Das Cover des aktuellen "Time"-Magazins. - © APAweb / afp/Evgenia Arbugaeva/Time
Das Cover des aktuellen "Time"-Magazins. - © APAweb / afp/Evgenia Arbugaeva/Time

Die junge schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg ziert das Cover der aktuellen Ausgabe des "Time"-Magazin. Sie wurde von dem US-Medium zur "Person des Jahres" gekürt. Der 16-Jährigen sei es gelungen, "Sorgen über den Planeten in eine weltweite Bewegung zu verwandeln, die einen globalen Wandel verlangt", heißt es in der Begründung.

Auf der "Time"-Titelseite prangt ein Foto Thunbergs mit der Überschrift "Die Macht der Jugend". Thunberg wurde durch ihre Schulstreiks für den Klimaschutz weltweit bekannt. Sie inspirierte weltweit Millionen junger Menschen zu den regelmäßigen Fridays For Future-Demonstrationen, wird aber auch immer wieder angefeindet. Für ihren Einsatz wurde die 16-Jährige in diesem Jahr bereits mit dem Alternativen Nobelpreis und dem internationalen Kinderfriedenspreis ausgezeichnet.

Das "Time"-Magazin kürt jedes Jahr eine Persönlichkeit des Jahres. Im vergangenen Jahr wurde so der ermordete saudi-arabische Journalist Jamal Khashoggi posthum geehrt.

Vorwurf der Irreführung durch Industrieländer

Einmal mehr meldete sich Thunberg am Mittwoch bei der Weltklimakonferenz zu Wort. In einer Rede vor den Delegierten warf sie Industriestaaten wie den EU-Ländern vor, die Welt mit Versprechen wie Treibhausgasneutralität bis 2050 in die Irre zu führen. Die Regierungen fänden "clevere Möglichkeiten, echtes Handeln zu umgehen".

Einige reiche Länder hätten angekündigt, "ihre Treibhausgas-Emissionen bis zu dem und dem Datum um so und so viele Prozent zu senken oder klimaneutral zu werden", sagte die 16-Jährige in Madrid. "Das mag auf den ersten Blick beeindruckend klingen, aber selbst wenn die Absichten gut sein mögen, ist das keine Führung", kritisierte Thunberg. Vielmehr seien solche Ankündigungen "irreführend".

Schließlich bezögen die meisten Zusagen die Emissionen von Luftfahrt, Schiffsverkehr sowie dem Export und Import von Waren nicht mit ein. Vorgesehen sei hingegen die Möglichkeit, die eigenen Treibhausgasemissionen mit Klimaschutzmaßnahmen in anderen Ländern zu kompensieren.

Am Rednerpult bei der Weltklimakonferenz in Madrid. - © Reuters/Susana Vera
Am Rednerpult bei der Weltklimakonferenz in Madrid. - © Reuters/Susana Vera

Unter Berufung auf wissenschaftliche Erkenntnisse wie etwa die des Weltklimarats IPCC hob Thunberg hervor, dass das CO2-Budget, welches eine Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels noch erlaube, beim heutigen Umfang der Emissionen bereits in rund acht Jahren aufgebraucht sei. Klimaneutralität ab Mitte des Jahrhunderts bedeute also "nichts", wenn das Emissionsbudget schon innerhalb weniger Jahre verbraucht sei.

Klimaneutralität bis 2050

Die neue EU-Kommission will das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 gesetzlich verankern. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen stellt am Mittwoch die ersten Punkte eines entsprechenden Klimaschutzgesetzes vor. Bisher widersetzen sich die drei osteuropäischen Länder Polen, Tschechien und Ungarn dem gemeinsamen Ziel der Klimaneutralität, beim EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag könnte aber eine Einigung mit ihnen erzielt werden.

Thunberg ermahnte die Delegierten in Madrid, bei der Weltklimakonferenz solle es eigentlich um "ganzheitliche Lösungen" gehen. Stattdessen hätten sich die Verhandlungen offenbar in eine "Gelegenheit für Länder verwandelt, Schlupflöcher auszuhandeln und die Anhebung ihrer Ambition zu vermeiden". Die Regierungen fänden "clevere Möglichkeiten", "echtes Handeln zu umgehen", etwa durch Doppelzählungen von Emissionsminderungen und die Verlagerung ihrer Emissionen in andere Länder.

Um diese Fragen geht es in Madrid derzeit bei den Verhandlungen um die Ausgestaltung von Artikel 6 des Pariser Klimaabkommens zur Einbeziehung von Marktmechanismen. Umweltschützer warnen davor, dass sich bei der Förderung von Klimaschutzprojekten durch Industrieländer in anderen Staaten beide beteiligten Staaten die Emissionseinsparungen anrechnen könnten. Stark umstritten ist, ob Emissionszertifikate, die Länder noch unter dem Kyoto-Abkommen erworben hatten, weiter gelten. (apa)