Mit weltweit abgestimmten Aktionen in 16 Ländern ist den Behörden nach jahrelangen Ermittlungen ein schwerer Schlag gegen das organisierte Verbrechen gelungen. Bei Razzien in mehr als 700 Wohnungen wurden in den vergangenen Tagen mehr als 800 Verdächtige festgenommen und über 48 Millionen Dollar an Bargeld und Kryptowährungen beschlagnahmt, wie Europol am Dienstag mitteilte. Zudem stellten die Einsatzkräfte acht Tonnen Kokain, 22 Tonnen Cannabis, zwei Tonnen synthetische Drogen sowie Schusswaffen und 55 Luxusfahrzeuge sicher.

"Diese Operation ist ein außergewöhnlicher Erfolg der Behörden in den Vereinigten Staaten, Schweden, den Niederlanden, Australien, Neuseeland und den anderen europäischen Mitgliedern der Task Force", sagte Jean-Philippe Lecouffe von der europäischen Polizeibehörde Europol auf einer Pressekonferenz in Den Haag. Sie sei unter dem Decknamen "OTF Greenlight/Trojan Shield" eine der größten und ausgeklügelsten Aktionen gegen Kryptonetzwerke gewesen.

21 Mordpläne verhindert

Dabei nutzten die Ermittler Erkenntnisse, die sie aus einem von den Kriminellen genutzten Kommunikationsnetzwerk erhielten - den Europol-Angaben zufolge entschlüsselten sie insgesamt 27 Millionen Nachrichten von 12.000 Geräten und überwachten so die Aktivitäten von mehr als 300 organisierten kriminellen Gruppen. Dabei hatten Ermittler des FBI und von australischen Behörden die genutzten Kryptohandys im Jahr 2018 selbst entwickelt, mit einer verschlüsselten Kommunikationsapp namens An0m ausgestattet und mithilfe eines Informanten in kriminellen Kreisen verkauft, wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht. Das An0m-Handy verbreitete sich in dem Milieu und die Ermittler lasen mit.

So hätten die Behörden einen Einblick in die kriminellen Machenschaften erhalten, erläuterte Reece Kershaw von der Australischen Bundespolizei. "Wir waren in den Hintertaschen der organisierten Kriminalität", sagte er. "Alles, worüber sie reden, sind Drogen, Gewalt, Anschläge aufeinander oder unschuldige Menschen, die sie ermorden wollen." Die Ermittler hätten Fotos von "hunderten von Tonnen Kokain verborgen in Obstkisten" gesehen, sagte Calvin Shivers vom FBI in Den Haag. Den australischen Behörden zufolge wurden 21 Mordpläne verhindert, darunter auch ein geplantes Attentat auf mehrere Menschen.

Österreichische Beteiligung

Zu den beteiligten Ländern gehörten neben den USA, Deutschland, Australien, Schweden und den Niederlanden auch Österreich, Dänemark, Estland, Litauen, Norwegen, Schottland und Großbritannien. In Europa verkündete Europol unter anderem die Festnahme von 70 Personen in Schweden und 49 Verdächtigen in den Niederlanden. In Australien wurden den Angaben der dortigen Behörden zufolge 224 Personen festgenommen, darunter Mitglieder krimineller Motorradgangs, in Neuseeland 35. Auch in Österreich ist es zu Festnahmen gekommen. Details dazu wollten die heimischen Behörden aber erst zu einem späteren Zeitpunkt kommunizieren.

Drogenring in Salzburg gesprengt

Ein anderer spektakulärer Schlag gegen die Drogenkriminalität wurde allerdings schon am Dienstag publik. So hat die Salzburger Polizei einer internationalen Bande das Handwerk gelegt, die in den vergangenen Jahren 25 bis 30 Tonnen Captagon-Tabletten nach Saudi-Arabien verfrachtet haben soll. Hochrechnungen der Staatsanwaltschaft Salzburg hätten einen Wert der Drogen von rund 150 Millionen Euro ergeben, sagte der Leiter des Landeskriminalamtes Salzburg, Christian Voggenberger. 15 Verdächtige wurden festgenommen.

Drei Jahre lang hatten die Salzburger Kriminalisten in Zusammenarbeit mit Kollegen aus etlichen Ländern den Drogenring beobachtet, überwacht und abgehört, am 22. März 2021 wurden dann 13 Verdächtige in Österreich und zwei weitere in Deutschland festgenommen. Österreich spielte im Handel allerdings nur eine Rolle als Zwischenstation und Verteilzentrum. Denn das im Libanon hergestellte Captagon war eigentlich für Saudi-Arabien bestimmt. Der Umweg über Europa wurde nur deswegen gemacht, weil Importe aus der EU in Saudi-Arabien deutlich weniger kontrolliert werden.

Drehscheibe für die Verteilung ist nach Ansicht der Ermittler eine Pizzeria im Flachgauer Bürmoos gewesen. Von dort aus sollen die Drogen in mehrere Lager gebracht worden sein, wo sie schließlich in Industrie-Pizzaöfen, Waschmaschinen und anderen Elektrogeräten versteckt und nach nach Saudi-Arabien verfrachtet wurden. (reuters, apa)