Auch in Brasilien ist am Dienstag vermutlich der erste Coronavirus-Fall registriert worden. Es könnte sich dabei auch um den ersten Fall in Südamerika überhaupt handeln. Einem Medienbericht zufolge geht es um einen 61-Jährigen, der nach einer Italien-Reise nach Brasilien zurückgekehrt war.

China vermeldete unterdessen einen weiteren Anstieg bei Todesopfern und Infizierten durch die Lungenkrankheit Covid-19. Wie die Pekinger Gesundheitskommission am Mittwoch mitteilte, kamen weitere 52 Menschen durch das neuartige Coronavirus ums Leben. Die Gesamtzahl der Opfer in China stieg damit auf 2.715. Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen kletterte um 406 auf über 78.000.

Sämtliche neuen Todesfälle und fast alle neuen Infektionen in der Volksrepublik wurden aus der besonders betroffenen Provinz Hubei gemeldet, wo das Virus in der Millionenmetropole Wuhan ursprünglich ausgebrochen war. Auf den Rest des Landes entfielen nur noch fünf neue Infektionen.

Die Apartmentanlage in Bad Kleinkirchheim, in der die italienische Urlauberin gestorben ist,wurde mittlerweile gesperrt. Der Arzt konnte eine Coronavirus-Infektion vorerst nicht ausschließen.  - © APAweb / Gert Eggenberger
Die Apartmentanlage in Bad Kleinkirchheim, in der die italienische Urlauberin gestorben ist,wurde mittlerweile gesperrt. Der Arzt konnte eine Coronavirus-Infektion vorerst nicht ausschließen.  - © APAweb / Gert Eggenberger

Nun sollen Banknoten desinfiziert werden, um Neuansteckungen zu unterbinden. Der Zeitung "China Securities Journal" zufolge wurden entsprechende Vorgaben von der Finanzaufsicht CBIRC verbreitet. Demnach ist ferner vorgesehen, dass Banken auch ihre Schalter und andere von Kunden häufig besuchte Orte häufiger zu desinfizieren.

Einsatzstab in Wien tagt

In Wien tagt seit 07.30 Uhr wieder der Einsatzstab der Bundesregierung zum Coronavirus. Auch Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) nimmt daran teil. Bei der Sitzung gehe es um das Vorgehen bei weiteren möglichen "Abriegelungen" von Infizierten, wie gerade in Tirol bei den zwei ersten Personen in Österreich der Fall. Denn es sei davon auszugehen, dass weitere "Abriegelungen" nötig sein könnten. Daher würden Vorkehrungen zu treffen sein für den Fall, dass es noch weitere positiv getestete Fälle in Österreich gebe.

Bei der in Bad Kleinkirchheim verstorbenen italienischen Urlauberin, die der erste Coronavirus-Todesfall in Österreich sein könnte, laufen die Untersuchungen noch. Das Ergebnis sol im Laufe des Tages vorliegen.

Die mit dem Coronavirus infizierte Italienerin in Innsbruck ging in dem Hotel ihrer Arbeit als Rezeptionistin nach. Insgesamt sind in dem Innsbrucker Hotel, in dem die infizierte Italienerin arbeitet, 62 Personen getestet worden. Neun davon wurden unter Quarantäne gestellt. Auch aus dem engen sozialen Umfeld der Erkrankten mussten drei Personen in Quarantäne.

"Wir haben bei allen 62 getesteten Personen Untersuchungen und zur Sicherheit auch Abstrichproben vorgenommen. Zudem wurden alle Personen registriert und befragt sowie über die notwendigen Hygiene-und Sicherheitsmaßnahmen informiert", erklärte Landessanitätsdirektor Franz Katzgraber.

Alle 62 Getesteten wiesen einen guten Gesundheitszustand auf, hieß es. Jene neun, die unter Quarantäne gestellt wurden, hatten einen engen Kontakt zu der erkrankten Italienerin. "Für die zwölf Personen wurde eine Isolierung angeordnet, die zwei Wochen andauern muss und polizeilich überwacht wird. Zudem müssen die Personen für diesen Zeitraum laufend ihren Gesundheitszustand überprüfen", erklären Landeshauptmann Günther Platter und Innenminister Karl Nehammer (beide ÖVP). Alle Personen seien von den Behörden umfassend über das weitere Prozedere informiert worden.

Jene Personen, die nicht als enge Kontaktpersonen bestimmt werden und gesund sind, werden nicht weiter eingeschränkt, hieß es. Dass sich Hotelgäste, die so mit ihr in Kontakt waren, damit automatisch angesteckt haben, dementiert der Leiter der Infektiologie der Med Uni Innsbruck Günther Weiss in der "ZiB2" des ORF-Fernsehens. Seinem Informationsstand zu Folge bräuchte es für die Übertragung im Normalfall einen längeren Kontakt von rund einer Viertelstunde. Die Zeit an der Rezeption sei aber eine sehr kurze und damit gebe es eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit der Ansteckung, erklärte Weiss. Der Zustand der beiden Innsbrucker Patienten, die aus Italien stammen, ist indes weiter stabil.

Unterdessen wurde auch die Wohnstätte der Italienerin isoliert und die Nachbarn informiert. Die 24-Jährige arbeitet und wohnt in Innsbruck. Ihr gleichaltriger, ebenfalls betroffener Freund war zuletzt bei der Frau in der Tiroler Landeshauptstadt auf Besuch. Italien ist das Land mit den meisten Infektionen und Todesfällen in Europa.

Reisebeschränkungen ergeben "keinen Sinn"

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) sagte in der "ZiB2", in Italien gebe es "klar einen (einzigen, Anm.) Herd", nämlich in der Lombardei im Norden des Landes. Alle Fälle in Italien seien von diesem Herd ausgegangen, berichtete Anschober nach einem Treffen mit mehreren europäischen Amtskollegen in Rom.

Auf die Frage, warum bisher keine Reisebeschränkungen an den Grenzen Italiens verhängt wurden, verwies der Minister auf europäische und Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die sagten: "Das macht keinen Sinn." Auch das Fiebermessen alleine an allen Personen bei der Einreise von Italien nach Österreich würde nur "sehr, sehr wenig" bringen. Im Zuge europäischer Regelungen würden die zuständigen Gesundheitsbehörden in Österreich bei Hinweisen auf Österreich in anderen Staaten informiert. Der Kampf, dass keine globale Pandemie entstehe, sei eine "große Herausforderung". Anschober betonte: "Der Ausbruch in Italien war für uns wirklich ein Hinweis, dass wir sehr vorsichtig mit großer Ernsthaftigkeit vorgehen müssen und die Sicherheit in den Vordergrund stellen müssen. Das machen wir mit dieser gesamteuropäische Strategie auch sehr verantwortungsvoll, wie ich meine."

Erster Fall in Algerien, zwei neue Fälle in Deutschland

Das nordafrikanische Land Algerien hat am Dienstagabend seinen ersten Coronavirus-Fall bestätigt. Bei dem Infizierten handelt es sich um einen Italiener, der am Montag der vergangenen Woche eingereist sei, berichtete das Staatsfernsehen. Der Mann sei in Quarantäne genommen worden, hieß es unter Berufung auf den Gesundheitsminister.

In Deutschland wurden am Dienstagabend zwei neue Coronavirus-Erkrankungen publik. Erstmals sind auch Patienten in den Bundesländern Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen nachweislich daran erkrankt. Der Betroffene in Nordrhein-Westfalen befindet sich in einem kritischen Zustand, wie das Landes-Gesundheitsministerium mitteilte.

In der offiziellen Mitteilung des brasilianischen Gesundheitsministeriums hieß es, man untersuche zusammen mit den städtischen und bundesstaatlichen Gesundheitsbehörden einen Fall in Sao Paulo. Diesen soll nach einem Bericht des Portals G1 das Albert-Einstein-Krankenhaus festgestellt haben. Demnach habe ein 61 Jahre alter Mann, der zwischen dem 9. und 21. Februar nach Norditalien gereist war, die Symptome der Krankheit wie Husten gezeigt haben. Er sei nun zu Hause isoliert. Im Institut Adolfo Lutz, so etwas wie dem akkreditierten Labor des Gesundheitsministeriums, soll noch zweiter Test gemacht werden.

El Salvador verhängte unterdessen ein Einreiseverbot für Reisende aus Italien und Südkorea. Salvadorianische Staatsangehörige und Diplomaten, die aus diesen Ländern anreisen, müssen 30 Tage in Quarantäne verbringen, twitterte Präsident Nayib Bukele. El Salvador hat bisher keine Coronavirus-Fälle gemeldet.

Weitere Fälle in Südkorea und Japan

Südkorea verzeichnet die meisten Virusfälle in Asien außerhalb Chinas. Die Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention in Südkorea bestätigen unterdessen 169 neue Coronavirus-Erkrankungen. Darunter ist erstmals auch ein im Land stationierter US-Soldat. Von den neuen Fällen stammen 134 aus der Stadt Daegu, wo sich die Shincheonji-Kirche Jesu befindet, die mit Ausbrüchen in Verbindung gebracht wird. Die Gesamtzahl der mit dem Virus infizierten Personen stieg damit in Südkorea auf 1.146.

In Japan lässt das Schulamt der nördlichen Präfektur Hokkaido der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge ab Donnerstag alle öffentlichen Grund- und Mittelschulen für einige Tage schließen. In der Region sind bisher 35 mit dem Virus infizierte Personen bestätigt, darunter Schüler, Lehrer und Schulbusfahrer. Die japanische Regierung versprach, ein Team von Spezialisten nach Hokkaido zu entsenden, um die größte Anzahl an Erkrankungen außerhalb Tokios einzudämmen.

Tokios Baseball-Team "Yomiuri Giants" wird zwei Vorsaisonspiele in einem leeren Stadion austragen. Der Schritt erfolgt, nachdem die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe Unternehmen aufgefordert hatte, ihrem Mitarbeitern Telearbeit nahezulegen und Veranstalter aufforderte, ihre Event-Pläne zu überdenken.

Die Sorge über eine Mögliche Absage der Olympischen Spiele in Tokio heuer im Sommer lässt die japanischen Anleger nicht los. Die Aktien der größten japanischen Werbeagentur Dentsu rutschen den sechsten Tage in Folge auf ein Sieben-Jahres-Tief ab. Das Unternehmen ist bisher für die Spiele 2020 von Rekordeinnahmen in Höhe von mehr als 3 Milliarden Dollar für inländische Sponsoring-Einnahmen durch bedeutende Verträge für die Fackelstaffel sowie Eröffnungs- und Abschlusszeremonien ausgegangen. Offizielle Stellen haben bestritten, dass die Olympischen Spiele verschoben oder abgesagt würden. Aber die Regierung in Tokio war gezwungen, das Training für Freiwillige zu verschieben und Großveranstaltungen wie der Tokio-Marathon wurden bereits abgesagt. (apa, dpa, reuters)