"Wir stecken in Wuhan fest und können die Stadt nicht verlassen", sagt die Professorin. "Ich verstehe die Entscheidung, aber ich persönlich habe etwas Panik", räumt Zhang Lin ein. Die Stimmung in der Familie sei schlecht - und das ausgerechnet vor dem chinesischen Neujahrsfest, dem wichtigsten Familienfest in China.

Wie die Behörden mit dem Ausbruch umgegangen sind, wird kontrovers diskutiert. Bei allem Misstrauen herrscht weitgehend Einigkeit, dass das Vorgehen besser ist als bei der Sars-Pandemie 2002/2003, die zunächst über Wochen vertuscht worden war. Diesmal fließen die Informationen schneller, es herrscht mehr Transparenz. Aber ob gerade auf lokaler Ebene immer die ganze Wahrheit gesagt wurde, wird hinterfragt - gerade was die Gefahr einer Ansteckung von Mensch zu Mensch angeht.

Ärzte großer Krankenhäuser in Wuhan berichteten dem renommierten Magazin "Caixin", dass die Zahl der Infizierten nach ihren Schätzungen auf mehr als 6000 klettern könnte. Von offizieller Seite sagt keiner was dazu. Im Volk herrscht Verwirrung. "Ich weiß nicht, was richtig und was falsch ist", sagt Professorin Zhang Lin zur Informationspolitik. "Einige Leute sind zufrieden, andere finden, dass Wuhans Stadtregierung hinterherhinkt."

Am Donnerstag wollten die Behörden die vierte Stadt in der schwer betroffenen Provinz Hubei weitgehend abriegeln. Nach den Metropolen Wuhan, Huanggang und Ezhou werde auch in der Stadt Chibi der öffentliche Verkehr und die Verbindungen zu anderen Orten ausgesetzt. Die Stadt Chibi hat etwa eine halbe Million Einwohner und liegt 120 Kilometer südlich von Wuhan.

Kontrollen auch in Rom

Unterdessen laufen Sicherheitsmaßnahmen auch in Europa an. Am Flughafen Rom sind mehr als 200 Passagiere aus Wuhan auf das Virus untersucht worden. Die Reisenden seien am frühen Morgen nach der Ankunft in einem extra eingerichteten Bereich fern der normalen Terminals kontrolliert worden, sagte eine Sprecherin des Flughafens Fiumicino. Bei niemandem seien Symptome des Virus festgestellt worden.

Auch die Reiseveranstalter befinden sich im Alarmmodus. Das Verkehrsbüro in Österreich habe "den Krisenstab aktiviert", sagte Sprecherin Andrea Hansal. Momentan sei nicht die klassische China-Reisezeit für Freizeittouristen, Geschäftsreisende würden gesondert auf das Virus hingewiesen, eine Reisewarnung bestand zuletzt noch nicht.

Fall in Singapur nachgewiesen

Unterdessen ist in Singapur mindestens einen Fall der neuen Lungenkrankheit. Das Gesundheitsministerium des südostasiatischen Stadtstaates bestätigte am Donnerstag, dass ein 66 Jahre alter Mann aus dem chinesischen Wuhan nachweislich mit dem Coronavirus infiziert ist.

Der Mann sei am Montag mit seiner Familie in Singapur angekommen und befinde sich derzeit in einem Isolationszimmer eines örtlichen Krankenhauses. Sein Zustand sei stabil, teilte das Ministerium weiter mit.

Zudem seien die Gesundheitsbehörden über einen Verdachtsfall informiert worden. Eine 53 Jahre alte Frau - ebenfalls aus Wuhan - sei zunächst positiv auf den Erreger getestet worden. Auch ihr Zustand sei stabil. Eine endgültige Bestätigung, ob es sich tatsächlich um das Coronavirus handle, stehe aber noch aus.