Im Vordergrund steht das Schweigen, da lässt das Protokoll wenig Raum für Missverständnisse. Wenn Kaiser Naruhito am Dienstag seine Inthronisierung feiert, wird er vor dem hochrangigen Publikum aus aller Welt zwar zunächst einmal einen Text vorlesen, der seinen Amtsantritt verkündet, ansonsten aber vor allem still bleiben. Die Gäste aus 174 Ländern, darunter alle möglichen Königinnen und Könige, aber auch Vertreter nichtmonarchischer Staaten wie Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der mit seiner Ehefrau Doris Schmidauer nach Japan gereist ist, werden die Bedeutung des Anlasses vor allem an der Symbolik erkennen müssen. Diener mit Schwertern und Lanzen, bedächtiges Tempo, schlichte Verzierungen, ein 6,5 Meter hoher Thron mit Chrysanthemenmuster.

Die offizielle Feier zur Inthronisierung des Kaisers ist das vielleicht höchstrangige Ereignis des Jahres in Japan. Ende April trat der altersschwache Kaiser Akihito freiwillig ab und überließ seinem Sohn Naruhito damit einen Tag darauf den Thron. Ein halbes Jahr später lädt der Hof nun die Welt ein, um den Beginn der neuen Ära noch einmal zu feiern. Die 30-minütige Zeremonie, an deren Ende eine kurze Rede von Premierminister Shinzo Abe steht, in der er den eingeweihten Kaiser noch dreimal hochleben lässt, wird in Japan live ins ganze Land übertragen. Jeder soll sehen, wie elegant und schlicht, erhaben und zurückhaltend, zeitlos und zeitgemäß das Kaiserhaus ist.

Allerdings ist dies ein schmaler Grat. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs sollten die Japaner ihren Kaiser noch als göttliches Wesen mit politischen Befugnissen verstehen. Die Nachkriegsverfassung von 1947, die dem ostasiatischen Land von den siegreichen USA aufgedrückt wurde, betrachtet den Kaiser nur noch als Mensch. Zwar bleibt der alte Mythos, laut dem die Kaiserfamilie direkt von der Shinto-Göttin Amaterasu abstammt, bis heute bestehen. Allerdings ist der Kaiser laut der heutigen Verfassung nicht einmal mehr das Staatsoberhaupt, darf sich auch niemals politisch äußern geschweige denn verhalten. Heute ist er offiziell das "Symbol für das japanische Volk".

Dabei ist nicht jedem klar, was das Kaiserhaus heutzutage symbolisieren soll. Die Mehrheit der Japaner begegnet dem Kaiserhaus mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Schaulust, aber auch Gleichgültigkeit. Anders als in europäischen Monarchien übernimmt der japanische Hof keinerlei Unterhaltungsrolle für das Volk, Paparazzi stürzen sich auf alle möglichen Stars, kaum aber auf den Kaiser und seine Gefolgschaft. So spielen der Monarch und seine Verwandten im Alltag der meisten Japaner kaum eine Rolle.