In einem Straßenbahn-Depot der kalifornischen Großstadt San José hat ein Mitarbeiter mindestens acht Menschen erschossen. Der Mann eröffnete am Mittwochmorgen das Feuer auf dem Gelände der Nahverkehrsgesellschaft Valley Transportation Authority (VTA), wie die Polizei mitteilte. Mehrere Menschen erlitten schwere Verletzungen. Der Angreifer starb. Unklar war zunächst, ob er von der Polizei erschossen wurde oder sich womöglich selbst das Leben nahm.

"Ich kann bestätigen, dass es im Moment acht Opfer gibt, die für tot erklärt wurden", sagte Polizeisprecher Russell Davis vor Journalisten. "Und es gibt einen Verdächtigen, der für tot erklärt wurde." Die Zahl der Toten könne aber noch steigen, warnte Davis. Behördenvertretern zufolge fielen die Schüsse bei einem Gewerkschaftstreffen. Zu dem Zeitpunkt hielten sich rund 80 Mitarbeiter auf dem Gelände auf.

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Der mutmaßliche Täter habe ersten Ermittlungen zufolge Suizid begangen, teilte Polizeisprecher Russell Davis am Mittwochnachmittag mit. Bei der Bluttat am frühen Morgen sei zudem eine Person verletzt und in "kritischem Zustand" in ein Krankenhaus gebracht worden. Über das Motiv des Todesschützen konnten die Ermittler nichts sagen.

Stunden nach dem Vorfall dauerte die Spurensicherung am Tatort an. Spürhunde hätten Hinweise auf Sprengsätze gefunden, hieß es. Zudem soll es am frühen Morgen ein Feuer in dem Wohnhaus des Tatverdächtigen gegeben haben. Auch dort waren zahlreiche Ermittler im Einsatz.

Mehreren Medienberichten zufolge handelt es sich bei dem Schützen um einen 57-jährigen Mann, der von Nachbarn als Eigenbrötler beschrieben wurde. Er soll Waffen und Munition besessen haben. Die Ex-Ehefrau des Tatverdächtigen sagte dem "San Francisco Chronicle", dass der Mann kaum Freunde hatte und leicht wütend wurde.

Der Vorfall hat den politischen Streit um Waffenrechte neu entfacht. "Dies passiert wieder und wieder", sagte der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom mit Blick auf die häufigen Fälle von Waffengewalt in den USA. Es müsse sich dringend etwas ändern.

US-Präsident Joe Biden sprach laut Mitteilung des Weißen Hauses von einer "schrecklichen Tragödie". Viele Angehörige seien betroffen und würden um die Opfer trauern. Er habe die "traurige Pflicht", einmal mehr die Anordnung zu geben, Flaggen auf halbmast zu setzen.

Biden erinnerte an mehrere Schießereien in den vergangenen Wochen und Monaten in verschiedenen US-Bundesstaaten. "Es reicht", heißt es in der Mitteilung. Er würde abermals den Kongress zu sofortigen Maßnahmen drängen, um "die Epidemie von Waffengewalt" in den USA zu beenden.

Als Kalifornierin sei sie persönlich tief erschüttert, sagte Nancy Pelosi, die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses. "Die Waffengewalts-Krise bringt Familien und Gemeinden im ganzen Land unfassbaren Kummer und Schmerz", sagte die Top-Demokratin im US-Kongress laut einer Mitteilung. 40 000 Amerikaner würden im Jahr durch Waffen ums Leben kommen. "Untätigkeit ist keine Option", sagte Pelosi.

In den USA sind Schusswaffen weit verbreitet, die Regeln im Vergleich zu anderen Ländern sind vielerorts sehr lax. Die Gesundheitsbehörde CDC verzeichnete allein 2019 insgesamt 39 707 Schusswaffen-Tote - also fast 110 pro Tag. Bei rund 60 Prozent der Fälle handelte es sich um Selbsttötungen. (apa)