Johannesburg. Katlego Tshiloane raucht vor Wut - nur im übertragenen Sinne. "Dieses Tabak-Verbot hat keinen Sinn", schimpft der der 34-jährige Südafrikaner aus Johannesburgs Vorort Soweto. Früher hat er zwischen 10 und 20 Zigaretten pro Tag geraucht - vor den Ende März verhängten Corona-Beschränkungen. Seitdem gab es zwar diverse Lockerungen, doch das Tabakverbot hat sehr zum Ärger der Raucher des Landes bis heute Bestand.

De facto befindet sich damit eine ganze Nation seit mehr als drei Monaten in der wohl größten Raucher-Entzugskur der Geschichte. Die Tabakindustrie ist auf den Barrikaden, Verbraucherschützer wittern schwere Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte, Ökonomen warnen vor Steuerverlusten. Viele Raucher bedienen sich auf dem Schwarzmarkt mit dubiosem Ersatz wie Rooibosch-Zigaretten. "Ich habe es sogar mal mit grünem Tee in der Pfeife versucht", gesteht Philip Newmarch.

Die zuständige Ministerin Nkosazana Dlamini-Zuma hatte das Verbot damit begründet, dass Raucher gefährdeter für Komplikationen durch Covid-19 seien und das Gesundheitssystem strapazieren.

Schlagabtausch vor Gericht

Zwar hatte ein Gericht Anfang Juni befunden, der Tabakbann stünde rational nicht im Zusammenhang mit einer Begrenzung der Covid-19-Infektionen. Doch vergangenen Freitag gab ein Gericht in Pretoria der Ministerin Recht und wies eine Klage der Tabakproduzenten ab.

Der Tabakkonzern British American Tobacco South Africa (Batsa) warnt indes vor den ökonomischen Folgen und argumentiert, dass die Branche dem Fiskus 2019 rund 13 Milliarden Rand (670 Millionen Euro) an Steuern in die Staatskassen spülte.

Lisa Williams aus Pretoria, die seit 20 Jahren dem Tabakgenuss frönt, glaubt nicht an eine baldige Aufhebung. "Anfangs habe ich Vorräte für drei Wochen angelegt, dann war Schluss", sagt die 61-jährige Yoga-Lehrerin. Noch hat sie keine Entzugserscheinungen: Wie andere auch hat sie den Schwarzmarkt entdeckt. Dort ist starker Tabak dubioser Qualität zu haben, meint der Johannesburger Pocha Ngulube.

Auch Tshiloane bestätigt, dass Zigaretten problemlos zu haben seien. Die Preise sind aber hoch. Der Autor Max Du Preez rügt daher, der Bann habe die größte Verbrechenswelle in Südafrikas Geschichte ausgelöst, legt man die Zahl der individuellen Überschreitungen zugrunde. Millionen Bürger hätten erstmals Gesetze gebrochen.(dpa)