Die US-Gesundheitsbehörden raten nach mehreren Fällen seltener Thrombosen zu einer sofortigen Aussetzung von Corona-Impfungen mit dem Mittel von Johnson & Johnson (J&J). Die Arzneimittelbehörde FDA und das Seuchenzentrum CDC verwiesen am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung auf das Auftreten einer seltenen Thromboseart in sechs Fällen. Der Impfstoff sei in den USA bislang mehr als 6,8 Millionen Mal verabreicht worden. J&J erklärte in einer ersten Stellungnahme, die Fälle seien bekannt. Ein klarer kausaler Zusammenhang sei bislang nicht nachgewiesen worden.

Johnson & Johnson wird die Auslieferung seines Impfstoffs nach Europa verschieben, wie am Dienstag bekannt wurde.

"Wir haben die Entscheidung getroffen, die Markteinführung unseres Impfstoffs in Europa aufzuschieben", erklärte der Konzern.

Die J&J-Aktie gab im vorbörslichen Handel mehr als zwei Prozent nach. Das CDC plant für Mittwoch eine Sitzung eines Beratungsgremiums, um die Fälle zu überprüfen. Nach einem Bericht der "New York Times" handelt es sich bei den sechs Fällen um Frauen im Alter zwischen 18 und 48 Jahren. Eine davon sei gestorben, eine weitere Frau in Nebraska befinde sich im Krankenhaus in einem kritischen Zustand. Am Freitag hatte die Europäische Arzneimittelbehörde EMA erklärt, mehrere Fälle von Blutgerinnseln nach der Impfung mit dem J&J-Mittel zu prüfen.

 

Große Hoffnungen in J&J

Das J&J-Vakzin muss nur einmal gespritzt werden, statt wie die übrigen drei zugelassenen Corona-Impfstoffe zweimal. Deshalb setzen viele Staaten große Hoffnungen darauf, dass die Impfkampagne damit beschleunigt wird. In Österreich sind am Dienstag die ersten Dosen von Johnson & Johnson eingetroffen. Insgesamt wurden 16.800 Dosen geliefert, bestellt wurden 2,5 Millionen Dosen. Der von der Unternehmenstochter Janssen in den Niederlanden entwickelte Impfstoff ist der vierte, der in der EU zugelassen wurde. (apa, reuters)