Donald Trump drängte darauf, die USA wieder "zu öffnen". Jede Beschränkung wegen des Coronavirus betrachtete der republikanische US-Präsident als persönlichen Affront, Gouverneure, die eigenhändig Beschränkungen einführten, wurden von ihm oft öffentlich getadelt. Das Kalkül: Eine USA im Lockdown ist eine USA, der es wirtschaftlich nicht gut geht. Das wirkt sich aber negativ auf die potenzielle Wiederwahl von Trump im November aus.

Im April überlegten die Behörden in New York, im Central Park temporäre Grabstätten zu errichten. Damals war der Big Apple das Epizentrum der Pandemie in den USA, der demokratische Gouverneur Andrew Cuomo sah sich gezwungen, ganz New York unter Quarantäne zu stellen. Erst diesen Montag feierte man in New York die erste 24 Stunden-Periode, die verstrichen ist, ohne einen Covid-19-Todesfall beklagen zu müssen.

Während man in New York die Lage im Griff zu haben scheint, wütet das Virus im Rest der USA wieder ungebremst. Zeitgleich zu dem New Yorker Erfolg vermeldeten die Behörden am Montag 61.492 neue Corona-Infektionen innerhalb von 24 Stunden - das ist der zweithöchste Tagesanstieg seit Beginn der Aufzeichnungen.

Die "Washington Post" hat den Anstieg per 100.000 Einwohner berechnet: In Florida zählt man so 52 neue Fälle pro Tag, in Arizona 48, in Lousiana 42, in South Carolina 34, Texas 33, Georgia 32, Alabama 30, Idaho 28, Tennessee 28, Nevada 27, Mississippi 26, Arkansas 23, Utah 21 und Kalifornien 21.

Kalifornien ist mit fast 40 Millionen Einwohnern mit Abstand der bevölkerungsreichste Bundesstaat in den USA - und dort scheint die Pandemie gerade einen weiteren Höhepunkt zu erreichen. Allein in der riesigen Metropolregion Los Angeles sind derzeit über 133.500 Infizierte gemeldet, im Bundesstaat insgesamt sind es bisher mehr als 320.000 Infektionen.

Kalifornien führt wieder Beschränkungen ein

Deswegen machte Kalifornien zu Wochenbeginn auch eine Kehrtwendung - und nahm die erst kürzlich beschlossenen Lockerungen wieder zurück beziehungsweise verschärfte die Auflagen sogar. Bars und Kinos müssen schließen, Restaurants dürfen in geschlossenen Räumen keine Gäste mehr bewirten, wie Gouverneur Gavin Newsom am Montag erklärte.

Zudem müssten in 30 Bezirken, darunter Los Angeles, auch Fitnessstudios, Kirchen und Einkaufszentren ihren Betrieb einstellen, sofern dieser in geschlossenen Räumen stattfinde, hieß es weiter.

Der riesige Schulbezirk Los Angeles kündigte an, dass die Schüler wegen der anhaltenden Corona-Pandemie in dem am 18. August beginnenden Schuljahr bis auf Weiteres nur online lernen können.

Gerade die Schulöffnungen sind einer Hauptdiskussionspunkte in den USA. Denn ohne offene Schulen müssen die Kinder betreut werden, was wiederum viele US-Amerikaner dazu zwingt, zuhause zu bleiben. Das würde wiederum der Konjunkturentwicklung nicht gut tun und Trumps Aussichten im November schmälern.(wak)