Bei einem Brand in der Corona-Station eines irakischen Krankenhauses sind Dutzende Menschen ums Leben gekommen, darunter offenbar erneut auch Covid-Patienten. Mindestens 83 Menschen starben bei dem nächtlichen Brand, wie Ammar Baschar, Sprecher der lokalen Gesundheitsbehörde, am Dienstag mitteilte. Viele Menschen suchten laut Augenzeugen noch nach Angehörigen. Medizinische Kreise berichten zudem von rund 100 Verletzten.

Am späten Montagabend soll das Feuer in einer Isolationsstation für Covid-19-Patienten im Krankenhaus Imam al-Hussein in Nassirija im Südirak ausgebrochen sein – gefolgt von meterhohen Flammen und dichten Rauchwolken. Baschar zufolge befanden sich zum Zeitpunkt des Feuers 63 Covid-Patienten auf der Station. Zahlreiche Patienten seien von den Flammen eingeschlossen worden. Die Rettungskräfte hätten nur schwer zu ihnen vordringen können, berichteten Mitarbeiter der Klinik.

Ähnliches Szenario wie in Bagdad im April

Eine offizielle Erklärung über die Ursache des Feuers gab es zunächst nicht. Augenzeugen berichteten der Deutschen Presse-Agentur, dass eine Sauerstoffflasche explodiert sei. Dies war Berichten zufolge auch Auslöser für einen ähnlich verheerenden Brand in einem Krankenhaus in Bagdad im April, bei dem 82 Menschen ums Leben kamen. Dort hatten sich die Flammen seinerzeit auf 16 Räume ausgebreitet und wüteten auch dort, wo schwerkranke Corona-Patienten untergebracht waren.

Irakisches Gesundheitssystem leidet schon jahrzehntelang

Für staatliche Infrastruktur im Irak - darunter auch Krankenhäuser - fehlt es nach jahrzehntelangen Konflikten an Geld. Die oft ausufernde Korruption und Verwahrlosung gelten auch im Gesundheitssystem als Problem. Vorschriften etwa zur Arbeitssicherheit werden häufig nur unzureichend umgesetzt. Beide Krankenhausbrände seien Ergebnis "anhaltender Korruption und Misswirtschaft", schrieb der irakische Präsident Barham Salih am späten Montagabend auf Twitter.

Die beiden Tragödien sind ein Rückschlag im Kampf des Landes gegen die Pandemie, bei dem die Mittel ohnehin knapp sind. Bisher wurden im Irak 1,4 Millionen Corona-Infektionen und 17.500 Todesfälle gemeldet. Die Impfungen kommen nur langsam voran: Der Statistik-Website Our World in Data zufolge haben weniger als zwei Prozent der Bevölkerung mindestens eine Impfdosis erhalten.

Katastrophe als Folge jahrelanger Nachlässigkeit

Ministerpräsident Mustafa al-Kasimi hielt eine Dringlichkeitssitzung mit mehreren Ministern und Sicherheitsbeamten ab, um die Ursachen für den Brand zu untersuchen. Am Dienstag traf dafür auch eine Delegation aus Ministern und Beamten in Nassirija ein. Die Leiter von Gesundheitsbehörde, Krankenhaus und dem Zivilschutz in der Provinz Dhi Kar wurden von ihrem Dienst suspendiert. Al-Kasimi wies Provinzen in der Region auch an, medizinische Hilfe nach Dhi Kar zu schicken. (apa/dpa)