Nach dem Nein der vatikanischen Glaubenskongregation zur Segnung homosexueller Partnerschaften gibt es Kritik daran in Österreich, Italien und anderen Ländern Europas. "Diese unsägliche Entscheidung verdeutlicht einmal mehr, dass der Versuch Roms nicht gelingen kann, von oben her weltweit Glaubens-und Sittenregeln zu verordnen, ohne einen Dialog mit den Kirchen vor Ort zu führen", erklärte die internationale Kirchenreformbewegung Wir sind Kirche am Dienstag.

Mit dieser Entscheidung trage der Vatikan dazu bei, "dass die in vielen Ländern nach wie vor bestehende Diskriminierung homosexueller Menschen bis hin zur Gefängnis- und Todesstrafe als gottgegeben angesehen werden kann. Vor dem Hintergrund der Verfolgung Homosexueller reicht es nicht aus und ist gar zynisch, die christlichen Gemeinde dazu aufzurufen, Menschen mit homosexuellen Neigungen - die nach kirchlicher Lehre nicht gelebt werden dürfen - zu respektieren", teilte Wir sind Kirche Österreich in einer Aussendung mit. Diese Entscheidung zeigt zudem einmal mehr, "wie sehr die römisch-katholische Sexualmoral den Anschluss zu den Humanwissenschaften verloren hat".


In Italien meldete sich die Schwulenpartei Partito Gay zu Wort. "Die Stellungnahme des Vatikan ist ein Schlag für all jene Gläubigen, die noch auf die Unterstützung des Papstes gehofft hatten", sagte Fabrizio Marrazzo, der Sprecher der Partei. Wichtig sei, dass sich römisch-katholische Parteien in Italien nicht vom Vatikan beeinflussen lassen.

Der Einfluss der Kirche in Italien sei der Grund, weshalb im Land die Ehe unter Homosexuellen nicht anerkannt werde, meinte Marrazzo. Italien war zuletzt das einzige Land in Westeuropa, in dem gleichgeschlechtliche Partnerschaften rechtlich nicht anerkannt waren. Ein Gesetz zur Legalisierung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften wurde 2016 verabschiedet. Das Adoptionsrecht für Homosexuelle war auf Druck katholischer Parteien und Organisationen aus dem Gesetz ausgeklammert worden.

Respekt, aber keine Segnung

Die katholische Kirche sieht sich nicht befugt, homosexuelle Partnerschaften zu segnen. Dies hat am Montag die vatikanische Glaubenskongregation klargestellt - und für große Aufregung in der Kirche gesorgt. In dem sogenannten Responsum ad dubium (Antwort auf einen Zweifel) heißt es, Segnungen menschlicher Beziehungen seien nur möglich, wenn damit den Plänen Gottes gedient sei. Unzulässig sei jede Segnungsform, die homosexuelle Partnerschaften anerkenne. Die christliche Gemeinschaft sei aber aufgerufen, Menschen mit homosexuellen Neigungen zu respektieren. (apa)