Prinz Charles musste nicht lange auf seinen Test warten. Nachdem der britische Thronfolger Symptome der vom Coronavirus ausgelösten Krankheit Covid-19 aufwies, ging alles sehr schnell. Am Mittwoch wurde bekannt, dass der älteste Sohn von Königin Elizabeth II. positiv auf den Erreger getestet wurde. Charles leide unter leichten Symptomen, sei aber "wohlauf", hieß es aus dem Palast. Kritiker behaupteten daraufhin, Prinz Charles habe eine Sonderbehandlung erhalten - immerhin mangelt es auch im Vereinigten Königreich an Testkits. Selbst das Personal in Krankenhäusern wird nicht ausreichend getestet.

Doch der britische Gesundheitsminister wies die Behauptungen zurück. "Der Prinz von Wales hat sich nicht vorgedrängelt", sagte Edward Argar zu "Sky News". Nur: Getestet wird in Schottland, wo Charles sich seit zwei Wochen aufhält, eigentlich nur, wer schwer erkrankt. Das scheint auf Prinz Charles nicht zuzutreffen. Argar hat nun versprochen, die Tests vor allem für Krankenhauspersonal hochzufahren. Doch die Debatte über das Gesundheitssystem und über den gerechten Zugang zu medizinischer Behandlung ist längst entbrannt.

Lagerkoller ausgeschlossen

Prinz Charles dürfte das alles wenig interessieren. Der 71-Jährige befindet sich auf seinem schottischen Landsitz Birkhall in Quarantäne. Mehr als 21.000 Hektar Land stehen ihm dort zur Verfügung, der Lagerkoller dürfte also ausbleiben. Der Thronfolger sei "frohen Mutes", hieß es.

Auch in den USA stellt sich für Corona-erkrankte Reiche die Frage, welches Anwesen am besten für die Selbstisolation geeignet ist. Dabei ist das Eigentum in der Stadt nicht erste Wahl. Viele Mitglieder der Elite machen sich auf den Weg nach Long Island oder anderen Orten mit Küsten-Idylle vor den Toren New Yorks. Das Ziel sind großzügige Sommerhäuser: Dort gibt es mehr Platz als in den Großstadtwohnungen, weniger Pandemie-Viren - und obendrein noch Meerblick. Wer weiter weg will, für den ist das Linienflugzeug trotz Businessclass momentan ein Verkehrsmittel mit hohem Stresslevel. Unter denen, die es sich leisten können, boomen Privatjets. Dem TV-Sender CNBC zufolge machen die Anbieter jetzt das große Geschäft, während die Airlines Angst um ihre Existenz haben.

Auch Russlands Oligarchen sind es gewohnt, dass ihnen die Welt offensteht. In Corona-Zeiten ist ein Trip zum Shoppen in einem EU-Land oder zum Skifahren jedoch selbst für die Geldelite Illusion. Auch Österreich hat den Luftraum für Flüge aus Russland gesperrt, Russland setzt ab Freitag fast alle Flugverbindungen ins Ausland aus. Weg fallen für die Superreichen auch die traditionellen Reisen zu Behandlungen, die vor allem nach Finnland, Deutschland und Israel führen.

Auf Kosten der Allgemeinheit

Also wird die medizinische Infrastruktur daheim aufgerüstet: Oligarchen besorgen für sich und ihre Familie Beatmungsgeräte, Kostenpunkt umgerechnet 20.000 Euro pro Stück. 30 Prozent des Verkaufsumsatzes in den vergangenen beiden Wochen entfielen auf Privatpersonen, gaben die Vertreter von einem guten Dutzend Herstellern gegenüber der "Moscow Times" an.

Inzwischen sind überall die Bestände ausverkauft. Manch Vermögende gehen sogar so weit, dass sie auch Ärzte anwerben, die sich im Corona-Notfall um sie kümmern - und somit für die Allgemeinheit ausfallen.

Verschärft wird damit die Dreiteilung des russischen Gesundheitswesens. An der Spitze der Versorgungskette stehen die Superreichen. Gutverdiener haben eine private Krankenversicherung, die im Idealfall der Arbeitgeber bezahlt.

Der Rest muss in staatliche Krankenhäuser, wo teils chaotische Zustände herrschen: Kremlkritische Medien berichten, in einem Moskauer Spital würden Corona-Infizierte nicht von Verdachtsfällen isoliert. Weil keine Spezialisten zur Verfügung stünden, würden die Patienten von Chirurgen oder Gynäkologen betreut. Da Corona-Tests bisher Mangelware waren, liegt die Zahl der Infizierten im 144-Millionen-Land offiziell erst bei unter 1000 Personen. (sig/schmoe/da)