London. Es war kein gutes Jahr für die britischen Royals. Angefangen hat es mit einem Autounfall, ausgelöst von Prinz Philip, bei dem zwei Menschen verletzt wurden, weiter ging es mit einer "Kriegserklärung" Harrys und Meghans an die Presse, aktuell soll es Streit zwischen Harry und William geben. Doch all das sind Lappalien im Vergleich zu der Aneinanderreihung von Peinlichkeiten, die Prinz Andrew nun in einem BBC-Interview von sich gegeben hat.

Das dritte Kind Queen Elizabeths II. war eng befreundet mit Jeffrey Epstein, jenem US-Investmentbanker und verurteilten Sexualstraftäter, der sich im August in der Untersuchungshaft das Leben genommen hat. Epstein war angeklagt, Minderjährige zur Prostitution gezwungen zu haben. Er soll ein regelrechtes Missbrauchsnetzwerk mit hunderten Opfern betrieben haben.

Eines davon, die heute 35-jährige Virginia Roberts Guiffre, sagte unter Eid aus, Epstein habe sie zum Sex mit berühmten Freunden gezwungen, darunter Prinz Andrew im Jahr 2001. Der streitet das schon länger ab, äußerte sich nun aber erstmals über den Missbrauchsskandal. Die Freundschaft mit Epstein bereue er nicht, schließlich habe sie ihm "erheblichen Nutzen erwiesen", so der Duke of York in der "BBC-Newsnight". Bedauerlich sei, dass er auch nach der Verurteilung des US-Millionärs 2007 noch bei ihm gewesen war. Erinnerungen an ein Treffen mit dem Opfer habe er allerdings keine. Im Gegensatz dazu erinnert sich Guiffre unter anderem daran, mit Prinz Andrew getanzt zu haben, wobei er stark geschwitzt habe. Das, erklärte dieser nun, könne gar nicht sein. Es sei ihm damals wegen eines "sonderbaren Leidens", hervorgerufen durch eine "Überdosis an Adrenalin im Falklandkrieg, fast unmöglich gewesen zu schwitzen".

Zudem sei er an besagtem Abend zu Hause bei den Kindern gewesen. Er erinnere sich, mit seiner Tochter zu einer Geburtstagsfeier in eine Pizzeria gefahren zu sein - "etwas sehr Außergewöhnliches für mich".

Ein Foto Andrews mit Giuffre tauchte zwar bereits 2011 auf, seine Fürsprecher behaupten aber, das Foto sei gefälscht.

Von den "unziemlichen" Missbrauchsorgien in Epsteins Anwesen will Prinz Andrews nichts gewusst haben - eine Ausdrucksweise, die den Opfern und deren Vertretern die Zornesröte ins Gesicht trieb. Sie hatten sich eine Entschuldigung erhofft oder zumindest die Zusage Andrews, mit dem FBI zu sprechen. Während er selbst das Interview für einen vollen Erfolg hält, spricht der Ex-Pressesprecher des Buckingham Palace Dickie Arbiter von einem "Sattelschlepper-Unfall".

Epstein hatte sich bereits 2007 von Vorwürfen des Missbrauchs Minderjähriger quasi freigekauft. Um einer drohenden lebenslangen Freiheitsstrafe zu entgehen, hatte er eine außergerichtliche Einigung angeboten - und diese auch bekommen. Das FBI stellte die Ermittlungen ein. Am Ende verbrachte Epstein nur 13 Monate in Haft - mit bis zu 12 Stunden Freigang am Tag. Die aktuellen Ermittlungen laufen allerdings nach seinem Tod weiter.

Auch für Prince Andrew ist die Sache noch nicht erledigt. Auf ihn wächst der Druck, sich endlich dem FBI zu stellen.