Das neuartige Coronavirus hat in China schon mehr als 1.000 Menschen das Leben gekostet. Innerhalb der vergangenen 24 Stunden fielen der Lungenkrankheit weitere 108 Menschen zum Opfer, womit bisher insgesamt 1.016 Menschen in China an der Lungenkrankheit gestorben sind. Das teilte die Gesundheitskommission in Peking am Dienstag mit.

Allein 103 neue Opfer wurden aus der besonders schwer betroffenen Provinz Hubei gemeldet. Während die Zahl der Toten so schnell stieg wie noch nie seit Ausbruch der Krankheit, ging die Zahl neuer Infektionen am Dienstag im Vergleich zum Vortag zurück. Landesweit wurden 2.478 weitere Erkrankungen gemeldet, somit stieg die Gesamtzahl der nachgewiesenen Infektionen auf dem chinesischen Festland auf 42.638.

Außerhalb Chinas sind bisher mehr als 300 Infektionen nachgewiesen worden.

Der medizinische Berater der chinesischen Regierung, Zhong Nanshan, geht davon aus, dass die Coronavirus-Epidemie in diesem Monat ihren Höhepunkt erreichen wird. In einigen Provinzen verbessere sich die Lage bereits. Dort gehe die Zahl der Neuerkrankungen zurück.

Test negativ, dann doch erkrankt

Zwei aus Wuhan evakuierte Japaner sind an dem neuartigen Coronavirus erkrankt, obwohl ihre Tests zuvor negativ ausgefallen waren. Wie das japanische Gesundheitsministerium am Dienstag mitteilte, wurde einer von ihnen sogar zwei Mal getestet, ohne dass das Virus entdeckt worden wäre. Beide Männer waren Ende Jänner aus Wuhan, dem Epizentrum des Ausbruchs, ausgeflogen worden.

Den Angaben zufolge wurde bei dem Mann zwölf Tage nach dem zweiten Test nun doch die Atemwegserkrankung nachgewiesen. Seit seiner Rückkehr nach Japan am 29. Jänner wurde er in einem Hotelzimmer unter Quarantäne gestellt. Der zweite Mann war laut Gesundheitsministeriums am 30. Jänner zurückgekehrt und zunächst ebenfalls negativ getestet worden. Ein zweiter Test am Montag habe dann das Virus nachgewiesen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO beträgt die Inkubationszeit des neuartigen Coronavirus rund 14 Tage.

In Japan sind damit insgesamt 28 Menschen an dem Virus erkrankt. Seit Ausbruch der Epidemie in China holte die japanische Regierung bereits hunderte seiner Staatsbürger aus der Stadt Wuhan, dem Ausgangsort der Viruserkrankung. Ein fünfter Rückholflug soll in dieser Woche organisiert werden. Laut Behörden sollen die Passagiere des ersten Flugs vom 29. Jänner zudem noch in dieser Woche nach einem erneuten Test aus der Quarantäne entlassen werden.

Dutzend weitere infizierte japanische Staatsbürger befinden sich zudem auf einem unter Quarantäne stehenden Kreuzfahrtschiff vor der Küste des Landes. Bisher sind auf der "Diamond Princess" mehr als 130 Menschen erkrankt. Japanische Behörden brachten am Dienstag 65 jüngst erkrankte Passagiere und Besatzungsmitglieder vom Schiff.

Vietnam bestätigte inzwischen einen weiteren Fall: Laut Gesundheitsministerium handelt es sich um ein drei Monate altes Baby, das sich bei seiner Großmutter infiziert habe. Damit erhöhte sich die Gesamtzahl der Infizierten auf 15, darunter zehn aus der nördlichen Provinz Vinh Phuc. Die Regierung in Vietnam sieht vor, 950 Bürger, die aus China einreisen, in Militäranlagen außerhalb von Hanoi unter Quarantäne zu stellen, weitere 900 sollen in verübergehenden Einrichtungen an der vietnamesisch-chinesischen Grenze untergebracht werden.

Auch in San Diego im US-Staat Kalifornien ist eine Person am Coronavirus erkrankt. Das berichtete der lokale Fernsehsender 10News. Die Person war an Bord des ersten US-Evakuierungsflugs aus Wuhan in Richtung Miramar.

Hongkong: Wohnblock geräumt

Nachdem sich vier Menschen in zwei verschiedenen Wohnungen eines Wohnblocks in Hongkong mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt haben, ist das 35-stöckige Gebäude teilweise geräumt worden. Mehr als 100 Bewohner mussten Dienstagfrüh ihre Wohnungen verlassen, während Gesundheitsexperten zu ermitteln versuchten, ob das Virus den gesamten Komplex erfasst hat, in dem rund 3.000 Menschen leben.

Zuletzt hatten sich drei Familienmitglieder mit dem Virus infiziert, die zehn Stockwerke über der Wohnung eines Mannes lebten, der bereits als Träger bekannt war. Obwohl der Übertragungsweg noch unklar war, wurden alle Wohnungen geräumt, die am selben Abflussrohr angeschlossen waren. Nach Angaben der Behörden handelte es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Ein Kind trägt eine Gesichtsmaske bei "Hong Mei House" einer Cheung Hong Wohnanlage in Hong Kong. - © APAweb / Reuters, Tyrone Siu
Ein Kind trägt eine Gesichtsmaske bei "Hong Mei House" einer Cheung Hong Wohnanlage in Hong Kong. - © APAweb / Reuters, Tyrone Siu

Hongkong ist noch von der SARS-Epidemie vor rund sieben Jahren traumatisiert, der allein in der chinesischen Sonderverwaltungszone knapp 300 Menschen zum Opfer gefallen waren. 42 der Todesopfer und 300 Infizierte stammten damals aus einem Wohnblock - später stellte sich heraus, dass sich das Virus dort über defekte Abflussrohre ausgebreitet hatte.

Mit dem neuartigen Coronavirus haben sich in Hongkong bisher 49 Menschen angesteckt. Unter ihnen sind zehn Angehörige einer Familie, die sich mit einer infizierten Person einen Eintopf geteilt hatte.

Krisenmanagement bei EASA

Die Flugsicherheitsbehörde der Europäischen Union (EASA) sieht in ihrem jüngsten Bericht zu den Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus in China keinen Grund für eine operationelle Richtlinie. "Die Gewährleistung der Geschäftskontinuität auf allen Ebenen ist ein wesentlicher Bestandteil des Krisenmanagements. In diesem speziellen Fall steht die Kontinuität der gesundheitsbezogenen Tätigkeiten in direktem Zusammenhang mit der Kontinuität der Transportaktivitäten, da dies direkte Auswirkungen auf die Verfügbarkeit der erforderlichen Medikamente, Schutzausrüstungen und medizinischen Experten hat", erläuterte die EASA ihre Entscheidung. Sie arbeite in diesem Fall eng mit der Weltgesundheitsorganisation WHO zusammen.

Singapur rechnet unterdessen nach Angaben des Tourismusverbands in diesem Jahr infolge des neuen Coronavirus-Ausbruchs mit einem Rückgang der Besucherzahlen um 25 bis 30 Prozent. "Die Situation in diesem Jahr wird mindestens so ernst wie bei SARS sein, möglicherweise noch schlimmer", sage Keith Tan, Vorsitzender des Tourismusverbands in Singapur. Beim Ausbruch des schweren akuten Atemwegssyndroms im Jahr 2003 kamen in dem Stadtstaat mehr als 30 Menschen ums Leben. Der größte Teil des Besucherrückgangs gehe bisher auf Reisebeschränkungen in China zurück, aber Besucher aus anderen Ländern würden nun vermehrt Reisen nach Singapur zurückstellen oder annullieren.

WHO: Notlage für China, Bedrohung für Rest der Welt

Das neuartige Coronavirus ist nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine weltweite Bedrohung. Zwar beschränkten sich derzeit noch rund 99 Prozent der Infektionsfälle auf China, doch stelle das Virus auch eine "sehr ernste Bedrohung für den Rest der Welt dar", sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Dienstag in Genf zum Auftakt einer internationalen Experten-Konferenz.

"Das Wichtigste ist, die Ausbreitung aufzuhalten und Leben zu retten", sagte Tedros vor den rund 400 Forschern und Experten aus aller Welt. "Gemeinsam können wir das schaffen", fügte er hinzu. Der WHO-Chef forderte alle betroffenen Länder erneut auf, ihre medizinischen und wissenschaftlichen Daten zu teilen. Gleichzeitig rief er zu globaler Solidarität auf.

Das zweitägige von der WHO organisierte Treffen soll zur Eindämmung der Krankheit beitragen. Forscher arbeiten derzeit an einem Impfstoff und gehen den Verbreitungswegen der Atemwegserkrankung auf den Grund. Vermutlich wurde das Virus im Dezember auf einem Fischmarkt der Stadt Wuhan, auf dem auch Wildtiere verkauft wurden, erstmals auf Menschen übertragen. Bisher gibt es keinen Impfstoff gegen die Erkrankung.

Er hoffe, dass "eines der Ergebnisse dieses Treffens ein gemeinsamer Fahrplan für die Forschung sein wird", an dem sich Wissenschafter und Spender weltweit orientieren könnten, sagte Tedros weiter. Kurz nach dem Ausbruch der Epidemie hatten die chinesischen Behörden die Gensequenz des Virus veröffentlicht. Mehreren internationalen Forscherteams gelang es bereits, das neue Coronavirus im Labor nachzuzüchten. Das internationale Impfbündnis Cepi hatte vor gut zwei Wochen erklärt, ein Impfstoff gegen 2019-nCoV könne voraussichtlich im Sommer in die Testphase gehen. (apa, dpa)