Als der Regen in Zhengzhou immer stärker wurde, stellten auch immer mehr der mit Strom betriebenen Busse ihren Betrieb ein. Als Ausweg sahen viele Bewohner der chinesischen Zwölf-Millionen-Einwohner-Metropole die vermeintlich sichere lokale U-Bahn. Doch als das Wasser höher und höher stieg und innerhalb von Minuten die Metrotunnel flutete, wurde die U-Bahn zur nassen Falle und kostete zwölf Menschen das Leben. Die Videos aus den Zügen gingen um die Welt: Menschen, denen das Wasser bis zur Brust steht, rufen ihre Liebsten an, ringen um Sauerstoff und warten hilflos auf Rettung. "Ich hatte wirklich Angst, aber das Schrecklichste war nicht das Wasser, sondern die schwindende Luftzufuhr", berichtete ein Überlebender.

Bilder wie diese könnten sich allerdings häufen. Denn Klimaexperten gehen davon, dass mit steigender Durchschnittstemperatur auf der Erde auch die Häufigkeit und wohl auch die Intensität von Starkregenereignissen zunehmen werden. Und U-Bahnen sind ob ihrer Bauweise besonders anfällig für Hochwasser, da sie größtenteils in Tunneln unter der Erde fahren. Außerdem stammen die meisten Systeme aus dem letzten Jahrhundert und lassen sich nicht so leicht - und vor allem nicht kostengünstig - an die neuen Gegebenheiten anpassen. U-Bahnen so nachzurüsten, dass sie sicher gegen Überflutungen sind, sei "ein enormes Unterfangen", sagt Robert Puentes, Geschäftsführer des Eno Center for Transportation, eines gemeinnützigen Thinktanks aus den USA, gegenüber der "New York Times". "Aber wenn man es mit den Kosten des Nichtstuns vergleicht, hat es viel mehr Sinn."

Japan als Vorreiter

Apokalypse in der U-Bahn: Im chinesischen Zhengzhou stand den Passagieren das Wasser tatsächlich bis zum Hals. - © afp / Weibo user merakiZz-
Apokalypse in der U-Bahn: Im chinesischen Zhengzhou stand den Passagieren das Wasser tatsächlich bis zum Hals. - © afp / Weibo user merakiZz-

New York beispielsweise besitzt eines der ältesten U-Bahnsysteme der Welt und hat schon jetzt jeden Tag mit Wasserproblemen zu kämpfen. Durch die Lage der Stadt, zwischen zwei Flüssen und direkt am Meer ist der dortige Grundwasserspiegel sehr hoch, so muss ständig Wasser aus U-Bahnschächten gepumpt werden. Kommen dann andauernde Regenfälle oder wie 2012 der Hurrikan "Sandy" hinzu, so verwandelt sich die Metro rasend schnell in ein potenzielles, nasses Grab. Allerdings haben auch moderne Untergrundverbindungen mit diesen Problemen zu kämpfen. Die U-Bahn im von Rekordniederschlägen getroffenen Zhengzhou ist gerade einmal zehn Jahre alt und wurde in einer traditionell von Taifunen betroffenen Region konstruiert.

Als Vorreiter beim Hochwasserschutz von öffentlichen Verkehrsmitteln gilt Japan. Das Untergrundbahnnetzwerk der japanischen Stadt Osaka wurde zuletzt mit Hilfe von Simulationen, die der Wissenschafter Taisuke Ishigaki seit einigen Jahren durchführt, auf Überflutungen vorbereitet. Ishigaki forscht dazu am Institut für Tiefbau an der Kansai Universität in Osaka und betreibt eine Art Netzwerk aus Kameras, die die Wasserhöhe bei Überflutungsgefahr beobachten. Sobald ein Gefahrenbereich überschritten wird, können Eingänge zu U-Bahnschächten abgeschottet werden. In Tokio wurden zuletzt auch riesige Zisternen angelegt, die das Wasser in den Tunnelsystemen aufnehmen sollen. Doch an den hundertprozentigen Schutz glaubt der Forscher aus Osaka nicht. Wenn die Flüsse, die durch viele japanische Städte fließen, über die Ufer treten, würden all die Maßnahmen nicht reichen, meint Ishigaki laut "New York Times".

Auch in Wien wurde zuletzt die Station Neulaa überflutet. - © Wr. Linien
Auch in Wien wurde zuletzt die Station Neulaa überflutet. - © Wr. Linien

Mit der Problematik überfluteter U-Bahntunnel werden sich Stadtverwaltungen aber nicht nur wegen der Zunahme von Starkregenereignisse häufiger beschäftigen müssen. Aufgrund der guten CO2-Bilanz und der Leistungsfähigkeit werden U-Bahnen auch in immer mehr Städten auf der Welt gebaut werden. So gibt es etwa in Österreich, wo über Jahrzehnte Wien die einzige Stadt mit einer U-Bahn war, mit Graz nun eine zweite Metropole, wo es nach den Wünschen von Bürgermeister Siegfried Nagl bald so weit sein soll.

Überflutung in Wien

Dass auch die Wiener U-Bahn nicht vor Überschwemmungen gefeit ist, hat sich jedenfalls vergangene Woche gezeigt. So wurde der Zugangsbereich der Station Neulaa nach mehreren Gewittern vollständig überflutet. Dennoch sieht man sich in der Bundeshauptstadt vergleichsweise gut auf Hochwassersituationen vorbereitet. So gibt es laut den Wiener Linien nicht nur schließbare Schotttore, die großflächigere Überschwemmungen verhindern sollen, sondern auch andere Maßnahmen wie den Einsatz von Dammbalkenverschlüssen oder Sandsäcken. Wenn starke Regenfälle das Wasser von oben über die U-Bahneingänge kommen lassen, so wie in der U1-Station Neulaa vergangene Woche, könne man aber oft nur wenig machen, sagt Tanja Gruber, Pressesprecherin der Wiener Linien.