Madrid. Das hätte in Spanien niemand für möglich gehalten: Altkönig Juan Carlos, einst einer der beliebtesten Monarchen Europas, lebt bereits seit einem Jahr im Emirat Abu Dhabi fern von Frau und Familie im Exil. Seitdem er seine Heimat am 3. August 2020 heimlich verlassen hat, hüllt sich der 83-Jährige in Schweigen. Keine öffentliche Aussage, keine Mitteilung, kaum Fotos.

Auch das Königshaus und die Regierung in Madrid haben bisher nichts Konkretes über das Leben des früheren Staatsoberhauptes in der Wüste verraten. Das letzte Bild von Juan Carlos - am Tisch mit Kronprinz Scheich Mohammed bin Zayed Al Nahyan - stammt vom Februar.

Der daheim von Justizermittlungen, Korruptionsvorwürfen und anderen Affären bedrängte Bourbone ist förmlich untergetaucht. Die Zeitung "ABC" spricht von einer "eisernen Informationsblockade", bei der in Abu Dhabi sogar die trickreichsten Paparazzi erfolgreich auf Distanz gehalten werden. Es ist kein Geheimnis: Juan Carlos soll und will dem bereits heftig ramponierten Image des spanischen Königshauses, das seit seiner Abdankung vor gut sieben Jahren von seinem Sohn Felipe VI. geleitet wird, keinen Schaden mehr zufügen.

Eine Rückkehr nach Spanien stehe daher derzeit überhaupt nicht zur Debatte, schrieben am Sonntag unisono zwei Blätter, die über sehr gute Kontakte in den Zarzuela-Palast nordwestlich von Madrid verfügen, das konservative "El Mundo" und das monarchistische "ABC". Zumindest nicht bevor alle Justizermittlungen abgeschlossen seien. Die Journalistin und Schriftstellerin Pilar Eyre, die sich im Königshaus ebenfalls sehr gut auskennt, geht viel weiter als diese Medien. "Ich glaube, dass er (Juan Carlos) niemals zurückkehren wird. Er wird im Exil sterben", meint sie.

Royals und Regierung hatten die Hoffnung gehegt, der Abgang werde die Wogen der Skandale schnell glätten. Der Auslandsaufenthalt werde wohl nur einige Monate dauern, schätzten auch Medien. Doch die Hoffnungen erfüllten sich nicht. Im Gegenteil: Das Oberste Gericht und auch die Steuerbehörden leiteten seit Juni 2020 im Zusammenhang mit den mutmaßlich illegalen Finanzaktivitäten von Juan Carlos mehrere Ermittlungen ein.(dpa)