Zum heutigen Welttag gegen Menschenhandel haben Hilfsorganisationen auf die negativen Folgen der Covid-19-Pandemie auf das Problem des Menschenhandels hingewiesen. Arme Kinder und Jugendliche seien durch die Coronakrise in verstärkter Gefahr, Opfer des organisierten Menschenhandels zu werden, warnte das Hilfswerk "Jugend Eine Welt" in einer Aussendung.

Die UN-Organisation für Kinder UNICEF geht davon aus, dass jährlich mindestens 1,2 Millionen Kinder von dieser schweren Menschenrechtsverletzung betroffen sind. "Sie werden schon als Babys an gut zahlende Adoptiveltern verschachert, als Kinderbräute an viel ältere Männer verkauft, zum Betteln oder Stehlen gezwungen, als Arbeitssklaven, Prostituierte oder Kindersoldaten ausgebeutet", so "Jugend Eine Welt".

Europol: Sexuelle Ausbeutung

Alle Anzeichen würden dafürsprechen, dass die Anzahl der betroffenen Kinder im Zuge der Coronakrise massiv ansteigen könnte, insbesondere im Bereich der sexuellen Ausbeutung. Die NGO verweist auf einen Europol-Bericht, demzufolge die Nachfrage nach Material von sexuellem Kindesmissbrauch in der EU seit Beginn der Coronakrise um bis zu 30 Prozent angestiegen sei. "Denn Sexualstraftäter und -täterinnen nutzen im Internet so eine Situation gezielt aus, um mit Kindern online in Kontakt zu treten", so Winkler

In besonderer Gefahr seien auch Kinder, die vor zunehmender Gewalt in der eigenen Familie auf die Straße geflohen sind. Opfer, die sich bereits in der Gewalt von Menschenhändlern befinden, hätten aufgrund der Ausgangssperren noch weniger Chancen, ihren Peinigern zu entkommen bzw. Hilfe zu holen. Gleichzeitig fielen wichtige Schutzmechanismen aus: "In vielen Ländern bleiben Schulen, Jugendzentren, Notschlafstellen und Hilfseinrichtungen coronabedingt geschlossen, werden Geldmittel im Bereich des Opferschutzes gekürzt."

Die NGO fordert daher gemeinsam mit dem Dachverband 'Globale Verantwortung' dringend ein internationales COVID-19-Rettungspaket in Höhe von 100 Millionen Euro. "Österreich muss seiner internationalen Verantwortung nachkommen und mithelfen, noch Schlimmeres abzuwenden wie ein massives Ansteigen von Hunger, Migration und Menschenhandel", so "Jugend Eine Welt"-Geschäftsführer Reinhard Heiserer.

Mit Armut steigt Abhängigkeit

Auch die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision machte darauf aufmerksam, dass durch die Corona-Pandemie immer mehr Familien in extreme Armut abrutschen und leichte Beute auch für Menschenhändler werden, die besonders Mädchen oft in die Prostitution schicken. Weltweit die größte Zahl von sexuell missbrauchten Kindern gebe es in Indien. Viele Fälle würden jedoch nicht gemeldet und die Zahlen weiter in alarmierendem Ausmaß steigen, so die NGO am Donnerstag in einer Aussendung.

"Wir sind besorgt, dass Kriminelle die Notlagen von Familien ausnutzen, ihnen Kredite geben und sie so in Abhängigkeit zwingen," so Joseph Wesley verantwortlich für Projekte gegen Menschenhandel bei World Vision Indien. Die Lage der früher schon gering verdienenden Arbeiterinnen und Arbeiter im informellen Sektor sei wegen der COVID-19-Sperren unsicherer als je zuvor. "Viele können ihre Kinder kaum noch ernähren, und so sind diese extrem anfällig für alle Formen der Ausbeutung, einschließlich des Menschenhandels. Wir gehen davon aus, dass der Menschenhandel nach der Pandemie zu den größten Gefahren für die Schwächsten zählen wird." (apa)