Es ist definitiv ganz anders als noch vergangene Woche", erzählt der Arzt Craig Spencer im Interview: Vergangene Woche waren im Columbia-Spital in Manhattan ein oder zwei Corona-Verdachtsfälle. Heute sind dagegen praktisch alle Patienten Corona-Kranke, und vielen von ihnen geht es äußerst schlecht, schildert der Arzt gegenüber CNN.

Der erste nachgewiesene Corona-Fall in New York war am 1. März, sei also nur drei Wochen her. Und allen Modellen zufolge ist New York heute noch immer "nur am Beginn dieses Ausbruchs." Dazu kommt das immer drängender werdende Problem der fehlenden Materialien: "Sogar als ich in Westafrika gearbeitet habe, habe ich mir nie Gedanken um fehlende Schutzkleidung machen müssen. Jetzt haben viele Kollegen genau davor Angst. Operationsmasken müssen eine ganze Woche lang wiederverwendet werden. Und wir wissen, dass das erst der Anfang ist. Nachher ist es in New Jersey, in New Mexico... Es wird ein Marathon", so der Arzt.

Die Corona-Krise ist in den USA nicht nur angekommen, das Land liegt mittlerweile weltweit an der Spitze: Die USA haben nach Angaben von US-Experten inzwischen mehr bekannte Coronavirus-Infektionen als jedes andere Land. In den USA gab es bis Donnerstagnachmittag (Ortszeit) 82.400 bekannte Infektionen, und damit haben die Vereinigten Staaten  China und Italien knapp überholt.

New York ist mit mehr als 30.000 Corona-Fällen am schlimmsten betroffen. Alle drei Tage verdoppelt sich derzeit die Anzahl der registrierten Corona-Infektionen in der Acht-Millionen-Einwohner-Metropole.

Die Zahl der Corona-Toten beläuft sich in den USA schon auf 1000 Opfer; allein in der Millionenmetropole New York sind 280 Menschen an dem Virus zugrunde gegangen.

Die Behörden in New York lassen deswegen eine provisorische Leichenhalle errichten. Die weißen Zelte wurden außerhalb des Bellevue-Krankenhauses in Manhattan aufgebaut. Ein Krankenhausschiff hat schon Kurs auf New York genommen, um dort im Hafen für neue Betreuungsmöglichkeiten zu sorgen.

Die Internetseite "Politico" berichtete unter Berufung auf anonyme Quellen im Heimatschutzministerium, dass erwartet würde, dass die Leichenschauhäuser in der Ostküstenstadt nächste Woche an ihre Kapazitätsgrenze stoßen.

Donald Trump will "volle Kirchen zu Ostern"

Trotz aller Prognosen, dass der Ausbruch in den USA eher am Anfang als am Ende steht, will US-Präsident Donald Trump das nicht wahrhaben. Er wolle bereits zu Ostern - in zweieinhalb Wochen - volle Kirchen sehen. Rechtsgerichtete Radiomoderatoren wie Glenn Beck trommeln bereits die Parole: Lieber am Virus sterben, als das Land (beziehungsweise: dessen Wirtschaft) sterben zu lassen.

Denn der US-Wirtschaft geht es im Wahljahr nicht gut. Die US-Notenbank Fed hat diese Woche sogar gemeint, die Vereinigten Staaten könnten in eine Rezession schlittern: Das bedeutet, dass die Wirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen schrumpft.

Infolge der Zuspitzung der Corona-Pandemie in den USA sind die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sprunghaft angestiegen. Ihre Zahl hat sich in der Woche bis 21. März von 282.000 auf nunmehr rund 3,3 Millionen etwa verzehnfacht, wie das US-Arbeitsministerium am Donnerstag mitteilte. In der Vorwoche - zu Beginn der Epidemie in den USA - waren die Erstanträge um 70.000 auf 281.000 angestiegen.

Die rasante Ausbreitung von Sars-CoV-2 hat auch in den USA das öffentliche Leben zum Erliegen gebracht. Fast die Hälfte der rund 330 Millionen Amerikaner unterliegt nun von Bundesstaaten verhängten Ausgangsbeschränkungen - auch in der normalerweise so umtriebigen Stadt New York. Viele Geschäfte sind geschlossen, Restaurants und Hotels bleiben leer, zahllose Reisen wurden abgesagt. Viele Mitarbeiter geschlossener Unternehmen müssen daher Arbeitslosenhilfe beantragen.

Kündigungen sind in den USA in der Regel wesentlich schneller möglich als etwa in Europa. In den USA gab es bisher auch keine Regelung wie Kurzarbeit.

Konjunkturpaket soll am Freitag verabschiedet werden

Mit einem Konjunkturpaket, mit dem der US-Kongress rund 2 Billionen Dollar (1,9 Billionen Euro) in die Wirtschaft pumpen will, wird die bisher sehr begrenzte Arbeitslosenhilfe ausgeweitet. Zudem soll es Arbeitgebern möglich sein, Angestellte für bis zu vier Monate zu beurlauben, anstatt sie zu kündigen. In dieser Zeit würde der Staat für das Gehalt aufkommen. Am Donnerstag stimmte der Senat dafür, am Freitag wird das Ja des Repräsentantenhauses erwartet.(wak/apa/dpa)