Regenfälle haben in der Nacht auf Donnerstag bedeutend im Kampf gegen die Brände in Griechenland geholfen. Sowohl auf der zweitgrößten Insel Euböa als auch auf der Halbinsel Peloponnes erloschen nach übereinstimmenden Berichten von Journalisten an Ort und Stelle viele Feuer. Es sei viel besser, sagten auch mehrere Bürgermeister auf der Halbinsel Peloponnes übereinstimmend im Staatsrundfunk.

In vielen Fällen empfingen Autofahrer die ersten Regentropfen mit Hupkonzerten, wie der Nachrichtensender Skai berichtete. Die Dürre war der Hauptgrund für die verheerenden Brände, bei denen ersten Schätzungen zufolge mehr als 90.000 Hektar Wald und landwirtschaftlich genutztes Land sowie Tausende Häuser zerstört wurden. Unzählige Tiere starben.

Die Feuerwehr warnte jedoch, die Gefahr sei noch nicht vorbei. In vielen Fällen brannte es noch im Unterholz und neue Brände könnten ausbrechen. Zudem wehten landesweit starke Winde.

Der Wetterumschwung hatte auch noch etwas anderes zur Folge: Durch zahlreiche Blitze wurden kleinere Feuer im Westen Athens und auf der Halbinsel Chalkidiki im Norden des Landes entfacht. Diese konnten aber schnell gelöscht oder unter Kontrolle gebracht werden. Alle Feuerwehreinheiten aus mehr als 20 Nationen blieben Donnerstagfrüh in höchster Alarmbereitschaft.

Griechischer Premier: Klimakrise ist Ursache

Der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis sieht in der Klimakrise einen der Hauptgründe für die verheerenden Waldbrände im Land. "Ich betone, es ist kein Klimawandel, es ist eine Klimakrise. Und wir als Land sind Teil davon", sagte er bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Athen. Das Feuer hätte auch deshalb so gewütet, weil den Bränden eine Hitzewelle vorausgegangen sei, die das Land ausgetrocknet habe. Das Thema Umwelt müsse zur nationalen Hauptaufgabe gemacht werden.

Man müsse neu denken, forderte Mitsotakis. So sei es zum Beispiel möglich, gemeinsam mit Australien Löschflugzeuge anzuschaffen. Diese könnten im australischen Winter, wenn in Europa Sommer ist, in Griechenland eingesetzt werden.

Es habe zum Teil auch Brandstiftung gegeben, sagte Mitsotakis. Es gebe allerdings bisher keine konkreten Hinweise auf organisierte Brandstiftung.

Großbrand in Türkei unter Kontrolle

Auch in der Türkei gibt es Zeichen der Entspannung: Ein Großbrand in der südwesttürkischen Provinz Mugla ist zwei Wochen nach Ausbruch unter Kontrolle. Einsatzkräfte seien dabei, das Gebiet im Bezirk Köycegiz abzukühlen, schrieb Forstminister Bekir Pakdemirli in der Nacht auf Donnerstag auf Twitter. Zuletzt hatten starke Winde die Löscharbeiten in der Region behindert.

Seit Ende Juli waren in der Türkei mehr als 200 Feuer ausgebrochen, darunter 16 große Waldbrände. Mehr als die Hälfte der 81 Provinzen waren betroffen. Inzwischen wurden die meisten Brände unter Kontrollen gebracht. Besonders in den Küstenprovinzen Antalya und Mugla hat das Feuer große Zerstörung angerichtet. Acht Menschen kamen ums Leben.

Gluthize auf Sizilien

Süditalien ist weiterhin mit schweren Bränden konfrontiert. Jedoch scheint sich auf der italienischen Insel Sizilien zumindest die Waldbrandlage gebessert zu haben. Die Feuerwehr berichtete am Donnerstag, dass die Situation derzeit unter Kontrolle sei. Die ganze Nacht über hatten die Einsatzkräfte in Italien gegen die Flammen gekämpft. In den vergangenen zwölf Stunden rückten sie demnach auf Sizilien zu 230 Einsätzen aus. Die Feuer hätten auch Häuser bedroht.

Stark betroffen von den Flammen war die sizilianischen Provinz Enna. Dort mussten Dutzende Menschen ihre Häuser verlassen. Zwei Landwirtschaftsunternehmen wurden zerstört. Löschflugzeuge und Hubschrauber waren im Dauereinsatz, um die Flammen unter Kontrolle zu bringen. Dutzende von Einheiten der Feuerwehr, des Zivilschutzes und Förster kämpften gegen die Flammen, die sich in Enna einem Hotel gefährlich näherten. Zumindest scheint sich die Waldbrandlage auf Sizilien aber gebessert zu haben.

Bild aus Sizilien: Die enorme Hitze erschwert die Brandbekämpfung. 
- © APAweb / AFP / Vigile del Fuoco / Handout

Bild aus Sizilien: Die enorme Hitze erschwert die Brandbekämpfung.

- © APAweb / AFP / Vigile del Fuoco / Handout

Weiter wüteten die Brände auch in Kalabrien und in Apulien, berichteten die Behörden. In Kampanien versuchte ein 68-jähriger Mann ein Feuer auf seinem Grundstück zu löschen, wurde aber von den Flammen erfasst und musste ins Spital eingeliefert werden. In Siano (Provinz Catanzaro) kämpften die Retter nach eigenen Angaben die gesamte Nacht über gegen Flammen in einem Museum. Ein Video zeigte die Löscharbeiten in einem verkohlten Raum des Gebäudes. Die Feuerwehr begrenzte demnach den Schaden. Auf anderen Bildern waren dichte Rauchschwaden zu sehen, die in Wohnsiedlungen zogen.

"Die Brände sind eine landesweite Plage, für die sofortige Antworten gefunden werden müssen, und zwar mit der Entschädigung derjenigen, die alles verloren haben", sagte Landwirtschaftsminister Stefano Patuanelli bei einem Besuch in den von den Bränden auf Sizilien betroffenen Gemeinden. Die Brände seien auf Brandstiftung zurückzuführen, sie seien aber auch das Ergebnis schlechter Pflege der Wälder, so der Minister.

Die Brände sind auch von der Hitzewelle begünstigt, unter der Italien seit mehreren Tagen leidet. In der Provinz Syrakus auf Sizilien wurde am Mittwoch eine Rekordtemperatur von 48,8 Grad gemeldet. Derzeit wird sie noch von der Weltwetterorganisation verifiziert und muss noch offiziell bestätigt werden. Der Rekord auf Sizilien lag bisher bei 48,5 Grad, aufgestellt im August 1999 in Enna.

Auch der Rest Italiens stöhnt unter der Hitze. Mit 39 bis 42 Grad wird in den süditalienischen Regionen Kalabrien, Apulien, Basilikata und Kampanien gerechnet. Die Wetterexperten erwarten auch in der Toskana, im Latium und in der Region Emilia Romagna Temperaturen zwischen 39 und 40 Grad. In Rom dürften es 38 Grad sein, in Venetien und der Lombardei 37. 32 Grad werden in Ligurien erwartet. (apa, dpa)