Endlich einmal eine gute Nachricht. In der Ebola-Epidemie in der Demokratische Republik Kongo ist ein Ende in Sicht. Anfang März wurde die letzte Ebola-Patientin im Osten des Bürgerkriegslandes auf der Behandlungsstation entlassen. Seit Mitte Februar wurden keine neuen Fälle registriert. "Das ist ein wichtiger Meilenstein in diesem Ausbruch", so die Weltgesundheitsorganisation WHO in einer Presseerklärung.

Sie bleibt jedoch vorsichtig, das Ende der Epidemie zu erklären. "Es gibt ein Risiko, dass das Virus wieder auftaucht, während ein Ende des Ausbruchs erklärt wird", so die WHO. Das Virus könne in geheilten Patienten noch weitere Monate weiterleben und über die Muttermilch oder sexuellen Kontakt erneut übertragen werden. Dies seien zumindest Erfahrungen vom Ausbruch des tödlichen Hämorrhagischen Fiebers in Westafrika 2014 bis 2016. Ein offizielles Ende der Epidemie will die WHO daher erst 42 Tage nach der letzten Ansteckung erklären, die doppelte Inkubationszeit. Der Stichtag wäre damit Mitte April.

Bei dem jüngsten Ebola-Ausbruch, der laut WHO am 1. August 2018 begann, wurden 3444 bestätigte und vermutete Infektionen gemeldet, 2264 Menschen starben. 1169 infizierte Patienten wurden geheilt. Es ist damit der zweitgrößte Ebola-Ausbruch in der Geschichte nach der Westafrika-Epidemie von 2014 bis 2016, welche rund 11.000 Menschenleben forderte.

Als in der ostkongolesischen Stadt Beni die letzte Patientin, Semida Masika, immer noch wackelig auf den Beinen, die Behandlungsstation mit einigen Packungen Medikamenten in der Hand verlässt, wird sie begleitet von tanzenden Krankenschwestern und Ärzten. "Ein emotionaler Tag in Beni", erklärt das WHO-Team vor Ort auf Twitter. Doch noch ist Vorsicht geboten. 46 Personen, die mit Masika in Kontakt waren, werden weiterhin genau beobachtet. "Wir müssen diese Arbeit fortsetzen bis zum Ende des Ausbruchs, um Kapazitäten aufrecht zu erhalten, schnell auf ein erneutes Aufflackern zu reagieren", so Ibrahima Socé Fall, Direktor des WHO-Notfallteams. "Nur ein einziger Fall könnte zu einem erneuten Ausbruch der Epidemie führen", warnt er. "Das wäre eine Tragödie."

Kongo hatte Glück: Es gab nach Westafrika Impfstoffe

"Es war jede Menge Arbeit", fasst WHO-Notfallchef Fall die Ebolakrise inmitten eines Bürgerkriegsgebietes zusammen. Es ist eine Region, die sich über tausend Kilometer zum Teil dichten Dschungels erstreckt, in welchem zahlreiche Milizen ihr Unwesen treiben. Seit August 2018 hatte die WHO 420 Angriffe auf ihr Gesundheitspersonal registriert, elf Menschen starben und 86 wurden dabei verletzt. Elf Labore seien errichtet worden, die rund 3500 Proben wöchentlich untersuchten. Elf Behandlungszentren wurden in dem Land, in welchem es kaum Gesundheitsversorgung gibt, neu errichtet. Eine Viertelmillion Kontakte von Patienten wurden registriert und überwacht, über 160 Millionen Menschen wurden in der ganzen Region auf Symptome wie Fieber überprüft, mehr als tausend Tonnen Material musste aus aller Welt in den Kongo eingeflogen werden. Ein entscheidender Meilenstein war in diesem Ausbruch jedoch die Entwicklung eines Impfstoffes und zwei Behandlungsmedikamenten, die die hohen Überlebensraten ermöglichten. Sie wurden als Folge des Ausbruchs in Westafrika entwickelt und kamen zum ersten Mal im Kongo nun zum Einsatz. Das Problem auch hier: Die Ampullen mussten konstant tiefgefroren in einem Land aufbewahrt werden, welches kaum über Strom verfügt. Ähnlich wie in Westafrika 2014 zeigte sich auch in der DR Kongo, wie wichtig funktionierende Gesundheitssysteme sind, um schwere und tödliche Seuchen wie Ebola oder Corona zu bekämpfen. In dem riesigen Land im Herzen des Kontinents ist das Gesundheitssystem so marode, dass es in Krankenhäusern weder Strom noch genügend Schutzhandschuhe gibt, geschweige denn Medikamente oder Intensivstationen. Sobald Ärzte und Pfleger mit vielen Kranken in kurzer Zeit konfrontiert werden, bricht das ganze System zusammen.

Auch im Kongo passierte es, dass sich Patienten, die mit einfachen Krankheiten im Krankenhaus lagen, an Ebola-Patienten ansteckten oder dass Gesundheitsstationen so sehr überlastet waren, dass sich Ärzte und Pfleger nicht mehr um andere Infektionen kümmern konnten.

Dabei ist Ebola im Kongo keine Seltenheit. Das tödliche Virus ist in den dichten Urwäldern beheimatet. Es tauchte 1976 nahe des Ebola-Flusses im Norden des Landes zum ersten Mal auf und erhielt daher seinen Namen. Bis 2013 registrierte die WHO 24 Ausbrüche, die meisten im Kongo und den Nachbarländern Uganda und Südsudan. Das Virus stammt ursprünglich vermutlich von Primaten, also Affen, die an dem Virus ebenfalls erkranken können. Viele Einwohner von Dörfern inmitten des dichten Regenwaldes ernähren sich vom Fleisch von Wildtieren, wodurch sich das Virus auf Menschen überträgt. Unter Verdacht stehen auch Fledermäuse und Flughunde, die das Virus als Wirt übertragen können.

Auch das Coronavirus, Covid-19, welches sich nun zu einer weltweiten Pandemie ausgebreitet hat, wurde wohl von Wildtieren auf Menschen übertragen, vermutlich von Fledermäusen oder Schuppentiere wie dem Pangolin, die in Afrikas Wäldern gefangen und in Asien als Delikatessen verspeist werden.

Seuchenerprobte Länder sind auf Hygiene getrimmt

Afrika war zunächst vom Coronavirus verschont geblieben, doch inzwischen breitet sich die Krankheit auf dem Kontinent aus. Das Virus ist in inzwischen in mindestens 27 von 49 Ländern in der Region Subsahara angelangt, auch im Kongo. Bisher handelt es sich in der Regel um Einzelfälle, die von außerhalb eingeschleppt wurden, vor allem aus Europa.

Ein Vorteil im Kampf gegen das Coronavirus könnte allerdings die Bevölkerungspyramide, also die jeweilige Altersstruktur der afrikanischen Länder sein. In vielen Ländern liegt das Durchschnittsalter zwischen 20 und 30 Jahren. Bei Covid-19-Infektionen gelten insbesondere ältere Menschen als Risikogruppe. In Zentralafrika, rund um den Ebola-Krisenherd im Ostkongo und dessen Nachbarländern Uganda und Ruanda, zeigt sich zudem in diesen Tagen, dass die dortigen Regierungen und Gesundheitsämter nun besser für den Umgang mit dem Coronavirus vorbereitet sind. Handwaschstationen sind bereits seit fast zwei Jahren an allen Grenzübergängen, Flughäfen und mitunter sogar vor Restaurants und Supermärkten installiert. Informationskampagnen, Notfallnummern und -Pläne sind etabliert, die Bevölkerung ist auf die Notwendigkeit von Handwasch-Hygiene getrimmt. Dies erleichtert nun die Vorkehrungsmaßnahmen gegen Corona gewaltig.

Die Negativseite dieser Seuchenausbrüche ist jedoch, dass sowohl Ebola als auch Corona vielmehr Aufmerksamkeit und finanzielle Ressourcen an sich ziehen als anderen Krankheiten wie Masern, die vor allem bei jungen Menschen viel mehr Todesfälle fordern. Denn im selben Zeitraum als Ebola grassierte, kam es im Kongo auch zum schlimmsten Masern-Ausbruch der Geschichte. Über 310.000 Menschen infizierten sich, mehr als 6000 starben, so die Angaben von Ärzte ohne Grenzen. Doch diese Krankheit, die in vielen Jahren für mehr als 100.000 Tote weltweit sorgt, wird nur wenig beachtet.

Trotz den bisherigen Lerneffekten aus tödlichen Seuchen könnte das Coronavirus könnte für Afrika verheerende Folgen haben. Denn in den meisten afrikanischen Ländern gibt es nicht nur viel zu wenige Krankenhäuser, geschweige denn Intensivbetten. Auch die Quarantäne in den eigenen vier Wänden ist in vielen Gegenden, wo ganze Familien zusammengepfercht in einem Raum leben, gemeinsam Wasser und Latrinen nutzen, nicht durchführbar. Afrika müsse sich "auf das Schlimmste" vorbereiten, sagt Tedros Adhanom Ghebreyesus, der Chef der Weltgesundheitsorganisation.