Ausnahmsweise und nur auf die Amazonas-Region beschränkt: Das wurde am Ende der Amazonas-Synode im Vatikan in Bezug auf die Priesterweihe von bewährten verheirateten Männern (Viri Probati) betont. Laut dem Abschlussdokument sprachen sich allerdings einige der 185 Teilnehmer dafür aus, das Thema auf "universaler" Ebene anzugehen. Ein weiteres heißes Eisen, die Zulassung von Frauen in geistliche Ämter, wurde ebenfalls zumindest einen kleinen Schritt weitergebracht.

Der Steyler Missionar Pater Franz Helm, der seit seinem Missionseinsatz in den 1980er Jahren intensive Kontakte nach Brasilien pflegt und nun die Synode in Rom begleitet hat, meint im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" dass die Viri Probati zwar tatsächlich vorerst auf Amazonien beschränkt bleiben dürften: "Aber natürlich könnten auch andere Ortskirchen sagen: ‚Wir haben ebenfalls große Herausforderungen und möchten Antworten darauf geben. Und wenn das in Amazonien möglich ist, warum soll es nicht auch bei uns möglich sein?‘"

Ständige Diakone als Viri Probati

Wobei der Priestermangel in Brasilien besonders eklatant ist. Der emeritierte Bischof der flächenmäßig größten Diözese Xinghu, Dom Erwin Kräutler, hat von Pfarrgemeinden berichtet, die nur einmal im Jahr eine richtige Eucharistiefeier haben, weil sonst niemand da ist, der die Wandlung zelebrieren darf. Er selbst ist mit dem 120 Artikel umfassenden Schlussdokument der Synode zufrieden: "Ich finde es gut. Was drin ist, entspricht dem, was ich mir eigentlich wirklich erwartet habe", so Kräutler zur Agentur Kathpress. Die Debatte um Priestermangel in Europa ist im Vergleich dazu Jammern auf hohem Niveau, wie auch ein Blick auf die globalen Zahlen zeigt (siehe Grafik).

Die Synode trägt den Nöten in Amazonien nun Rechnung, allerdings wird ausdrücklich betont, dass der Zölibat nicht in Frage gestellt wird. Zudem sollen die Viri Probati aus dem Kreis der Ständigen Diakone (verheirateten Männern, die teilweise Aufgaben von Priestern übernehmen dürfen) stammen. Diese gibt es in Südamerika anders als in Europa bisher noch kaum. Helm stellt jedenfalls fest: "Da ist die Tür jetzt offen." Zum Frauendiakonat heißt es zwar nur, dass die Ergebnisse der intensiven Befragung im Vorfeld der Synode in eine dazu bereits im Vatikan bestehenden Studiengruppe eingespeist werden. "Aber auch da gibt es zumindest einen Schritt, dass man weiter an dem Thema dranbleibt".

Eine mutigere Endfassung

Laut Helm war die Stimmung bei der Synode gut. "Es gab nur zwischendrin eine Krise, weil der Erstentwurf des Dokuments von allen Sprachgruppen abgelehnt wurde - auch, weil er zu wenig mutig war. Der Papst selbst hat immer wieder darauf gedrängt, dass wir neue Wege brauchen." Die Letztfassung ist also offenbar mutiger ausgefallen. Kirchenpolitisch sieht Helm darin einen Erfolg für Franziskus: "Es gab massive Angriffe traditionalistischer Kreise, die versucht haben, seine Glaubwürdigkeit und die der Synodenverantwortlichen zu schädigen. Aber wenn man sich das Ergebnis mit 75 Prozent Zustimmung anschaut, war das ein großer Erfolg für ihn."

Stark betont wird im Schlussdokument auch der Einsatz der Kirche für die Rechte der Indigenen und den Regenwald. Aber juckt das Brasiliens Regierung überhaupt? Helm ist zuversichtlich: "Die katholische Kirche ist in Brasilien eine sehr angesehene Institution und nach wie vor ein wichtiger Faktor." Der Papst hat für Montag mehrere brasilianischen Gouverneure in den Vatikan eingeladen. Wer von ihnen tatsächlich gekommen ist, war zunächst allerdings nicht bekannt.