Uhr eine halbe Stunde in einer offenen Toyota Century-Limousine durch das Zentrum Tokios fahren sollen. Diese Parade wurde aber wegen der Verwüstungen des Taifuns Hagibis, dem vor einer Woche mindestens 77 Menschen zum Opfer gefallen waren, verschoben. 1990 säumten rund 120.000 Menschen, viele davon mit Nationalflaggen, den Weg, um Akihito und Kaiserin Michiko zuzujubeln, als sie nach seiner Inthronisierung in einer Rolls-Royce Corniche III vorbeikamen.

Ein Kaiserliches Hofbankett ("Kyoen-no-gi") beginnt um 19:20 Uhr (12:20 Uhr MESZ) mit ausländischen Würdenträgern sowie den Vertretern der Exekutive, Legislative und Judikative der japanischen Regierung und deren Ehegatten. Auch Van der Bellen und Schmiedauer werden daran teilnehmen.

Naruhito und Masako veranstalten am folgenden Nachmittag eine Teeparty für ausländische Monarchen, um sich zu bedanken. Abe wird dann am Abend ein Bankett für etwa 900 ausländische Staats- und Regierungschefs und andere Delegationsmitglieder im Hotel New Otani in Tokio veranstalten.

Die Tageszeitung Asahi Shimbun berichtete, die Regierung werde anlässlich der Inthronisierung Naruhitos rund 550.000 gerichtlich verurteilte Menschen begnadigen. Diese Begnadigungen seien vor allem an Kleinkriminelle gerichtet, die sich derzeit mit Einschränkungen in Bezug auf ihre gesetzlichen Rechte konfrontiert sehen. In Japan ist es Verurteilten und mit Geldstrafen belegten Personen beispielsweise für fünf Jahre untersagt, als Ärzte oder Krankenschwestern zu arbeiten.