Wenn die Heuschrecken über die Khat-Felder in Äthiopien herfallen, bleiben den Bauern, die mit dem Anbau des leichten Rauschmittels den Hauptteil ihres Lebensunterhalts verdienen, oft nur noch ein großer Stock oder ein paar leere Wasserflaschen, um ihre Ernte zu verteidigen. Doch gegen die gefräßigen Invasoren hilft es weder, dass die Landwirte verzweifelt auf sie einschlagen, noch lassen sich die Tiere dadurch vertreiben, dass mit Töpfen, Trommeln oder Autohupen so viel Lärm wie möglich gemacht wird. Die Heuschrecken, die das Land in gigantischen Schwärmen heimsuchen, fressen einfach unbeirrt weiter.

Viel zu wenige Flugzeuge

Helfen könnte den äthiopischen Bauern derzeit lediglich Luftunterstützung. Denn das großflächige Versprühen von Pestiziden per Flugzeug gilt als einzig effektive Maßnahme gegen die derzeit grassierende Heuschreckenplage in den Ländern Ostafrikas. Doch was die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO als "ideales Kontrollinstrument" bezeichnet, stößt in der Praxis oft auf unüberwindliche Hürden. So gibt es in der derzeit betroffenen Region nicht nur viel zu wenige Flugzeuge und speziell ausgebildete Piloten. Die meisten ostafrikanischen Staaten können sich die großflächige Schädlingsbekämpfung per Flugzeug auch schlicht und einfach nicht leisten. So sind selbst im vergleichsweise reichen Kenia, das flächenmäßig rund eineinhalb Mal so groß wie Deutschland ist, bisher lediglich sechs Kleinflugzeuge mit Pestiziden im Heuschrecken-Einsatz. Im seit Jahrzehnten von politischem Chaos und Bürgerkriegswirren geprägten Somalia ist ohne massive Hilfe aus dem Ausland nicht einmal das vorstellbar. Hier reichen die Mittel nicht einmal, um ein oder zwei Flugzeuge dauerhaft zu betreiben.

Entsprechend groß sind daher die Hoffnungen in Afrika, dass schon bald intelligente Drohnen bei der Bekämpfung der Heuschrecken helfen könnten. Und dabei geht es bei weitem nicht nur um die Früherkennung oder die Verfolgung der Zugbahnen der pro Tag bis zu 150 Kilometer zurücklegenden Tiere. Die FAO testet derzeit auch schon eigens entwickelte Prototypen, die sich mit Hilfe spezieller Sensoren an die Geschwindigkeit und Flughöhe der Insektenschwärme anpassen können. Damit könnten die Pestizide, die über einen speziellen Zerstäuber an Bord der Drohnen versprüht werden, deutlich treffsicherer und effizienter als mit dem Flugzeug ausgebracht werden.

Für die unbemannten Flugkörper sprechen aber nicht nur die Anpassungsfähigkeit und der hohe Automatisierungsgrad. Anders als Flugzeuge sind Drohnen auch nicht auf das Vorhandensein einer Flugplatzinfrastruktur angewiesen. Da sie keine mehrere hundert Meter langen Pisten brauchen, können sie praktisch von jedem kleinen Dorf in Afrika aus eingesetzt werden. Doch nicht nur beim Starten und Landen sind die Drohnen im Vorteil. Laut dem kenianischen Insektenforscher Muo Kasina können mit ihnen auch tief eingeschnittene Täler oder stark konturierte Landschaften beflogen werden, also Gegenden, die mit dem Flugzeug kaum erreicht werden können.

"Das wurde noch nie gemacht"

Mit dem Einsatz von Drohnen betritt man in vielen Bereichen allerdings auch Neuland. "Wir haben keine verlässliche und erprobte Methode, nach der wir die Heuschrecken besprühen können", erklärte Keith Cressmann, Heuschrecken-Experte bei der FAO der Nachrichtenagentur Reuters. "Das ist noch nie zuvor gemacht worden."

Für den Einsatz größerer Drohnen-Modelle, die mehrere hundert Liter Pestizid über weite Strecken transportieren können, fehlen in vielen afrikanischen Ländern zudem die Rahmenbedingungen. Da es oft noch keine Gesetze gibt, die die Verwendung der unbemannten Flugkörper regulieren, besteht zumeist ein generelles Flugverbot.

Doch angesichts der drohenden Gefahr - laut Experten könnte die Zahl der Heuschrecken ohne Gegenmaßnahmen bis Juni noch explosionsartig ansteigen - dürften viele Staaten bei der Regulierung nun zunehmend aufs Tempo drücken. "Ohne fortgeschrittene Drohnentechnologie droht uns die Heuschreckenplage endgültig über den Kopf zu wachsen", sagt Insektenforscher Kasina.