In Wuhan werden wieder die Fahnen gehisst. Es ist tägliche Routine an öffentlichen chinesischen Schulen - nun auch an Volks- und Mittelschulen. Diese sind seit Dienstag wieder geöffnet: In der zentralchinesischen Metropole, die als Ausgangspunkt der Corona-Pandemie gilt, kehrten mehr als eine Million Kinder nach mehreren Monaten in ihre Klassenzimmer zurück. Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen: Auf dem Schulweg herrscht Maskenpflicht, und die Kinder sind angehalten, öffentliche Verkehrsmittel zu meiden. Die Schulen müssen den Gesundheitsbehörden täglich Bericht erstatten.

Der 1. September markiert den Schulbeginn in etlichen Ländern. Ob Israel oder Frankreich, Polen oder Slowenien - quer durch die Kontinente sind die Sommerferien vielerorts zu Ende. Und damit wächst die Sorge vor erneut steigenden Corona-Infektionszahlen.

Diese bereiten in manchen Staaten schon jetzt Kopfzerbrechen. In Israel beispielsweise hat die Zahl der Neuinfektionen einen neuen Höchstwert erreicht: Zu Wochenbeginn wurden dort 2159 neue Fälle registriert. Die Pandemie war in Israel auch wegen eines strikten Kurses der Regierung zunächst zwar glimpflich verlaufen, doch schnellten nach raschen Lockerungen im Mai die Fallzahlen in die Höhe. Dennoch wurden am Dienstag Schulen und Kindergärten wieder geöffnet, unter Beschränkungen.

Nur mit Abstand

Wie die Corona-bedingten Vorgaben aussehen sollen, hat in Frankreich wiederum heftige Debatten ausgelöst. Das Land wurde von der Pandemie hart getroffen; auch dort steigt die Zahl der Neuinfektionen seit einigen Wochen wieder an. In etlichen Städten gilt Maskenpflicht sogar im Freien. Dennoch haben nun alle Schulen ihre Pforten geöffnet. Es gebe keine Ausnahme, erklärte Bildungsminister Jean-Michel Blanquer.

Seinen Aussagen zu Folge solle der Unterricht "so normal wie möglich" ablaufen. Doch an die Maskenpflicht im Klassenzimmer müssen sich die Kinder wohl erst noch gewöhnen: Sie gilt für Lehrer wie für Schüler ab elf Jahren. Empfohlen wird ein Mindestabstand von einem Meter. Unklar ist aber zum Beispiel noch, wie viele Schüler infiziert sein müssen, bevor ganze Klassen geschlossen werden.

Diskussionen um die Hygiene- und Sicherheitsvorschriften gab es ebenfalls in Italien. Dort fängt der reguläre Unterricht zwar erst am 14. September an - wie übrigens in Griechenland, das den Start um eine Woche verschoben hatte. Doch sind die Schulen seit Dienstag für Vorbereitungsstunden zu den Nachprüfungen geöffnet. Beschlossen wurde, dass Kinder ab sechs Jahren keinen Mundschutz in der Klasse tragen müssen, wenn ein Meter Abstand zu anderen Schülern eingehalten werden kann. Kinder werden jedoch Masken beim Betreten und Verlassen des Gebäudes tragen müssen - und auch, wenn sie zur Toilette, in die Kantine, oder in den Turnsaal gehen. Die Schulen werden Lehrern Mundschutz und Desinfektionsgel zur Verfügung stellen.

Spanien, das Land mit den meisten Infektionen in Europa, ist da strenger. "Das Tragen von Masken wird generell ab dem sechsten Lebensjahr Pflicht sein, auch wenn die Abstandsregeln eingehalten werden", kündigte Bildungsministerin Isabel Celaa an. Die Kinder sollen auch 1,5 Meter Abstand voneinander halten und sich fünf Mal täglich die Hände zu waschen. Außerdem wird ihre Körpertemperatur gemessen.

Grenzen zu, Klassen offen

Auch Österreichs Nachbarn lassen Kinder wieder die Schulbank drücken. Ungarn hat zwar seine Grenzen geschlossen, aber die Klassenzimmer geöffnet. Gummihandschuhe, Masken und Desinfektionsmittel sollen in die Schultasche gepackt werden. In Slowenien ist Gesichtsschutz nicht in Klassen, aber für Lehrer und Schüler ab zwölf Jahren in anderen Gemeinschaftsräumen obligatorisch.

Ein anderes Nachbarland zu Österreich hat teilweise schon wochenlange Erfahrungen mit Unterricht gemacht. In einigen deutschen Bundesländern gehen Kinder bereits seit Mitte August in die Schulen - und nur vereinzelt mussten welche wieder kurzfristig geschlossen werden.

Strenge Auflagen gab es etwa in Nordrhein-Westfalen. Dort mussten ältere Schüler Masken im Klassenzimmer tragen. Dies wurde erst am Montag abgeschafft. Bayern, wo der Unterricht kommende Woche startet, scheint sich daran ein Beispiel zu nehmen. Auch dort soll, außer an Volksschulen, die Pflicht zum Tragen eines Mundschutzes gelten, zunächst für neun Schultage. (afp/reu/apa)