In einem Interview mit der deutschen "Zeit" erklärte Professor Anders Levermann, Leiter der Abteilung Komplexitätsforschung am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung und einer der Hauptautoren des Kapitels zum Meeresspiegelanstieg im vierten Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC, man müsse selbst bei Einhaltung des 2-Grad-Ziels des Pariser Klimaabkommens auf lange Sicht mit etwa fünf Metern Meeresspiegelanstieg rechnen: "Venedig wird definitiv untergehen. Große Küstenstädte wie Hamburg, Shanghai, Hongkong oder auch New York müssen sich ebenfalls darauf einstellen, dass dann weite Teile meterweit unterhalb des Meeresspiegels liegen." Dazu passt die Feststellung des Präsidenten des Umweltbüros der japanischen Küstenstadt Osaka: "In der Vergangenheit war es unser Ziel, die Ursachen der globalen Erwärmung zu begrenzen, aber da die globale Erwärmung unvermeidlich ist, diskutieren wir jetzt, wie wir auf die folgenden Naturkatastrophen reagieren sollen." Eine pessimistische, aber realistische Einschätzung.

Im asiatischen Raum leben die meisten Betroffenen

Venedig als Atlantis der Zukunft? Mit dem Unterschied, dass man immerhin wüsste, wo es liegt. Besucherströme in U-Booten? Eine Fahrt durch eine Stadt, die die Urenkel vom Hörensagen noch kennen werden? Beängstigend, aber scheinbar realistisch.

Wie viel darf Überleben am Meer eigentlich kosten? In New York etwa sehen sich Behörden und Stadtplaner nach dem Hurrikan "Sandy" im Jahr 2012 mit einer Herkulesaufgabe konfrontiert. Techniker der US-Armee, die sich mit Plänen zum Schutz der gesamten New Yorker Region befassen, schätzen die Kosten für den Bau von Unterwasser-Sturmbarrieren für alle Wasserwege, um die Flutgefahr zu 92 Prozent zu verhindern, auf rund 120 Milliarden Dollar. Ganz zu schweigen von den negativen Auswirkungen auf das Ökosystem in den von starken Gezeitenströmen versorgten Seitenarmen der Hudson-Bucht.

Ein wesentliches Problem, vor dem auch Venedig mit seiner Lagunenbiodiversität steht. Kippt das Ökosystem, wären die Folgen ebenso fatal. Die Auswirkungen steigender Meeresspiegel betreffen alle Kontinente. Die Migration aufgrund lebensbedrohlicher Klimaveränderungen wird in den kommenden Jahrzehnten massiv ansteigen. Auch in Afrika gäbe es massive Auswirkungen auf Küstenstädte.

Im asiatischen Raum sind die meisten Menschen von Naturkatastrophen und Verlust von Lebensraum betroffen. So finden sich etwa Shanghai, Singapur oder Chittagong in Bangladesch in den Listen betroffener Städte auf den vorderen Plätzen. Und in Ozeanien verschwinden ganze Inselgruppen im Meer: Kiribati, die Marshallinseln oder Tuvalu sind mittlerweile Synonyme für den zu erwartenden Untergang durch den Klimawandel geworden.