Haushohe Containerschiffe hatte Ferdinand de Lesseps wohl kaum im Sinn, als er in Ägypten eine gewaltige Wasserstraße bauen ließ. 150 Jahre später ist der Suezkanal eine der wichtigsten Arterien im Welthandel - und Prestigeobjekt für Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi. Beteiligt war auch ein Österreicher: De Lesseps hat den Kanal großteils nach den Plänen des Ingenieurs Alois Negrelli errichtet.

Wie viel eineinhalb Jahrhunderte später transportiert werden würde, hätten sich die beiden wohl kaum vorstellen können. Zwar schwankt die Zahl der Schiffe, die den Kanal täglich durchfahren, seit Jahrzehnten zwischen 40 und 60. Mit den immer größer werdenden Frachtern und vor allem Containerschiffen steigt aber die Menge an Gütern, die sie durch den Kanal bringen: Wurden im Jahr 1975 täglich im Durchschnitt noch etwa 680.000 Kubikmeter Ladung durch den Schifffahrtsweg befördert, waren es 1995 bereits 2,8 Millionen Kubikmeter und 2015 etwa 7,8 Millionen Kubikmeter. Im August durchfuhr die "MSC Gülsün", das derzeit weltgrößte Containerschiff, erstmals den Suezkanal. Doch der hat auch seine Tücken.

Zehntausende ägyptische Zwangsarbeiter schufteten beim Bau der Wasserstraße (undatiertes Bild). - © APAweb /afp
Zehntausende ägyptische Zwangsarbeiter schufteten beim Bau der Wasserstraße (undatiertes Bild). - © APAweb /afp

"Achtung, an die gesamte Crew: Wir haben eine Kollision!" Arabische Funksprüche und Anweisungen auf Englisch sind zu hören, als das Containerschiff im Suezkanal wie in Zeitlupe mit einem Schüttgutfrachter kollidiert. Das Video im Internet zeigt, wie dramatisch eine Fahrt durch die ägyptische Wasserstraße verlaufen kann.

"Einige Kapitäne verlieren an Bord komplett die Nerven", sagt Mohamed Roshdy der Deutschen Presse-Agentur über die meist 11 bis 16 Stunden lange Durchfahrt. Seit fast 40 Jahren arbeitet der Ägypter als Lotse am Suezkanal, wo Tankern und großen Containerschiffen ohne seine Anweisungen ein Millionenschaden oder Schlimmeres drohen kann. Herzprobleme seien häufig, sagt Roshdy, der Stressfaktor unter Kapitänen sei hoch. Mitarbeiter der Reederei Hapag-Lloyd oder des Energiekonzerns Shell kommen inzwischen für Schulungen zu ihm.

Zeitersparnis für den Handel

Auch für erfahrene Seeleute ist es kein Leichtes, einen 400 Meter langen Stahlriesen bei Strömung und Seitenwind durch eine schmale Schifffahrtsrinne zu steuern. Der Wüstenwind kann hier mit stürmischen 40 oder 50 Knoten pro Stunde über den Kanal fegen und ein haushohes Schiff in einen "Ballon" verwandeln, wie Roshdy sagt. "Ein Schiff ist nicht wie ein Auto. Wenn du die Steuerung verlierst, weißt du nicht, wo es hintreiben wird."