Die Zahl der Coronavirus-Infektionen in Norditalien wächst weiter. So wurden am Samstag von den Gesundheitsbehörden 39 Fälle in der Lombardei - vor allem in den Provinzen Lodi und Pavia - und zwölf in der Gegend von Padua (Region Venetien) gemeldet, darunter der 78-Jährige, der am Freitag gestorben ist.

Giulio Gallera, der Gesundheitsbeauftragte der Lombardei, berichtete bei einer Pressekonferenz in Mailand am Samstag, dass der Herd der Epidemie im südlichen Teil der Provinz Lodi lokalisiert worden sei. Man könne jedoch nicht von einer Pandemie sprechen. Von den insgesamt rund 250 in der Lombardei getesteten Personen seien demnach 13 Prozent positiv. Die lombardische Frau, die in ihrer Wohnung tot aufgefunden worden war, wurde positiv auf das Coronavirus getestet, es sei jedoch noch unklar, ob sie am Virus oder an einer anderen Krankheit gestorben sei. Daher soll nun eine Obduktion erfolgen.

Gallera rief die Bevölkerung zur Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden auf. In den zehn lombardischen Gemeinden mit etwa 50.000 Einwohnern, in denen Lokale und Geschäfte geschlossen wurden, habe die Bevölkerung Kooperationsbereitschaft bewiesen. Weitere Städte in der Lombardei könnten Maßnahmen ergreifen, um die Verbreitung des Virus zu verhindern.

Anfangs negativ getestete Frau hatte das Virus

In Japan ist bei einer zunächst negativ auf das neue Coronavirus getesteten Passagierin des Kreuzfahrtschiffs "Diamond Princess" nachträglich das Virus SARS-CoV-2 festgestellt worden. Das berichtete der japanische Fernsehsender NHK am späten Samstagabend (Ortszeit). Die Regierung in Tokio hatte der über 60 Jahre alten Frau erlaubt, das Schiff nach Ende der zweiwöchigen Quarantäne zusammen mit Hunderten anderen negativ getesteten Passagieren am Mittwoch zu verlassen. Sie durften mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause fahren. Diese Entscheidung war unter Experten auf Unverständnis gestoßen.

Deutschland und andere Länder stellten dagegen ihre Landsleute nach Rückholung in ihre Heimat erneut unter Quarantäne. Der japanische Gesundheitsminister Katsunobu Kato musste am Samstagabend (Ortszeit) einräumen, dass es sein Ministerium bei 23 Passagieren versäumt hatte, vor ihrer Ausschiffung die nötigen Virustests vorzunehmen. Er bereue den "Fehler", wurde Kato von japanischen Medien zitiert. Man werde dafür sorgen, dass sich so ein Fehler nicht wiederhole.

Die 23 Passagiere seien vor dem 5. Februar negativ getestet worden. Nach Verhängung der Quarantäne waren sie dann nicht mehr getestet worden. Auch wer negativ getestet worden ist, kann offenbar später doch das Virus in sich tragen.

Mehr als 100 Passagiere des Schiffes, die zwar negativ getestet wurden, aber engen Kontakt mit Infizierten an Bord hatten, wurden am Samstag ebenfalls von Bord und in eine Quarantäneeinrichtung an Land gebracht. Ursprünglich hatte die japanische Regierung

WHO besorgt über Infektionsfälle ohne Rückverfolgbarkeit

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) äußerte sich unterdessen besorgt über die Infektionsfälle, bei denen es keine klare epidemiologische Verbindung gibt. Viele Menschen hätten sich mit der Lungenkrankheit Covid-19 angesteckt, ohne dass sie nach China gereist seien oder Kontakt mit einer Person gehabt hätten, bei der das Coronavirus nachgewiesen worden sei, schrieb WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus auf Twitter. Mehr als 80 Prozent der Patienten hätten eine leichte Form der Krankheit und würden genesen. In 20 Prozent handle es sich um eine schwere Form, die teilweise zum Tode führe.

Südkorea meldete 87 neue Infektionsfälle. Damit steige die Zahl auf insgesamt 433 Fälle, berichtete die Nachrichtenagentur Yonhap und berief sich auf die Gesundheitsbehörden. Einen der bestätigten Infektionsfälle meldete der Elektronikkonzern Samsung in seinem Werk in Gumi in Südkorea. Die Niederlassung, in der Mobiltelefone hergestellt werden, sei geschlossen worden.

Todesopfer im Iran

Der Iran meldete am Samstag zehn neue Infektionsfälle. Einer der Patienten sei gestorben, teilte der Sprecher des Gesundheitsministeriums mit. Insgesamt sind im Iran damit 28 Fälle bekannt, fünf dieser mit dem Coronavirus infizierten Menschen starben.

Die Inkubationszeit könnte nach chinesischen Angaben länger sein als die bisher angenommenen zwei Wochen. Ein 70-jähriger Mann in der Provinz Hubei habe sich mit dem Coronavirus infiziert, aber 27 Tage lang keine Symptome gezeigt, teilte die Provinzregierung mit. Eine längere Dauer von der Ansteckung bis zu den ersten Anzeichen der Krankheit könnte die Bemühungen erschweren, die Epidemie einzudämmen. (apa/reuters)