In der Pfarre Hildegard Burjan in Rudolfsheim sind die glänzenden Kronen und schillernden Mäntel der Sternsinger nun wieder auf dem Weg zurück in den Schrank, in dem sie bis zur nächsten Dreikönigsaktion in einem Jahr hängen und liegen. Das Hochfest Epiphanie (Erscheinung des Herrn) und damit der Dreikönigstag ist vorbei, die Kinder sind alle wieder in der Schule.

Bei 24 Grad kommen die Sternsinger hier eher ins Schwitzen, als dass sie frieren. - © Petros Berga
Bei 24 Grad kommen die Sternsinger hier eher ins Schwitzen, als dass sie frieren. - © Petros Berga

4837 Kilometer weiter südlich ist die Sternsingeraktion hingegen noch in vollem Gange. In der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba ziehen noch bis 20. Jänner rund 180 Kinder in den besser situierten Vierteln von Haus zu Haus und sammeln singend Geld. Es ist die dritte Dreikönigsaktion in der Geschichte des Landes und wohl die einzige in Afrika. Und verantwortlich für ihr Entstehen ist die Wiener Pfarre Hildegard Burjan.

Dort nämlich hat alles im Jahr 2017 seinen Ausgang genommen, als der Leiter des Pastoralamts der Erzdiözese Addis Abeba, Abba Petros Berga, für ein paar Tage zu Gast war. Bei einem Kamingespräch im Pfarrhaus Rudolfsheim landete man beim Thema "reiches Europa - armes Afrika?" und bei der Frage: Wie können wir voneinander lernen? "Während Abba Petros vom lebendigen Glauben und der großen Gastfreundschaft in Äthiopien erzählte, haben junge Erwachsene aus unserer Pfarre begeistert von ihren Aktionen berichtet", erzählt Pfarrer Martin Rupprecht. Dabei beeindruckte Abba Petros besonders die Sternsingeraktion, zu der die Pfarrjugend auch einen eigenen YouTube-Film gedreht hatte.

Die Spenden, die die Sternsinger in Äthiopien sammeln, kommen Hilfsprojekten im Inland zugute. - © Petros Berga
Die Spenden, die die Sternsinger in Äthiopien sammeln, kommen Hilfsprojekten im Inland zugute. - © Petros Berga

Der Abend hatte zwei Konsequenzen: Einerseits führte er dazu, dass im Sommer 2019 Pfarrer Rupprecht gemeinsam mit drei jungen Erwachsenen nach Äthiopien flog und dort Abbe Petros besuchte. Andererseits rief der Pastoralamtsleiter bereits ein Jahr vorher die erste Sternsingeraktion Äthiopiens ins Leben. "Begonnen haben wir mit rund 20 Kindern in einer Pfarre. Im dritten Jahr sind jetzt an die 180 Kinder dabei", erzählt Abba Petros am Telefon. Er selbst ist gerade im Vatikan, wo das Päpstliche Äthiopische Kolleg (übrigens das einzige, das direkt im Vatikan angesiedelt ist) sein 100-jähriges Bestehen feiert und er selbst vom Papst zum Vertreter der katholischen Kirche von Äthiopien in Europa und beim Heiligen Stuhl ernannt wird.