Der Vatikan hat das kirchliche Strafgesetzbuch reformiert. Es ist die erste Generalüberholung von Buch VI im Codex des katholischen Kirchenrechts (CIC). Zwei Drittel des Buches wurden geändert. Zu den Neuigkeiten zählt, dass dem kanonischen Recht eine entsprechende Regelung betreffend sexuelle Missbrauchsverbrechen an Minderjährigen durch Geistliche hinzu gefügt wurde, wie der Vatikan am Dienstag bekannt gab.

Der bisherige Kodex des Kirchenrechts sieht die Bestrafung von sexuellem Missbrauch von Minderjährigen durch Kleriker unter der einfachen Überschrift des Verstoßes gegen das sechste Gebot der Bibel ("Du sollst nicht ehebrechen") vor. Diese Formulierung, die sich auf die Nichteinhaltung des Zölibats bezieht, wurde angesichts der Vielzahl der Pädophilie-Skandale in der katholischen Kirche als veraltet und unklar in Bezug auf das Zivilrecht angesehen. Die Ergänzung war seit langem von Pädophilie-Opfern gefordert worden.

Buch VI des Codex des Kanonischen Rechts im Wortlaut https://t.co/HxDdp1UT6d

Konkrete Straftaten

Der Teil des Strafgesetzbuches, in dem es um konkrete Straftaten geht, wurde neu geordnet. So wurden die Straftaten besser gruppiert. Darin finden sich Delikte des Missbrauchs Minderjähriger oder Vergehen, die mit Pornografie und mit Internet-Pornografie zu tun haben.

An der Reform wurde seit fast zwölf Jahren gearbeitet. Dabei mussten vor allem neue spezielle kirchliche Gesetze und Vorschriften wie auch Rechenschaftspflichten von Oberen berücksichtigt werden. Es ist die erste größere Reform des Kirchengesetzbuchs aus dem Jahr 1983. Der erste Anstoß zur Reform kam 2007 unter Papst Benedikt XVI. Im März 2009 gab es die erste Sitzung der Expertenkommission, die sich mit der Erarbeitung des Textes für den Papst befasst hat. (apa)