Bei einem schweren Unglück in einem Zug im Südosten Pakistans sind mindestens 73 Menschen ums Leben gekommen. Mindestens 42 weitere wurden verletzt. Ein von Passagieren mitgebrachter Gaskocher ist explodiert, als die Reisenden Frühstück zubereiteten.

Mindestens drei Eisenbahnwaggons waren durch die Explosion in Brand geraten. Daraufhin sind Menschen von dem schnell fahrenden Zug gesprungen, um sich zu retten. Bilder und Videos in lokalen Medien zeigten die Waggons, nachdem der Zug zum Stillstand gekommen war. Sie brannten lichterloh. Dutzende Menschen standen hilflos vor meterhohen Flammen, die aus den Zugfenstern schlugen.

Der Zug war unterwegs von der südlichen Millionen-Metropole Karachi in die östliche Stadt Lahore. Die Fahrt dauert zwischen 15 und 18 Stunden. 20.000 bis 50.000 Menschen reisen täglich zwischen den beiden Städten, rund neun Euro kostet ein Ticket in der zweiten Klasse. Zugreisen sind bei Pakistanern wegen regelmäßiger Unfälle und ständiger Verspätungen unbeliebt. Sie werden vor allem von jenen genutzt, die Geld sparen möchten.

Gaskocher eigentlich verboten

Wie die Passagiere den todbringenden Gaskocher in den Zug bringen konnten, soll nun eine Untersuchung klären. Das Mitführen von Gaskochern ist eigentlich verboten. Eine Bahnbeamtin sagte, dass die Passagiere den Gaszylinder vermutlich beim Einsteigen in den Zug unter ihrer Kleidung versteckt hätten.

Viele der Opfer waren Mitglieder einer Gruppe von Islampredigern gewesen, die an einer religiösen Versammlung in der Nähe der Stadt Lahore teilnehmen wollten. Oft reisen diese Gruppen mit 200 bis 500 Personen und haben Kochutensilien und Essen für ihre mehrtägigen Reisen bei sich. Auch aufgrund ihrer Gruppengröße sind sie schwer zu kontrollieren.

Der Großteil der Opfer ist in den Waggons verbrannt. Weitere Menschen starben, als sie vom fahrenden Zug absprangen. DNA-Tests sollen bei der Identifizierung der Opfer helfen, denn die Körper der allermeisten Opfer sind bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Rund 200 Passagiere sind in den drei betroffenen Waggons gereist.

Drittes Unglück innerhalb weniger Monate

Während noch Opfer aus den Waggons geborgen wurden, begann in dem südasiatischen Land eine Diskussion darüber, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Die Menschenrechtsminiserin Shireen Mazari schrieb bei Twitter, dass die Tragödie hätte vermieden werden können. Sie könne sich an keine Zugreise erinnern, bei der Gepäckkontrollen oder andere Verbote durchgesetzt worden seien. Das sei "tragisch".

Viele Pakistaner drückten in sozialen Medien ihre Wut aus. Sie kritisierten die Fahrlässigkeit der Passagiere und den Bahnminister Shaikh Rashid Ahmed. Sie forderten ihn auf, zurückzutreten. Das Unglück ist bereits das dritte innerhalb weniger Monate: Im Juli waren bei einem Zusammenstoß eines Reisezugs mit einem Güterwaggon mindestens 23 Menschen ums Leben gekommen. Nur wenige Wochen davor waren bei einem Zugunglück drei Menschen gestorben. Damals sagte der Minister, er übernehme die Verantwortung.

Der Minister reiste noch am Donnerstag an den Unglücksort, um dort Verletzte und Angehörige der Opfer zu treffen. Er habe diesen zudem Entschädigungszahlungen versprochen. Ministerpräsident Imran Khan drückte auf Twitter seine Trauer über den Vorfall aus und sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus. Er habe eine sofortige Untersuchung des Unglücks angeordnet. (apa, dpa)