Sie sind Pessimisten und befürchten einen neuen Weltkrieg. Oder sie haben Angst vor Atombomben-Anschlägen, vor einem totalen Stromausfall, vor Attacken mit biologischen Waffen, Meteoriteneinschlägen, Extremwetter und einem steigenden Meeresspiegel. Sie gehen fix von einem Bürgerkrieg aus, weil die Einkommensschere zwischen Arm und Reich auseinanderklafft. Und sie sagen den Kollaps aller staatlichen Strukturen voraus.

Die sogenannten Prepper (abgeleitet von englisch: "to be prepared" - "bereit sein") sind ein neues Phänomen einer globalen Zivilisationsverdrossenheit. Das Phänomen hält Forscher, Polizei und Geheimdienste gleichermaßen in Atem. Die Szene ist zersplittert und besteht aus verschrobenen Einzelgängern, Waldläufern und modernen Höhlenbewohnern sowie bewaffneten Rechtsextremisten. Ihnen gemein ist, dass sie von einer ultimativen Katastrophe ausgehen, nach der ein Weiterleben unter normalen Umständen nicht mehr möglich sein werde. Und sie wappnen sich dagegen. Indem sie Verstecke mit Proviant anlegen, das Überleben unter Steinzeit-Bedingungen einüben oder sich in adaptierte ehemalige Raketensilos zurückziehen.

Grenzenlose Fantasie

Ein Wegweiser zu den "Survival Condos" in einem ehemaligen US-Raketensilo. - © afp/Joe Lambe
Ein Wegweiser zu den "Survival Condos" in einem ehemaligen US-Raketensilo. - © afp/Joe Lambe

Die Katastrophe kommt, das ist für jeden Prepper klar. Und der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Manche machen sich darauf gefasst, von Außerirdischen abgeholt zu werden, andere erwarten den Ausbruch eines Supervulkans im US-Yellowstone-Nationalpark. Dokumentiert ist ein Fall, in dem sich ein Mann ein riesengroßes Schiff aus Holz in den Garten gestellt hat: eine Art Arche Noah. Er wartet darauf, dass der Himmel seine Schleusen öffnen und alles unter Wasser setzen wird.

Allein in den USA gibt es vier bis fünf Millionen Prepper, für Europa gibt es keine Zahlen. Aber es gibt inzwischen ziemlich umfassende Studien darüber, wie diese Menschen ticken. Demnach ist der Wunsch nach dem Zusammenbruch der Zivilisation häufig Vater des Gedankens. Es eine tiefe Sehnsucht nach dem Zusammenbruch und hat oft etwas mit einer Welt zu tun, in der alles immer komplexer wird: Stromnetz und Internet, internationaler Flugverkehr, Politik, die Börsen und die Weltwirtschaft - so wie das laufe, sind Prepper überzeugt, könne das auf die Dauer nicht gut gehen. Was man nicht verstehe, das müsse schiefgehen.

Oft sind Prepper Verschwörungstheoretiker oder sehr religiös. Sie wollen sich wappnen, nicht abhängig sein von Gas, aber auch nicht vom Staat oder von anderen Menschen. Bei vielen handelt es sich um Abenteurer, Mitglieder der Survival-Szene, die sich in der Natur abseits aller zivilisatorischen Errungenschaften durchschlagen wollen. Wobei nicht nur Gescheiterte und "kleine Leute" die Prepper-Szene bevölkern; auch Reiche und Mächtige, einflussreiche Entscheidungsträger denken immer öfter in Untergangsszenarien: Da ist der Finanzinvestor, für den immer ein vollgetankter Helikopter bereit steht. Ihm geht es nicht darum, den Kollaps zu verhindern, wie es etwa die Bewegung um die Klimaaktivisten Greta Thunberg versucht. Er will nur seine eigene Haut retten - beeinflussen, davon ist er überzeugt, kann er das kommende Schicksal nicht.