Der tägliche Anstieg der neu bestätigten Coronavirus-Infektionen in China hat sich etwas abgeschwächt - ist aber weiter sehr hoch. Am Wochenende sollen sechs weitere Österreicher aus dem Krisengebiet ausgeflogen werden. Weiterhin gibt es in Österreich keinen bestätigten Fall des Coronavirus. China will den Tod eines Arztes untersuchen, der schon früh vor der neuen Epidemie gewarnt hatte.

Die Zahl der Ansteckungen in China legte innerhalb eines Tages um 3.143 zu. Damit waren 31.161 Fälle bestätigt, so die Gesundheitskommission in Peking am Freitag. Es war der zweite Tag in Folge, an dem nicht mehr neue Ansteckungen als am Vortag gemeldet wurden. Innerhalb eines Tages starben aber wieder 73 Patienten an der neuartigen Lungenkrankheit - so viele wie am Vortag. Damit gibt es in China 636 Todesfälle.

 

Ob mit den neuen Zahlen bereits ein Trend bei den Ansteckungen erkennbar ist, ist offen, da die Statistik auch mit der Zahl der laufenden Untersuchungen schwanken kann. Der Verlauf der Epidemie ist aus Sicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) schwer vorherzusagen. Abgesehen von den besonders betroffenen Gebieten in Zentralchina scheine die Lage in China im Moment relativ stabil zu sein, sagte WHO-Experte Michael Ryan in Genf.

Für das Wochenende ist eine neuerliche Rückholaktion von Österreichern aus der chinesischen Coronavirus-Krisenprovinz Hubei geplant. Es handelt sich um sechs Personen. Die Aktion erfolgt in Zusammenarbeit mit Großbritannien. Die Reise führt dieses Mal von Wuhan nach Großbritannien, dann nach Berlin und schließlich nach Wien, teilte Außenamtssprecher Peter Guschelbauer am Freitag der Austria Presse Agentur mit. "Es handelt sich um einen Kärntner und seine Frau sowie um eine Frau mit drei Kindern", sagte der Ressortsprecher.

Der Abflug der Maschine sei für Sonntagfrüh (Ortszeit) in Wuhan geplant. Es könne aber natürlich zu Verschiebungen kommen. "Der Flug von Wuhan wird mit der britischen Regierung durchgeführt. Deshalb fliegt die Maschine zunächst nach Großbritannien." Weil es am geplanten Landeort aber nur beschränkte Start- und Landeslots gebe, würden die Österreicher dann mit mitreisenden Deutschen in der Folge nach Berlin-Tegel gebracht. Die Tyrol Air Ambulance (richtig) würde schließlich den Transport nach Wien übernehmen. Im Außenministerium geht man davon aus, dass mit diesem Transport alle Österreicher aus der von 2019-nCoV besonders schwer betroffenen chinesischen Provinz die Region verlassen haben. Von den übrigen Flugdestinationen Chinas gebe es reguläre Flugverbindungen.

Entwarnung bei Verdachtsfällen in Österreich

Nach wie vor gibt es in Österreich keinen bestätigten Fall einer Infektion mit dem Coronavirus. Entwarnung gab es unter anderem bei Verdachtsfällen in Wien, Niederösterreich und Vorarlberg. Unterdessen sind zwei der sieben Rückkehrer aus Wuhan, die am vergangenen Wochenende zurückgereist waren, von der Quarantäne in Wien nach Niederösterreich verlegt worden. Sie bleiben dort aber noch für eine weitere Woche in Quarantäne, hieß es am Abend aus dem Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV).

Der Kampf gegen das Coronavirus könnte zu einem weltweiten Engpass an Schutzkleidung führen. "Wir schicken Tests, Masken, Handschuhe, Atemschutz und Kittel in alle Regionen der Welt, aber die Welt blickt einem chronischen Mangel an persönlicher Schutzausrüstung entgegen, wie Sie sich vielleicht vorstellen können", sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Freitag.

Nach dem Tod des chinesischen Arztes Li Wenliang startete Chinas Regierung eine politisch heikle Untersuchung. Der Arzt hatte frühzeitig vor dem Ausbruch der neuen Lungenerkrankung gewarnt, wurde kurz darauf aber von der Polizei verwarnt und durfte zunächst nichts mehr darüber verbreiten. Die staatliche Aufsichtskommission entsandte ein Ermittlungsteam nach Wuhan. Es gehe "um die "Fragen des Volkes" zu den Vorfällen. Der Tod des 34-jährigen Augenarztes, der am Donnerstagabend an der Lungenkrankheit gestorben war, hat große Anteilnahme ausgelöst. Sein Schicksal symbolisiert für viele die Folgen der Vertuschung und langsamen Reaktion der Behörden.

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping sieht den Kampf gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in einer "entscheidenden Phase". In einem Telefonat mit US-Präsident Donald Trump gab er sich zuversichtlich, dass China die Epidemie in den Griff bekomme. Das ganze Land sei mobilisiert und habe strenge Maßnahmen zur Vorbeugung ergriffen. "Wir sind vollauf zuversichtlich und in der Lage, die Epidemie zu besiegen." Er übte Kritik am Einreiseverbot der USA für Chinesen und Ausländer, die in China waren - mit Ausnahme von Angehörigen von US-Bürgern.

Außerhalb von Festland-China sind in mehr als zwei Dutzend Ländern über 270 Infektionen und zwei Todesfälle bestätigt. In Deutschland gab es den 14. Fall. Der Erreger wurde bei der Frau eines Infizierten aus Bayern nachgewiesen, wie das bayerische Gesundheitsministerium am Freitagabend mitteilte. Damit gibt es in Bayern zwölf Fälle, alle stehen in Zusammenhang mit dem Autozulieferer Webasto. Dort hatten sich Mitarbeiter bei einer Kollegin aus China angesteckt. Auch wurden zwei aus China ausgeflogene Rückkehrer positiv getestet.

"Art Basel Hong Kong" abgesagt

Die "Art Basel Hong Kong", eine der renommiertesten Kunstmessen Asiens, wurde abgesagt. Sie sollte mit rund 240 Ausstellern vom 19. bis 21. März stattfinden. Verschiedene Faktoren, die "alle eine Folge der Verbreitung des Coronavirus" seien, hätten zu der Entscheidung geführt, teilte der Veranstalter MCH Group mit.

Wegen Virusfällen werden in Japan und Hongkong zwei Kreuzfahrtschiffe mit rund 7.000 Passagieren und Besatzungsmitgliedern in Quarantäne festgehalten. Auf der "Diamond Princess" vor Yokohama wurden weitere 41 Infektionen festgestellt, wie das Gesundheitsministerium bekannt gab. Damit stieg die Zahl der Ansteckungen an Bord auf 61. Auch auf dem Kreuzfahrtschiff in Hongkong laufen Untersuchungen. Bei drei Passagieren, die im Jänner mit der "World Dream" gereist waren, war das Virus festgestellt worden. Da das Schiff seither noch dreimal in Hongkong angelegt hatte, wurden weitere 5.000 Passagiere aufgefordert, Kontakt mit den Behörden aufzunehmen, wenn sie sich nicht wohl fühlen.

In Thailand reagierte Gesundheitsminister Anutin Charnvirakul angesichts der Lage verärgert auf westliche Touristen, die sich seinen Angaben zufolge weigerten, Masken zu tragen. "Sie sollten wegen dieses Verhaltens aus Thailand rausgeworfen werden", wetterte er am Freitag vor Reportern. Während sich asiatische Touristen kooperativ zeigten, nähmen europäische Besucher die Masken nicht an und gefährdeten ihre Umgebung, sagte Anutin. Später entschuldigte er sich in einem Facebook-Beitrag für den Ausbruch.

 USA stellen 100 Millionen Dollar bereit

Indes wollen die USA China und anderen von dem neuartigen Coronavirus betroffenen Ländern bis zu 100 Millionen Dollar zur Verfügung stellen, wie US-Außenminister Mike Pompeo am Freitag ankündigte. Zudem seien in den USA aus privaten Mitteln "hunderte Millionen Dollar" gespendet worden.

Pompeo rief die internationale Gemeinschaft auf, dem Beispiel der USA zu folgen. "Wenn wir zusammenarbeiten, können wir entscheidend Einfluss nehmen, um diese wachsende Bedrohung einzudämmen." Die Beziehungen zwischen China und den USA sind wegen diverser Streitigkeiten angespannt. Pompeo kündigte an, die Hilfsgelder der USA würden den betreffenden Regierungen direkt oder über multinationale Organisationen bereitgestellt. (dpa/kle)