Das Coronavirus breitet sich weltweit in Rekordtempo aus. Neue Höchstzahlen an Neuinfektionen werden so etwa aus Deutschland und Tschechien vermeldet.

Das Robert-Koch-Institut als zuständige Seuchenbehörde meldete am Freitag erstmals mehr als 18.000 Neuinfektionen an einem Tag. Die Gesundheitsämter meldeten laut RKI 18.681 nachgewiesene Ansteckungsfälle binnen 24 Stunden. Am Donnerstag waren es noch 16.774.

Seit Ausbruch der Seuche wurden damit insgesamt 499.694 Infektionen registriert. Die Zahl der Menschen, die mit oder an dem Virus starben, stieg um 77 auf insgesamt 10.349. Im Kampf gegen die Infektionswelle wird im November das öffentliche Leben in Deutschland drastisch eingeschränkt. Darauf hatten sich am Mittwoch Bund und Länder geeinigt.

Mehr als 13.000 Neuinfektionen in Tschechien

Die tschechischen Behörden melden 13.051 Neuinfektionen innerhalb eines Tages. Das Land mit seinen rund 10,7 Millionen Einwohnern verzeichnet damit inzwischen insgesamt über 310.000 nachgewiesene Ansteckungsfälle. Tschechien kämpft mit einer der am schnellsten steigenden Infektionsraten in Europa. Zuletzt starben 187 weitere Menschen in Zusammenhang mit dem Coronavirus. Insgesamt sind es damit 2.862 Todesfälle.

Weltweit haben sich mehr als 44,88 Millionen Menschen nachweislich mit dem Coronavirus angesteckt. Das ergibt eine Reuters-Erhebung auf Basis offizieller Daten. Fast 1,18 Millionen Menschen starben mit oder an dem Virus. Die meisten Infektionen weltweit verzeichnen die USA, gefolgt von Indien, Brasilien, Russland, Frankreich und Spanien.

Einreisebestimmungen für Tschechien verschärft

Nach der Verschärfung der Reisewarnungen hat das Gesundheitsministerium auch die Einreisebestimmungen angepasst. Bei der Einreise aus Tschechien sowie Regionen in Belgien und Großbritannien muss ab Samstag ein ärztliches Gesundheitszeugnis mit einem negativen Coronatest vorgelegt werden, ansonsten ist eine zehntägige Quarantäne verpflichtend.

Die geänderte Einreiseverordnung gilt ab Samstag, 31. Oktober 0.00 Uhr. Ab diesem Zeitpunkt wird die Test- bzw. Quarantänepflicht für die Region Prag auf die gesamte Tschechische Republik ausgedehnt. Zudem wurden die belgischen Regionen Brüssel und Wallonien und die britischen Regionen North East, East Midlands und Yorkshire and The Humber als Risikogebiet definiert. Einreisende, die in den vergangenen zehn Tagen in einem dieser Gebiete waren, müssen einen negativen molekularbiologischen Covid-19-Test vorlegen oder unverzüglich eine zehntägige Quarantäne antreten. In der Quarantäne müssen Personen, die aus Risikogebieten kommen, binnen 48 Stunden einen Coronatest veranlassen. Ein negatives Testergebnis beendet die Quarantäne.

Schweizer Regierung mit Verschärfungs-Appell an Kantone

Die Schweizer Regierung (Bundesrat) erwartet laut Gesundheitsminister Alain Berset von den Kantonen, dass sie je nach Situation die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus auf ihrem Gebiet weiter verschärfen. Es sei wichtig, regional differenzierter zu handeln als im März. Die Unterschiede zwischen den Kantonen seien markant, sagte Berset in einem Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung".

So habe beispielsweise das Wallis eine mehr als fünf Mal höhere 14-Tages-Inzidenz bei den neuen Fällen als Solothurn. Das zeige sich bei der Situation in den Spitälern, die im Wallis viel angespannter sei als in Solothurn.

Berset verneinte die Frage, ob die Schweiz die Kontrolle über die Pandemie verloren habe. Die Situation sei aber sicher viel schlechter als vor einem Monat. Gleichzeitig hätten die Kantone die Kapazitäten beim Contact Tracing stark erhöht.

Den Vorwurf, der Bundesrat habe zu spät reagiert, weist Berset zurück. "Wir haben reagiert und sind der Planung gefolgt, die wir mit den Kantonen im Sommer vorbereitet haben. Als die Kurve zu steigen begann, haben wir sofort zusätzliche Massnahmen in die Wege geleitet. Ich habe verschiedentlich die Kantone kontaktiert und sie aufgefordert, zu handeln", sagte der Minister weiter.

Bereits im August und September hätten sich die Fälle verdoppelt, allerdings sehr langsam über einen Zeitraum von einem Monat. Im Oktober habe sich die Zeit dann sehr rasch und für alle überraschend auf eine Woche reduziert. Die Task Force Wissenschaft habe ihm diesen raschen Anstieg am 16. Oktober gemeldet. Bereits zwei Tage später habe der Bundesrat Verschärfungen beschlossen.

Mehr als 91.000 neue Corona-Fälle in USA

Die USA haben am Donnerstag so viele neue Corona-Infektionen registriert wie noch nie. Es seien mehr als 91.000 Fälle hinzugekommen, ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur Reuters. Der bisherige Tagesrekord wurde am 23. Oktober mit 84.169 Fällen gemeldet. Weltweit hält Indien mit 97.894 Infektionen den Höchstwert für registrierte Neuinfektionen an einem einzelnen Tag.

Neben den Neuinfektionen nehmen auch die Todesfälle und Krankenhausaufenthalte zu. Zum dritten Mal im Oktober starben am Donnerstag binnen 24 Stunden mehr als 1000 Menschen mit dem Virus. Damit erhöhte sich die Gesamtzahl der Todesopfer in den USA auf 229.000.

Zu den aktuell am härtesten betroffenen US-Bundesstaaten gehören die im Präsidentschaftswahlkampf heiß umkämpften Ohio, Michigan, North Carolina, Pennsylvania und Wisconsin. Hier könnte sich entscheiden, ob der republikanische Präsident Donald Trump eine zweite Amtszeit erhält oder der demokratische Herausforderer Joe Biden sein Nachfolger wird. Die Wahl findet am 3. November statt.

Auch in Indien wurde ein neuer Negativrekord erzielt. Die Behörden meldeten 48.648 Neuinfektionen. (apa/reuters)