Wo das Coronavirus bisher am verheerendsten ist, in der chinesischen Stadt Wuhan, gibt es zunehmenden Mangel an einsatzfähigen medizinischen Personal.

Wie der amerikanische Medienkonzern CNN vermeldet, sind in einem der Krankenhäuser in Wuhan beispielsweise bereits mehr als 100 medizinische Helfer nach Hause geschickt worden. Sie sollen dort unter Quarantäne bleiben, bis es über ihren Gesundheitszustand Sicherheit gibt. 30 Krankenhausmitarbeiter sind bereits mit dem Virus infiziert worden. Das bedeutet, es ist mehr als ein Fünftel der 500 Ärzte und Pfleger des Spitals nicht einsatzfähig im Kampf gegen das Virus.

1716 Mitarbeiter im Gesundheitswesen sind in der Volksrepublik nach Angaben der Behörden bis Dienstag an dem Coronavirus, genauer: der Atemwegserkrankung Covid-19, erkrankt, teilte der Vize-Chef der staatlichen Gesundheitskommission, Zeng Yixin, am Freitag mit. Sechs von ihnen seien gestorben. Zeng hob die großen Risiken hervor, denen Ärzte und Krankenpfleger angesichts der Engpässe bei Schutzanzügen und Atemschutzmasken ausgesetzt seien.

Vor allem in Wuhan führten die Engpässe zuletzt dazu, dass Ärzte dieselbe Schutzbekleidung mehrfach tragen mussten. Ein Arzt aus Wuhan sagte, er und 16 seiner Kollegen hätten Symptome, die auf eine mögliche Coronavirus-Infektion hindeuteten. Dazu gehören Husten und Atemnot. Trotzdem würden sie weiter Patienten behandeln müssen.

Allein in Wuhan sind rund 1100 Ärzte und Pfleger infiziert.

"Derzeit sind die Aufgaben des medizinischen Personals an der Front extrem hart. Ihre Erholungsphasen sind begrenzt, der psychologische Druck ist groß, und das Risiko einer Infektion ist hoch", sagt Zeng Yixin.

Überarbeitete Menschen haben ein notorisch schlechtes Immunsystem. Das Immunsystem ist auch der Knackpunkt bei einer Ansteckung mit dem Coronavirus: Denn da es sich um eine virale Ansteckung handelt, helfen Antibiotika nicht, Patienten müssen auf die eigene Konstitution hoffen. Die meisten Todesopfer waren im hohen Alter oder hatten eine Vorerkrankung.

Die Zahlen zum betroffenen medizinischen Personal wurden genau eine Woche, nachdem der junge Augenarzt Li Wenliang an dem Erreger gestorben war, veröffentlicht. Li hatte als einer der ersten vor dem Virus gewarnt. Nach seiner Schilderung versuchte die Polizei jedoch, ihn mundtot zu machen. Sein Tod löste in chinesischen Onlinediensten große Bestürzung aus, der Ruf nach Meinungsfreiheit wurde laut.

Der Gipfel des Ausbruchs ist noch lange nicht erreicht

Gegen Wochenende berichteten die chinesischen Behörden von mehr als 5000 Neu-Infektionen am chinesischen Festland, das summiert die Zahl jener mit einer Coronavirus-Erkrankung auf 63.851. Die Zahl der Todesopfer stieg auf 1380.

Die neuen Zahlen sind Anlass zur Sorge: Es gebe damit keine Anzeichen, dass der Gipfel des Ausbruchs bald erreicht sei, erklärte Adam Kamradt-Scott, ein Experte für infektiöse Krankheiten an der Universität von Sydney. Noch vor zwei Wochen hatte man gehofft, dass der Spuk bald vorüber ist.

Erster Fall in Afrika

Mittlerweile hat Ägyptens Regierung auch den ersten Fall des Coronavirus auf dem afrikanischen Kontinent gemeldet. Dabei handle es sich um eine ausländische Person, teilte das Gesundheitsministerium in Kairo am Freitag mit. Zur Nationalität machte das Ministerium keine Angaben. Unklar blieb auch, aus welchem Land die Person nach Ägypten gereist war.

Der Patient zeige keine Krankheitssymptome und werde auf einer Isolierstation behandelt. Bisher war laut der Weltgesundheitsorganisation noch kein Fall von Corona in Afrika bekannt geworden.

In Wuhan wird improvisiert

In Wuhan improvisiert man derweil - die Elf-Millionen-Einwohner-Stadt hat ihren öffentlichen Transport und Taxi-Unternehmen stillgelegt. Viele Menschen müssen ohnedies von zu Hause aus arbeiten.

Doch für jene, denen das nicht möglich ist, wie eben dem Krankenhauspersonal, gibt es freiwillige Fahrer, die sich über Online-Dienste organisieren und ihre eigene Gesundheit so in Gefahr bringen. Viele der Fahrer wollen anonym bleiben, damit sie von ihren Angehörigen keinen Einspruch hören. "Jeder in unserer Gruppe hat einen starken Missionsgeist", erklärt der 53-jährige Wuhan-Bürger Chen Hui, der einen dieser Fahrservice betreibt.

Unterdessen melden sich immer mehr Experten zu Wort, dass dieser Stamm des Coronavirus tatsächlich vom Markt in Wuhan stammt - und nicht, wie von einigen wenigen befürchtet, menschengemacht aus einem virologischen Labor in der Nähe. "Wenn man sich das Genom des Virus und seine Eigenschaften ansieht, gibt es keine Anzeichen dafür, dass es ein gezüchteter Virus ist", meint etwa unter anderem Richard Ebright, ein Professor für chemische Biologie an der Rutgers University, gegenüber der "Washington Post".(reu/apa/wak)