Die Straßen sind leer, die Menschen weltweit in Deckung gegangen. Apokalyptische Bilder des kollabierenden italienischen Gesundheitssystems flimmern über die TV-Bildschirme. Während für die meisten ein Albtraum wahr wird, schütten andere so viele Glückshormone aus wie noch nie: Die Rede ist von "Preppern", einer gut vernetzten Gruppe von Menschen, die sich seit Jahren auf Katastrophen wie einen globalen Atomkrieg - oder eben eine Pandemie - vorbereiten.

Jetzt ist der Fall X offensichtlich eingetreten, die Prepper-Szene - allein in den USA gibt es vier bis fünf Millionen Mitglieder - sieht ihre Stunde gekommen. Viele von ihnen hegen insgeheim schon lange den Wunsch nach dem Zusammenbruch einer Welt, in der sie sich nicht zurechtfinden. Jetzt ist ihre Stunde gekommen. Atombomben-Anschläge, ein totaler Stromausfall, Attacken mit biologischen Waffen - auf alles ist man vorbereitet.

Die Verstecke mit ausreichend Proviant sind angelegt, das Überleben unter Steinzeit-Bedingungen wurde in unzähligen einschlägigen Seminaren geübt: Wie jage ich, wie fische ich, welche Beeren und Wurzeln sind genießbar? Die Trainer haben oft eine Kampfausbildung beim Militär genossen. Kein Wunder also, dass Prepper zu 95 Prozent männlich sind und zum Großteil zu denen zählen, die man landläufig nicht als reich, erfolgreich und "hip" bezeichnen würde.

Historischer Moment

Doch inmitten der Jahrhundertkrise sehen sie das historische Moment auf ihrer Seite.

Im Chatforum "Austrian Preppers" herrscht jetzt Hochbetrieb, es wird gefachsimpelt, was das Zeug hält. Funkgeräte (im einschlägigen Jargon "Handgurke" genannt), Methoden, um verseuchtes Wasser zu dekontaminieren, und alternative Möglichkeiten der Essenzubereitung sind die Themen der Stunde. "Die Albrecht" sei eben "die einzige Handgurke, die SSB kann", verrät ein Teilnehmer des Forums.

Ein anderer hat Ratschläge, wie man "Wasser lagert und filtert". Dabei wird ein spezielles Gerät im Badezimmer am Wasserhahn montiert, das das Wasser keimfrei machen soll. "Gestern ist mein "Midland Alan 42 DS angekommen", freut sich wieder ein anderer. "Zur Feier des Tages" habe er "acht Stück nagelneue Panasonic enelop pro" ausgepackt und "in den Akkupack eingelegt. Vorfreude macht sich breit." Wieder ein anderer empfiehlt allen Funkern "Heimstation und Hochantenne". Da wäre man "besser erreichbar".

Die Nahrung, die ein durchschnittlicher Österreicher eingelagert hat, reicht etwa für drei Tage. Dann ist er auf frische Zufuhr angewiesen. Geeichte Prepper haben Vorräte für Wochen, manche für Monate angelegt. In den Kellern stapeln sich die Dosen mit Fleisch, Gemüse und Ravioli. Wichtig ist, dass die Nahrung kalorienreich ist. Kaffee darf nicht fehlen und - Klopapier. Das eignet sich nämlich auch als Verband- und Isoliermaterial sowie als Wasserfilter.

Gedränge im Prepper-Shop

Viele österreichische Prepper haben nach der Katastrophe von Tschernobyl begonnen umzudenken. Für andere war der Unfall im japanischen AKW Fukushima das entscheidende Erweckungserlebnis. Wer jetzt noch Survivalkits, Notfallproviant in ausreichender Menge und Ganzkörper-Schutzanzüge kaufen will, hat freilich Pech gehabt. Der "Prepper Shop Österreich" meldet Wartezeiten von bis zu sechs Wochen. Die Bestellungen sind mindestens um den Faktor zehn in die Höhe geschossen. Wer jetzt noch einen "Fluchtrucksack" um wohlfeile 1499 Euro kaufen will, der braucht Geduld - die er nicht hat, das liegt in der Natur der Sache.

Top-Seller waren bis vor kurzem Nahrungsmittel-Notvorräte, auch in vegetarischer Ausführung. Dosenbrot ist für jeden Prepper Pflicht, aber aus. Dabei gibt es in den Prepper-Shops dieser Welt angeblich Nahrungsmittel, die bis 2040 haltbar sind. Trockenbrennstoff-Kochsets und "Micropur"-Tabletten, um Wasser haltbar zu machen, waren der Hit. Faltkanister werden nachgefragt, reges Interesse besteht am Thema "Waffen".

Nobel geht die Welt zugrunde

In den endlosen Weiten der USA kann man über derartigen "Kleinkram" nur lachen. Längst ist das Coronavirus auch dort angekommen, die Todesrate steigt rasch an. In Kansas aber gibt es "Survival Condos", die ausreichend Schutz vor äußeren Gefährdungen bieten sollen. Dabei handelt es sich um einen ehemaligen Raketenbunker, in dem reiche Menschen unterirdisch und gut geschützt durch Beton- und Stahlplatten ihre Luxuswohnungen haben. Der ehemalige Silo hat 15 Stockwerke, der Eingang wird durch massive Stahltüren gesichert. Das sollte als Schutz gegen Viren und genauso gegen atomare Strahlung ausreichen.

Eine Dreizimmerwohnung kostet hier 2,3 Millionen Dollar. Dafür gibt einen Swimmingpool mit Rutschbahn und Wasserfall. Wenn schon die Welt draußen vor die Hunde geht, will man hier nichts missen müssen.

Während die meisten Prepper friedlich sind, gibt es unter ihnen auch eine gewaltbereite Fraktion. Diese geht davon aus, dass in Krisenzeiten Massen an Flüchtlinge nur noch mit der Waffe in der Hand abzuwehren sind. Auch stellt man sich die Frage, wie die Umgebung reagiert, wenn man als Einziger mit genug Vorräten ausgestattet ist. Wie soll man sich Diebe vom Leib halten, lautet die Frage. Viele setzen auf archaisches Gerät wie Armbrüste, aber auch Schlagstöcke und Pfefferspray sind hoch im Kurs. Der deutsche Geheimdienst geht von rund 3500 Extremisten aus, die eindeutig rechtsradikal sind, "Bürgerwehren" gebildet haben, über Waffendepots verfügen und die gut vernetzt sind.