Nach Auseinandersetzungen bei Corona-Kontrollen in Jerusalem hat die israelische Polizei 18 Menschen festgenommen. Wie die Polizei am Montag mitteilte, wurden Beamte mit Steinen und anderen Gegenständen beworfen. Zwei Polizisten seien leicht verletzt und Fahrzeuge beschädigt worden. Schwerpunkt des Einsatzes war demnach das vornehmlich von Ultraorthodoxen bewohnte Viertel Mea Shearim.

Auseinandersetzungen bei der Durchsetzung von Corona-Maßnahmen hatte es am Sonntagabend auch in Bnei Brak nahe Tel Aviv gegeben. Auslöser war ein Versuch der Polizei, eine Versammlung in einer Synagoge mit Hunderten Ultraorthodoxen aufzulösen. Nach Angaben der Polizei wurden 17 Menschen festgenommen.

Ministerin brach vor Infektion Corona-Regeln

Israels Umweltschutzministerin Gila Gamliel hat einem Medienbericht zufolge vor ihrer Corona-Infektion gegen Lockdown-Vorschriften verstoßen. Wie die Zeitung "Haaretz" am Montag unter Berufung auf ungenannte Quellen berichtete, soll die Politikerin vor einer Woche am Feiertag Yom Kippur in einer Synagoge etwa 150 Kilometer von ihrem Tel Aviver Wohnort gewesen sein.

Während des derzeit geltenden Lockdowns darf jedoch nur in Synagogen gebetet werden, die im Umkreis von einem Kilometer des Zuhauses liegen. Gamliel soll dem Bericht zufolge vor Behördenmitarbeitern versucht haben, den Synagogenbesuch zu verheimlichen.

Wie "Haaretz" berichtete, äußerte sich die Ministerin vorerst nicht zu dem Bericht. Aus ihrem Büro hieß es demnach, der Bericht sei ein erneuter Versuch, Likud-Mitglieder durch Lügen zu schädigen. Ein Sprecher Gamliels antwortete zunächst nicht auf eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Gamliel hatte ihre Infektion in der Nacht auf Sonntag publik gemacht. Sie gehört der Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu an.

Strengste Regeln

Israel mit seinen rund neun Millionen Einwohnern steckt inmitten einer zweiten Corona-Welle. Nach einer massiven Zunahme der Fallzahlen gilt ein landesweiter Lockdown mit strengen Regeln wie Versammlungsbeschränkungen. Innerhalb der strengreligiösen Gemeinschaft wurden zuletzt viele Neuinfektionen verzeichnet.

In ultraorthodoxen jüdischen Wohnvierteln leben häufig größere Familien auf engem Raum zusammen. Viele strengreligiöse Juden fühlten sich zudem schon vor Beginn der Krise nicht vom Staat Israel vertreten. Sie leben teilweise in einer Art Parallelwelt und folgen eher den Vorgaben ihrer eigenen Führung als denen des Staates.

Nach Daten des Gesundheitsministeriums vom Montag wurden binnen 24 Stunden 2.905 Neuinfektionen verzeichnet. Es wurden am Sonntag vergleichsweise wenig Tests gemacht. (apa, dpa)