Die Delta-Variante des Coronavirus treibt die Zahl der Neuinfektionen in Großbritannien in die Höhe. Am Mittwoch meldeten die Behörden 9.055 neue Fälle - das waren rund 1.380 mehr als am Vortag und der höchste Tageswert seit Februar. Die Sieben-Tage-Inzidenz, die noch Anfang Mai unter 20 lag, stieg mittlerweile wieder auf deutlich mehr als 70 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen.

Wie schnell sich das Virus derzeit ausbreitet, zeigt die Gesamtzahl der Neuinfektionen der vergangenen sieben Tage: 55 216 Fälle zwischen dem 10. und 16. Juni bedeuten ein Plus von fast einem Drittel im Vergleich zur Vorwoche. Experten gehen zudem von einer Dunkelziffer in etwa der gleichen Höhe aus. Die Zahl der Krankenhauseinweisungen nahm im Wochenvergleich um 40 Prozent zu.

Wegen der Ausbreitung der zuerst in Indien entdeckten Delta-Variante hat Premierminister Boris Johnson die für den 21. Juni geplante Aufhebung aller Corona-Maßnahmen in England um vier Wochen verschoben. Die Regierung mahnt die Bevölkerung zur Vorsicht, will die bisher gelockerten Regeln aber nicht zurücknehmen und nun spätestens am 19. Juli alle Restriktionen beenden. Bis dahin soll das Impfprogramm noch einmal Fahrt aufnehmen. Bisher wurden 57,8 Prozent der Erwachsenen die für den vollen Schutz notwendigen zwei Impfdosen verabreicht.

Impfpflicht in Moskau

Von steigenden Corona-Infektionszahlen ist auch Russlands Hauptstadt Moskau betroffen. Dort wird es nun für eine Reihe von Unternehmen zur Pflicht, mindestens 60 Prozent ihrer Mitarbeiter impfen zu lassen. Unter anderem im Handel, in der Gastronomie sowie im Bildungs-, Kultur-und Sportbereich soll diese Impfquote bis Mitte August erfüllt sein, wie aus einer Anordnung der obersten Amtsärztin Moskaus, Jelena Andrejewa, hervorgeht. Die neue Regelung gilt auch für staatliche und kommunale Einrichtungen.

Insgesamt seien mehr als zwei Millionen Moskauer betroffen, sagte Vize-Bürgermeisterin Anastassija Rakowa. Auch rund ein halbes Jahr nach dem Start der Massenimpfungen zögern viele Menschen weiterhin, sich mit einem der russischen Präparate immunisieren zu lassen. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin zufolge sind bisher erst 1,8 Millionen Menschen in seiner Stadt gegen Corona geimpft - das entspricht etwa 15 Prozent der Bevölkerung in der Metropole mit zwölf Millionen Einwohnern. Russlandweite Pflichtimpfungen seien nicht geplant, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Staatsagentur Ria Nowosti zufolge.

Ab Mitte Juli solle überprüft werden, ob Arbeitgeber die nun eingeführte Impfquote umsetzten, meldete die Agentur Interfax unter Berufung auf die zuständige Kontrollbehörde. Bei Nicht-Erfüllung drohen den Unternehmen demnach Strafen in Höhe von bis zu einer Million Rubel (rund 11 500 Euro).

Die Zahl der Neuinfektionen war in Moskau zuletzt massiv angestiegen. Am Mittwoch registrierten die Behörden mehr als 5.700 neue Fälle binnen 24 Stunden. Bürgermeister Sobjanin nannte die Entwicklung "dramatisch". Als Reaktion hatte er bereits arbeitsfreie Tage bis zum kommenden Sonntag angeordnet. Im selben Zeitraum bleiben auch öffentliche Spielplätze geschlossen sowie zwischen 23.00 Uhr und 6.00 Uhr auch Restaurants und Clubs. (apa/dpa)