So gut geht
So gut geht

Death Stranding ist überwältigend. Ein Kunstwerk, das zwischen schwerer Philosophie und bizarrem Irrsinn oszilliert, in dem die Gattungen Film und Spiel verschmelzen, in dem banale Aufgaben gepaart sind mit anspruchsvollem logischem und logistischem Denken. Das kann den Spieler streckenweise überfordern, der viel Zeit und Mühe investieren muss, will er diese Welt verstehen. Dafür ist das Spiel in Sachen Verwebung von On- und Offlineelementen sowie auch grafisch ein Meilenstein in der Entwicklung von Videospielen.

Die Szenerie von "Death Stranding" ist von einer Filmaufnahme kaum zu unterscheiden. Üppige, grüne Gebirgslandschaften, die an die schottischen Highlands erinnern, sind von atemberaubender Schönheit. Bis in die kleinste Pore ist der Körper von Hauptdarsteller und Schauspieler Norman Reedus (bekannt aus der Fernsehserie "The Walking Dead") nachgebildet.

Überhaupt ist "Death Stranding" ein Videospiel mit cineastischer Starbesetzung: Neben Reedus spielen unter anderen noch der europäische Filmpreisträger und James-Bond-Bösewicht Mads Mikkelsen, Léa Seydoux (Goldene Palme der Filmfestspiele Cannes) und Regisseur-Oscarpreisträger Guillermo del Toro mit.

Zäher Anfang

Für Spielhungrige gestaltet sich der Beginn von "Death Stranding" zäh. Spielerische Elemente sind hier noch Mangelware. Stattdessen reihen sich Filmsequenzen aneinander. Diese sind zwar teils spektakulär inszeniert, ziehen sich aber manchmal in die Länge. Für das Grundverständnis und den späteren Spielspaß (der etwa ab der dritten Episode richtig losgeht) sind sie aber nötig. Ebenso wie die schier endlosen erklärenden Einträge, über die man im Laufe der Geschichte stolpert und die einem nach und nach die Hintergründe der Geschichte erzählen.

Die Grundgeschichte ist mysteriös und bizarr: Die Grenzen zwischen dem Diesseits und dem Jenseits sind aufgebrochen. Die Menschheit steht am Rande der Auslöschung, weil Wesen aus dem Reich der Toten die Lebenden millionenfach in ihre Welt ziehen. Als wäre das nicht genug, prasselt an vielen Stellen auch ein Zeitregen auf die Erde herab, der dafür sorgt, dass alles, was er berührt, rasend schnell altert. Die wenigen Überlebenden haben sich in Bunkern in autarken Städten in den USA verbarrikadiert.

Die Spielfigur Sam ist privilegiert, weil sie sich - ein erneutes Rätsel - zwischen den Welten der Toten und Lebenden bewegen kann. Als eine Art Edel-Postbote soll er nun beim Wiederaufbau der zerstörten USA helfen und der Ursache für die Apokalypse auf den Grund gehen. Er erhält seine ersten Aufträge. Stadt um Stadt, Außenposten um Außenposten sollen wieder vernetzt werden.