Ein Gericht in Indien hat eine 22-jährige Klimaaktivistin auf Kaution freigelassen. Die Studentin Disha Ravi war vor mehr als einer Woche festgenommen worden, nachdem sie Kampagnenmaterial zu den großen Bauernprotesten mit Klimaaktivistin Greta Thunberg geteilt haben soll. Die Polizei sagte, das Kampagnenmaterial sei Teil einer Verschwörung von Sikh-Separatisten und Ravi eine der Hauptverschwörerinnen.

Sie soll demnach mit den Separatisten zusammengearbeitet haben, um Unzufriedenheit gegenüber dem indischen Staat zu verbreiten. Ravi wies den Vorwurf der Verschwörung und Volksverhetzung zurück. Sie habe lediglich zwei Zeilen des Materials bearbeitet, sagte sie laut dem Fernsehsender NDTV.

Das Gericht befand am Dienstag, dass die Beweise gegen sie dürftig und unzureichend seien, wie das Portal "LiveLaw" berichtete. Die Kaution betrage zweimal umgerechnet 1.135 Euro (100.000 Rupien). Greta Thunberg hatte das Kampagnenmaterial auf Twitter verbreitet und außerdem diesen Monat dort betont: "Wir stehen in Solidarität mit dem #Bauernprotest in Indien."


Seit November kampieren Zehntausende Bauern rund um die Hauptstadt und fordern meist friedlich, kontroverse Marktliberalisierungsgesetze aufzuheben. Ende Jänner kam es jedoch zu Gewalt zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Mindestens ein Bauer starb und 400 Polizisten wurden nach Polizeiangaben verletzt. Die Proteste sind eine der größten Herausforderungen der Regierung von Premierminister Narendra Modi.

Keine Straftat

Die Gesetze sollen es Firmen einfacher machen, direkt von Bauern zu kaufen. Bisher wurde in Indien Getreide meist in staatlich organisierten Großmärkten mit Mittelmännern zu garantierten Mindestpreisen gehandelt. Die Regierung argumentiert, dass die Erzeuger auf dem freien Markt höhere Gewinne erzielen könnten und die Reform die Landwirtschaft modernisiere. Die Bauern hingegen befürchten einen Preisverfall. Die Landwirtschaft ist Lebensgrundlage für rund 60 Prozent der 1,3 Milliarden Einwohner des Landes.

Die Festnahme der Fridays-for-Future-Aktivistin hatten mehrere Aktivisten und Oppositionspolitiker kritisiert. Auch der Regierungschef der Hauptstadt Delhi, Arvind Kejriwal, schrieb auf Twitter, dass sie ein noch nie da gewesener Angriff auf die Demokratie sei: "Unsere Bauern zu unterstützen ist keine Straftat." (apa, dpa)