Der Vatikan hat am Sonntag die neue Sozial-Enzyklika von Papst Franziskus vorgestellt. Das katholische Kirchenoberhaupt hatte das Dokument mit dem Titel "Fratelli tutti" (Alle Brüder) am Samstag in der italienischen Pilgerstadt Assisi in Umbrien unterschrieben. Es ist das dritte derartige Lehrschreiben von Franziskus seit seinem Amtsantritt 2013.

Die neue Enzyklika beschäftigt sich mit der Gerechtigkeit in der Welt und dem Zusammenhalt der Menschen. So widmet Franziskus dem Thema Migration einen Teil des zweiten und das ganze vierte Kapitel. Dabei plädierte der Heilige Vater gegen eine "Kultur der Mauern". Migranten sollten von den Staaten aufgenommen, geschützt, gefördert und integriert werden, forderte der Papst.

Die richtige Balance finden

Dabei gelte es, in den Ankunftsländern die richtige Balance zwischen dem Schutz der Rechte der Bürger und einer Aufnahme und Hilfe für Migranten zu finden. Der Papst spricht sich in diesem Zusammenhang für eine vereinfachte Visa-Erteilung, das Öffnen humanitärer Korridore, ein Bereitstellen von Wohnraum, Sicherheit und Basis-Dienstleistungen, Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten, Familienzusammenführungen, Schutz von Minderjährigen und die Garantie der Religionsfreiheit aus.

Der Papst verurteilt den "ungesunden Populismus", der die "Kultur des Volkes" zu ideologischen Zwecken und zum Erhalt der eigenen Macht politisch instrumentalisiere. Oft nutze Populismus die egoistischen Tendenzen von Teilen der Bevölkerung aus. Mit dem Thema Populismus befasst sich der Papst im fünften Kapitel seiner am Sonntag präsentierten Enzyklika, das mit dem Titel "die beste Politik" erscheint.

Die "beste Politik" sei jene, die sich in den Dienst des gemeinsamen Wohls und des Volks stelle und dem Dialog offen sei. Die "beste Politik" schütze die Beschäftigung, die eine unverzichtbare Dimension des sozialen Lebens sei und bemühe sich, dass jeder Mensch seine Fähigkeiten entwickeln könne. Aufgabe der Politik sei die Suche nach Lösungen für all das, was die fundamentalen Rechte der Menschen beschneide, wie soziale Ausgrenzung, Waffen- und Drogenhandel, sexuelle Ausbeutung, Sklavenarbeit, Terrorismus und organisiertes Verbrechen.

Gegen die Todesstrafe

In seiner neuen Enzyklika spricht sich Franziskus zudem entschieden gegen die Todesstrafe aus. Diese sei nicht akzeptabel und sollte weltweit abgeschafft werden. "Nicht einmal der Mörder verliert seine persönliche Würde", schreibt der Papst.

Der Papst betont, dass die "Heiligkeit des menschlichen Lebens" immer zu berücksichtigen sei. Er plädierte unter anderem für Schutz von Ungeborenen, Armen, Behinderten und alten Menschen.

Im achten und letzten Kapitel mit dem Titel "Die Religionen im Dienst an der Geschwisterlichkeit in der Welt" bekräftigt der Papst, dass Terrorismus sich nicht auf Religion berufen dürfe, sondern in Wirklichkeit auf irrtümlichen Interpretationen religiöser Texte beruht und auch mit Hunger, Armut, Ungerechtigkeit und Unterdrückung zusammenhänge. Die Religionsfreiheit, die für alle Gläubigen fundamental ist, müsse respektiert werden.

Die Enzyklika geht auch auf die Rolle der Kirche ein. Ihre Mission sei nicht auf den privaten Bereich beschränkt. Auch wenn die Kirche nicht Politik betreibe, verzichte sie jedoch nicht auf die politische Dimension, auf die Aufmerksamkeit für das Gemeinwohl und auf die Sorge für eine integrale menschliche Entwicklung.